Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'

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25.12.2012 14:42
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#16 RE: Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'
em
emsig ( gelöscht )

Zitat von Mikelectric

Hat Wissenschaft denn nicht viel mehr mit Glauben zu tun als mit Wissen?


Nein, Wissenschaft hat mit Überprüfbarkeit zu tun.

Zitat

Und hat der tiefe Christliche Glaube nicht viel mehr mit Wissen zu tun als mit Glauben?


Nur wenn Du die Begriffe umdefinieren willst. Das solltest Du mit dem Papst besprechen.

Zitat

Die Wissenschaftler glauben gerne an ihre Theorien. Jede Wissenschaft basiert aber nur auf Theorien und nicht auf Wissen. Eine Theorie hat solange Gültigkeit, wie man sich Dinge aus der eigenen Erfahrungswelt damit schlüssig erklären kann. Bisher sind da schon viele Theorien an ihre Grenzen geraten, an denen sie nicht mehr funktionierten. Dann entwickelt jemand eine neue Theorie, die auch über die bisherigen Grenzen hinaus noch funktioniert. Dann hat ab sofort diese Theorie ihre Gültigkeit - aber soll man das dann wirklich "Wissen" nennen ??


Wissen in der Wissenschaft kann sich wandeln, verbessern und erweitert werden. Manches, was man zu wissen glaubte, hat sich als ungenau oder sogar falsch herausgestellt. Soll man deswegen vernunftgeleitetes Denken über Bord werfen?

Zitat

Oft werden auch mehrere Theorien parallel verwendet um sich Dinge erklären zu können. Da reicht manchmal nicht eine umfassende Theorie aus, bzw. hat diese noch keiner erfunden.


Ja, manche physikalische Theorien haben begrenzte Gültigkeitsbereiche. Eine universelle Beschreibung aller Phänomene hat man noch nicht, vielleicht gibt es gar keine. Aber dort, wo die Theorien gelten, sind sie äußerst erfolgreich. Ohne Newtonsche Mechanik, ohne Relatitivätstheorie, ohne Quantentheorie und ihre überaus präzisen Vorhersagen hätten wir vieles nicht, auch nicht dieses Forum.

Zitat

Die wissenschaftliche Ausbildung heute, vernachlässigt meiner Meinung nach diese Tatsache viel zu sehr. Vielen Wissenschaftlern ist nicht richtig bewusst, daß sie ausschließlich mit Theorien arbeiten. So habe ich oft den Eindruck, das Wissenschaftler ihre eigene Wissenschaft - und damit auch die zugehörigen Theorien - wie einen Gott betrachten, den sie selbst gemacht haben.


Von welcher wissenschaftlichen Ausbildung redest Du hier? Ich denke, jedem Physiker ist klar, daß er mit Modellen arbeitet, und auch im Studium wird das deutlich gemacht.

Zitat

Ein Physiker nennt seine Theorien gerne "Naturgesetze" - ist das nicht lächerlich?


Was verstehst Du unter einem Naturgesetz? Was ist daran lächerlich, etwas wie das Gravitationsgesetz als Naturgesetz zu bezeichnen?

Zitat

Ein Mediziner glaubt oft "Herrscher über das Leben" zu sein - ist das nicht absurd?


Ich weiß nicht, ob viele Mediziner so anmaßend wären. Aber wenn Dein Leben schon einmal von einer Operation und dem Können eines Chirurgen abgehängt hätte, fändest Du das nicht so absurd.

Zitat

Ein Theologe glaubt man, müsse "etwas von Gott verstehen" - aber muß er überhaupt an Gott glauben?


Ich denke nicht, daß ein Theologe nach Definition der 'Berufsbezeichnung' religiös sein muß, aber sicher ist es doch oft der Fall. Das könnte daran liegen, daß für nicht-religiöse Menschen theologische Themen oft so interessant sind wie die Frage, ob Schneewittchen Links- oder Rechtshänderin war, und daher Atheisten eher selten Theologen werden.

Zitat

Jeder wirklich gute Physiker wird früher oder später auch Philosoph werden und spätestens im reiferen Endstadium an Gott glauben! Hier liegt dann die wirklich tiefe Erkenntnis. Und wer mit Gott lebt, der weiß auch, daß es ihn gibt, der muß es nicht nur glauben.


Lehnst Du Dich da nicht ziemlich weit aus dem Fenster. Als Widerlegung von "jeder" reicht doch schon ein einziges Gegenbeispiel, und da könnte man Einstein als prominentesten Physiker nehmen, aber auch Dirac und viele weitere. Bei den Philosophen sieht es kaum anders aus, da denke ich z.B. an Russell: https://www.youtube.com/watch?v=tP4FDLegX9s Du müßtest eine Statistik machen, dann könntest Du möglicherweise "jeder" durch "viele" ersetzen, vielleicht auch nur durch "manche".

Gruß,
Markus


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25.12.2012 17:10
#17 RE: Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'
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Administrator

M.E. gestaltet sich diese Diskussion vor allem deswegen als schwierig, weil wir mitten auf dem Turm von Babel sitzen. Die Begrifflichkeiten sind verwaschen und unklar; der eine weiß nicht, wovon der andere spricht, etwa, wenn das Wort 'Wissen' oder auch das Wort 'Glauben' in den Mund genommen wird.

Die derzeitige*) Dominanz des naturwissenschaftlichen Wissenschaftsparadigmas ist zunächst einmal als gegeben hinzunehmen; es gab andere Epochen, in denen andere Paradigmen die Vorreiterrolle inne hatten. Keiner von uns weiß, wo die sog. exakte Wissenschaft morgen landen wird. Selbst hier in diesem Thread wurden relativ aktuelle Ansätze erwähnt, die - da gebe ich einem meiner Vorredner Recht - eher in eine synkretistische Richtung weisen und irgendwo mit dem weit gefächerten Bereich der Esoterik liebäugeln.

Wenn ich mich - ganz unwissenschaftlich - in meiner Umgebung umsehe und mit Menschen ins Gespräch komme, staune ich oft nicht wenig, wieviele Irrationalismen auch unsere Postmoderne noch (oder: schon wieder?) produziert. Mit Beginn der Aufklärung gerieten das Christentum (und vielleicht auch andere Religionen) immer mehr ins Visier (berechtigter?) Kritik. War das Thema Religion aber damit erledigt? Hinterließ nicht auch das Abgehen von der Religion eine Lücke? Und wer schickte sich an, diese Lücke zu füllen?

Auch wenn die Naturwissenschaft im Quadrat springt: Trost, Orientierung, Hoffnung vermochte sie den Menschen nicht zu geben. Mag jemand widersprechen?

_______________________________
*) Autsch, das tut weh, nicht wahr? Tut mir leid, ich seh's trotzdem so...


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25.12.2012 17:18
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#18 RE: Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'
Gast
( gelöscht )

Zitat von emsig

Zitat von Mikelectric

Hat Wissenschaft denn nicht viel mehr mit Glauben zu tun als mit Wissen?


Nein, Wissenschaft hat mit Überprüfbarkeit zu tun.

Zitat von Mikelectric

Und hat der tiefe Christliche Glaube nicht viel mehr mit Wissen zu tun als mit Glauben?


Nur wenn Du die Begriffe umdefinieren willst. Das solltest Du mit dem Papst besprechen.



Ob es der Papst weiß, kann ich nicht sagen, aber im allgemeinen kommt die Erkenntnis und die Weisheit mit dem Alter.
Jüngere denken öfter in Deinen Antworten.

Zitat von emsig
Wissen in der Wissenschaft kann sich wandeln, verbessern und erweitert werden. Manches, was man zu wissen glaubte, hat sich als ungenau oder sogar falsch herausgestellt. Soll man deswegen vernunftgeleitetes Denken über Bord werfen?


Da siehst Du es doch! Man hatte eben fest geglaubt es zu wissen, aber hinterher hat man doch festgestellt, daß es falsch war - folglich hat man nichts gewusst, sondern nur geglaubt. Der Mensch ist einfach zu dumm etwas wirklich zu wissen - er betrachtet Dinge als Tatsachen, nur weil er meint bei der einen oder anderen Überprüfung trifft es zu. Glaubst Du im ernst, daß die Menschheit viel weiß?

Zitat von emsig
Ja, manche physikalische Theorien haben begrenzte Gültigkeitsbereiche. Eine universelle Beschreibung aller Phänomene hat man noch nicht, vielleicht gibt es gar keine. Aber dort, wo die Theorien gelten, sind sie äußerst erfolgreich. Ohne Newtonsche Mechanik, ohne Relatitivätstheorie, ohne Quantentheorie und ihre überaus präzisen Vorhersagen hätten wir vieles nicht, auch nicht dieses Forum.


Nein, jede Theorie hat einen begrenzten Gültigkeitsbereich, sonst wäre es keine Theorie mehr, sondern ein Absolutum!
Innerhalb des Gültigkeitsbereichs kann der Mensch mit seinen beschränkten Fähigkeiten dann relativ viel mit einer Theorie anfangen.

Zitat von emsig
Von welcher wissenschaftlichen Ausbildung redest Du hier? Ich denke, jedem Physiker ist klar, daß er mit Modellen arbeitet, und auch im Studium wird das deutlich gemacht.


Ja es wird im Studium davon gesprochen, falls man einen weisen Dozenten hat. Aber viele Studenten haben das deswegen noch längst nicht verinnerlicht. Ich glaube nicht unbedingt, daß sich diese Tatsache sehr von der Art der wissenschaftlichen Ausbildung unterscheidet. Vielleicht ist es in technisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen aber besonders schlimm.

Zitat von emsig
Was verstehst Du unter einem Naturgesetz? Was ist daran lächerlich, etwas wie das Gravitationsgesetz als Naturgesetz zu bezeichnen?


Woher wollen wir denn wissen, daß z.B. das Gravitations-"Gesetz" unter allen Umständen absolute Gültigkeit hat?
Es trifft in unserem Erfahrungbereich zu und ist auch nur da teilweise überprüfbar - also müsste es doch viel zutreffender heißen "Gravitationstheorie". Eben solche Anmaßung der Menschen finde ich ja lächerlich, das dann "Gesetz" zu nennen. Alleine die Theorien von Albert Einstein würden das "Gravitationsgesetz" schon widerlegen wenn man sie konsequent weiterdenken würde.

Zitat von emsig

Zitat von Mikelectric

Ein Mediziner glaubt oft "Herrscher über das Leben" zu sein - ist das nicht absurd?


Ich weiß nicht, ob viele Mediziner so anmaßend wären. Aber wenn Dein Leben schon einmal von einer Operation und dem Können eines Chirurgen abgehängt hätte, fändest Du das nicht so absurd.



Kennst Du meine Erfahrung mit Medizinern? Weißt Du, was mir widerfahren ist oder nicht?
Jeder begibt sich von Geburt an in eine gewisse Abhängigkeit, das fängt schon in gewissem Sinne mit der Hebamme an. Ich bezweifle keineswegs das hohe Können und das Verantwortungsbewusstsein der meisten Mediziner. Viele von denen die ich kennengelernt habe sind aber schon sehr von sich eingenommen und zeigen einem Patienten gerne mal wie abhängig er von ihnen ist.

Zitat von emsig
ch denke nicht, daß ein Theologe nach Definition der 'Berufsbezeichnung' religiös sein muß, aber sicher ist es doch oft der Fall. Das könnte daran liegen, daß für nicht-religiöse Menschen theologische Themen oft so interessant sind wie die Frage, ob Schneewittchen Links- oder Rechtshänderin war, und daher Atheisten eher selten Theologen werden.


Ein Theologe muß definitv nicht religiös sein - er ist Wissenschaftler! Aber vermutlich glauben viele Menschen daß es so wäre - es sind aber tatsächlich erstaunlich viele Theologen nicht (oder vlt. auch nicht mehr?) unbedingt sehr religiös.
Ein Atheist wird vermutlich das lernen, womit man aus seiner Sicht einfach gutes Geld verdienen kann. Warum sollte er also nicht evtl. auch Theologie in Erwägung ziehen.

Zitat von emsig

Zitat von Mikelectric
Jeder wirklich gute Physiker wird früher oder später auch Philosoph werden und spätestens im reiferen Endstadium an Gott glauben! Hier liegt dann die wirklich tiefe Erkenntnis. Und wer mit Gott lebt, der weiß auch, daß es ihn gibt, der muß es nicht nur glauben.


Lehnst Du Dich da nicht ziemlich weit aus dem Fenster. Als Widerlegung von "jeder" reicht doch schon ein einziges Gegenbeispiel, und da könnte man Einstein als prominentesten Physiker nehmen, aber auch Dirac und viele weitere. Bei den Philosophen sieht es kaum anders aus, da denke ich z.B. an Russell: https://www.youtube.com/watch?v=tP4FDLegX9s Du müßtest eine Statistik machen, dann könntest Du möglicherweise "jeder" durch "viele" ersetzen, vielleicht auch nur durch "manche".



Meine Rede ist ja von wirklich guten Physikern - nicht jeder Physiker!
Einstein hat m.W. von sich selbst nie behauptet ein guter Physiker zu sein. Was wissen wir denn auch wirklich vom Glauben eines Menschen. Nicht jeder breitet das in der Öffentlichkeit aus und manch einer kommt erst auf dem Sterbebett zur Erkenntnis. Ist wirklich jeder bekannte Physiker auch als "großer" zu bezeichnen? Vielleicht liegt die Größe die ich meine auch woanders.

Gruß Michael


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25.12.2012 17:23
#19 RE: Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'
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Administrator

Herrje, fasst euch kürzer. Das sind ja Romane...
Können wir uns in dem Streit um Kaisers Bart darauf einigen, dass menschliches Wissen und Erkennen vorläufigen Charakter hat?


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25.12.2012 18:08
avatar  Kontrabombarde 32 ( gelöscht )
#20 RE: Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'
Ko
Kontrabombarde 32 ( gelöscht )

Zitat
Auch wenn die Naturwissenschaft im Quadrat springt: Trost, Sicherheit, Hoffnung vermochte sie den Menschen nicht zu geben. Mag jemand widersprechen?



Dem kann und will ich nicht widersprechen. Im Gegenteil, sie hat den Menschen das alles genommen. Deshalb finde ich Amit Goswamis Ansatz absolut richtungsweisend. Wenn sich Spiritualität mit einer modernen Naturwissenschaft in Einklang bringen läßt, dann ist es genau das, was die Menschen heute brauchen.

Ich möchte hier noch einmal herausstellen, was mich trotz meiner christlichen Erziehung durch das Beschäftigen mit fernöstlichen Praktiken weitergebracht hat: die eigene spirituelle Dimension wahrzunehmen. Nicht nur um sie zu wissen, sondern sie zu erfahren.

Das kommt aus meiner heutigen Sicht bei den christlichen Religionen in der Regel zu kurz. Anstelle der eigenen Erfahrung treten die Dogmen. Ich habe schon mehrere christlich Gläubige in ihren letzten Tagen erlebt: Zweifel kamen auf, ob alles auch wirklich so ist, wie man problemlos Jahrzehnte lang glauben konnte. Man krallt sich an das Leben und ignoriert den herannahenden Tod. Das hat mir zu denken gegeben.
Es paßt zu unserer materialistisch orientierten westlichen Welt, daß wir einen Glauben haben (natürlich den Richtigen) und daß wir nicht wirklich aus Überzeugung gläubig sind. In diesem Zusammenhang ein Hinweis auf Erich Fromms Buch mit dem Titel „Haben oder Sein".

Die absolute Überzeugung, dass hinter der Materie eine andere Wirklichkeit verborgen ist, kann nur aus der eigenen Erfahrung kommen. Das haben Schamanen auf allen Erdteilen offenbar vor tausenden von Jahren schon praktiziert (unter dem Einfluß von Naturdrogen) und das gleiche wurde in Fernostasien schon vor über 2000 Jahren durch Meditation erzielt. Eine neuere Version, die zunehmend auftritt, ist die Nahtoderfahrung. Dank schneller erster Hilfe werden immer mehr Menschen noch einmal zurückgeholt.

Schamanen wurden im Westen solang als Geistesgestörte betrachtet bis der Ethnologe Prof. Michael Harner sich selbst einem Ritual unterzogen hat, das ihn in eine Trance geführt hat.

Wer sich über ein Buch und Dokumentarfilm zu diesem Thema kurz informieren will:

http://www.das-innere-land.de/4902.html

Was Meditation angeht, so wird diese inzwischen auch zu meiner großen Freude unter den Prüfstand der Wissenschaft genommen. Hier der Link zu einer 6-teiligen Dokuserie:

https://www.youtube.com/watch?v=_mud-L6b0nM

Kontrabombarde 32


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25.12.2012 18:13
#21 RE: Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'
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Administrator

Leise Frage: Warum ist es dir so wichtig, dass deine Spiritualität mit der Naturwissenschaft in Einklang gebracht werden kann?

Mir ist das gar nicht wichtig, da es für mich zwei unterschiedliche Ebenen sind, die sich mit unterschiedlichen Bereichen der Wirklichkeit befassen, bzw. sich mit unterschiedlichen Herangehensweisen der Wirklichkeit (welcher?) nähern.

Ich kenne auch keine Frage, für deren Beantwortung eine Synthese von Glaube und Naturwissenschaft nötig wäre.


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25.12.2012 18:23
avatar  Kontrabombarde 32 ( gelöscht )
#22 RE: Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'
Ko
Kontrabombarde 32 ( gelöscht )

Da antworte ich kurz und bündig: die Naturwissenschaft hat den Glauben untergraben. Dem geozentrischen Modell der Kirche mußte das heliozentrische weichen. Der Idee einer vollkommenen Schöpfung folgte ein naturwissenschaftlich fundiertes Bild eines chaotischen Universums mit Sternenexplosionen, gegenseitigen Durchdringungen ganzer Galaxien und einem völlig zufälligen, unbedeutendem Platz der Erde innerhalb des Universums. Der Genesis folge eine Evolutionstheorie, deren Artenvielfalt durch natürliche Auslese erklärt werden konnte.

Natürlich hat die Kirche nach und nach Zugeständnisse gemacht, aber zuerst wurde doch alles erst mal rigoros abgelehnt.

Meinst Du nicht, daß dies die Glaubwürdigkeit der Kirche untergraben hat?

Gruß

Kontrabombarde 32


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25.12.2012 18:32
#23 RE: Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'
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Administrator

Natürlich. Die Glaubwürdigkeit der Kirche geht in dem Augenblick flöten, wo sie über Sachen Auskünfte gibt, die nicht in ihrem 'Fachbereich' liegen. Genausogut könnte ich einen Physiker über Ethik oder über das Jenseits befragen...

Darum tut es not zu wissen, was in meinem Aufgabenbereich als Physiker, Theologe, Jurist, Ethiker usw. liegt. Dann kommt es zu keinen peinlichen Grenzüberschreitungen (deren sich die Kirche eine Menge geleistet hat und immer noch leistet - und deren neuerdings auch sog. Wissenschaftler nicht frei sein sollen, wie man hört. :teufel.


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25.12.2012 18:46
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#24 RE: Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'
Gast
( gelöscht )

Ein Bekannter hat mir mal gesagt:
"Ich bin ja Katholisch aber ich ich weiß jetzt, daß in diesem Glauben wichtige Dinge bisher fehlen. Wir sind alle schon mehrfach wiedergeboren worden und werden immer wieder geboren werden. Seitdem ich diesen tollen Therapeuten kennengelernt habe und mich jetzt regelmäßig mit meinen früheren Leben auseinandersetze geht es mir viel besser. Meine Energie ist jetzt in freiem Fluß und ich habe nun ein tolles Charma"... .. oder so ähnlich war das.
Er beteuerte aber, nach wie vor katholisch zu sein - ich hatte aber nicht den Eindruck, daß es ihm wirklich besonders gut geht.

Das scheint mir aber so ein allgemeiner Trend zu sein, von jeder Religion das Beste zu nehmen und sich daraus einen eigenen Glauben zu stricken. Natürlich ein paar Engel, etwas Christkind, die positive Wirkung der Halbedelsteine, Esoterischer Energiefluß inkl. Feng Shui, und natürlich Schüsslersalze und das Beste aus den Naturwissenschaften, denn wir sind ja nicht weltfremd und glauben vor Allem das was wir sehen - natürlich sind wir dabei stock-evangelisch

Dabei wäre es doch so einfach Christ zu sein. Ganz stinknormal katholisch oder evangelisch - manchen scheint das wohl nicht zu reichen. Und in der uns von Gott gegebenen Realität die Wirklichkeit zu sehen in der wir momentan leben. Wenn wir die Theorien, die für unsere jetzige Wirklichkeit zutreffen, gut ausnutzen wollen, dann haben wir doch eigentlich schon genug zu tun.

Ich sehe schon - Diskussionen über Orgeln und Abstrahlungen sind zwar auch nicht einfach, aber ein Klacks gegenüber diesem "Philosophicum" [grin]


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25.12.2012 19:28
avatar  emsig ( gelöscht )
#25 RE: Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'
em
emsig ( gelöscht )

Zitat von Mikelectric

Zitat von emsig

Zitat von Mikelectric

Und hat der tiefe Christliche Glaube nicht viel mehr mit Wissen zu tun als mit Glauben?


Nur wenn Du die Begriffe umdefinieren willst. Das solltest Du mit dem Papst besprechen.



Ob es der Papst weiß, kann ich nicht sagen, aber im allgemeinen kommt die Erkenntnis und die Weisheit mit dem Alter.



Der Papst jedenfalls spricht wenig von Wissen und viel von Glauben, so daß ich annehmen muß, daß Du die Worte in einer anderen Bedeutung verwendest.

http://de.wikipedia.org/wiki/Jahr_des_Glaubens

Zitat von Mikelectric

Jüngere denken öfter in Deinen Antworten.


Ich weiß nicht, ob Du mir damit schmeicheln oder Unreife unterstellen willst. [wink] Jung bin ich jedenfalls nicht mehr.

Ich überspringe jetzt einiges, wo ich Dir teilweise zustimme, und man über den Rest noch reden könnte, ohne daß dabei ein Erkenntnisgewinn herauskäme. Wir sollen uns ja kürzer fassen...

Zitat von Mikelectric

Zitat von emsig

Zitat von Mikelectric
Jeder wirklich gute Physiker wird früher oder später auch Philosoph werden und spätestens im reiferen Endstadium an Gott glauben! Hier liegt dann die wirklich tiefe Erkenntnis. Und wer mit Gott lebt, der weiß auch, daß es ihn gibt, der muß es nicht nur glauben.


Lehnst Du Dich da nicht ziemlich weit aus dem Fenster. Als Widerlegung von "jeder" reicht doch schon ein einziges Gegenbeispiel, und da könnte man Einstein als prominentesten Physiker nehmen, aber auch Dirac und viele weitere. Bei den Philosophen sieht es kaum anders aus, da denke ich z.B. an Russell: https://www.youtube.com/watch?v=tP4FDLegX9s Du müßtest eine Statistik machen, dann könntest Du möglicherweise "jeder" durch "viele" ersetzen, vielleicht auch nur durch "manche".



Meine Rede ist ja von wirklich guten Physikern - nicht jeder Physiker!
Einstein hat m.W. von sich selbst nie behauptet ein guter Physiker zu sein. Was wissen wir denn auch wirklich vom Glauben eines Menschen. Nicht jeder breitet das in der Öffentlichkeit aus und manch einer kommt erst auf dem Sterbebett zur Erkenntnis. Ist wirklich jeder bekannte Physiker auch als "großer" zu bezeichnen? Vielleicht liegt die Größe die ich meine auch woanders.



Ist mir unklar, was Du hiermit sagen willst. Daß Einstein kein 'wirklich' guter Physiker war, weil er zu bescheiden war, sich selbst als solchen zu bezeichnen? Oder daß ihm die innere Größe gefehlt hat, weil er nicht gläubig war? Ein guter Physiker ist für mich einer, der die Physik vorangebracht und unser Verständnis von der Welt erweitert hat, selbst wenn es nur ein vorläufiges Verständnis ist, und ganz unabhängig davon, ob er glaubte, Gottes Schöpfung zu erkunden, oder ob er wie Einstein, Dirac oder Feynman Atheist oder Agnostiker war. Für mich sind das nicht nur gute, sondern 'wirklich' gute Physiker.

Gruß,
Markus


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25.12.2012 19:48
avatar  Kontrabombarde 32 ( gelöscht )
#26 RE: Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'
Ko
Kontrabombarde 32 ( gelöscht )

Mike, man kann alles in's lächerliche ziehen.

Ich könnte das auch mit dem katholischen Glauben, tu's aber nicht.

Nur mal ein paar allgemeine Dinge:

- alle 4 kanonischen Evangelien sind von Männern verfaßt worden, die Jesus selbst überhaupt nie gehört haben, weil er schon viele Jahre nicht mehr unter den Menschen weilte, als diese das, was 2 - 3 Generationen erst mal mündlich überliefert wurde, niedergeschrieben haben.

- auf inhaltliche Widersprüche zwischen den 4 Evangelien will ich gar nicht eingehen, die gibt es aber zu genüge.

- das sogenannte Thomas-Evangelium wurde, salopp gesagt, per Konzil gestrichen, dabei steht gar nix schlimmes drin, aber es paßte wohl nicht zur Lehre. Wenn ich demgegenüber die Makkabäer lese, dann frage ich mich, was Menschen in ihrem Glauben schon alles an eigener Begrenztheit in das Wirken Gottes hineininterprtiert haben.

Wenn Du das alles glauben willst, darfst Du das gerne tun, falls es Dir wirklich leicht fällt. Vergiß dabei nicht: die Makkabäer stehen auch in der "Heiligen Schrift".

Ein weiteres generelles Problem ist, daß heute via Internet jedem alles verfügbar gemacht wird. Da machen sich viele Gedanken. Ist das wirklich schlecht?

Früher war alles viel einfacher: wenn Frauen übersinnliche Fähigkeiten hatten, dann wurden sie zu solchen erklärt, die mit dem Teufel in Kontakt stehen und man hat sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Sorry, jetzt habe ich mein Versprechen eingangs doch nicht wirklich gehalten.

So und jetzt will ich noch etwas üben.

Gruß

Friedrich


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25.12.2012 20:34
#27 RE: Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'
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Administrator

Koptische Evangelien? Welche wären denn das?
Aus der Bibel kenne ich nur die drei Synoptiker und Johannes.

Man stelle sich vor: Nicht nur dem Thomas-, sondern auch dem Petrusevangelium und einigen Anderen mehr wurde die Aufnahme in den Kanon der Heiligen Schriften verweigert. Die junge Christenheit hatte gute Gründe dafür: Sie fand in diesen Schriften ihren Glauben nicht repräsentiert - oder aber es lag zwischen dem Leben Jesu und der Abfassung dieser oder jener Schrift ein zu großer zeitlicher Abstand. Ja, die junge Kirche nahm es sich heraus, darüber zu entscheiden. Das Selbstbewusstsein der damaligen Christen war kolossal: 'Der Heilige Geist und wir haben beschlossen...' (Apg 15,2. Wer getraute sich das heute noch so zu formulieren? [grin]

Jeder der Evangelisten schöpfte aus den Quellen, die ihm zur Verfügung standen; und jeder von ihnen setzte in seinem Evangelium gewisse Schwerpunkte und entwickelte seine eigene Theologie. Müßig, nach Übereinstimmungen oder Widersprüchen zu suchen; die gibt es natürlich. Und jetzt kommts: Das macht nichts! [grin] Oder ist hier jemand, der die Evangelien als Biographien Jesu missverstehen möchte? Die Kirche hat so einer Interpretation zu allen Zeiten eine Absage erteilt.


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25.12.2012 21:06
avatar  Kontrabombarde 32 ( gelöscht )
#28 RE: Philosophicum 'Was ist Wirklichkeit?'
Ko
Kontrabombarde 32 ( gelöscht )

danke, Gemshorn, daß sollte natürlich kanonische Evangelien heißen

ansonsten zieh ich mich aus diesem Thread zurück ...

... immerhin ist ja Weihnachten ...

... eigentlich wollte ich etwas übermitteln, das bereichern könnte, aber offenbar ist mir das nicht gelungen

Aus Sicht der fernöstlichen Religionen wird Jesus übrigens genauso akzeptiert wie Siddharta Gautamo, der erste Buddha, als Erleuchteter, als Avatar, was eine ins Fleisch inkarnierte göttliche Wesenheit bedeutet; ist schon sehr tolerant und großzügig von ihnen, was man von den Christen weniger sagen kann

Ich bin übrigens auch aktives Mitglied einer kleineren christl. Kirche, habe aber keine Berührungsängste mit anderen Sichtweisen

Was vielleicht etwas arrogant anmutet: ein bischen bin ich jetzt an Platons Höhlengleichnis erinnert

Trotz allem war es für mich mal interessant

Frohe Weihnachten

Kontrabombarde 32


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