Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?

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11.01.2014 11:32
avatar  Falcon 2000 ( gelöscht )
#16 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
Fa
Falcon 2000 ( gelöscht )

Ich finde es schön, dass alle jetzt wieder bei den "De gustibus ..." angelangt sind
Wer ihn nicht sehen möchte, den CC, der lasse es, die anderen schauen zu (und lassen sich auch so einen Glitzeranzug nähen ).

Ist es nicht das was an Musik so fasziniert?
Es gibt nicht eine allein selig machende Wahrheit, Musik ist multidimensional, was mir heute gefällt kann morgen kalter Kaffee für mich sein.
Was heute mein Herz erfreut, das schüttelt mich morgen.
Was heute als führende Interpretation gilt, das wird morgen als überholt angesehen.

Deshalb erfreue ich mich an Musik, besonders an der Orgelmusik so wie sie mich im Moment berührt und es soll mir egal sein was Musikwissenschaftler sagen was richtig und falsch ist.

Lieber Machthorn, ich bitte um Entschuldigung, ich will niemanden verärgern, aber bei "...dass die Orgel selbst zwar cool, die bisherige Literatur und ihre Vortragspraxis jedoch langweilig und staubig seien" kann ich CC zumindest etwas zustimmen.
Nur meine persönliche Meinung.

Ich meine, etwas Auffrischung wie CC, Olivier Vernet, Patrick Gläser mit seiner "Orgel rockt", etc kann so viel nicht schaden.

Lasst uns nicht streiten, lasst uns vielmehr die Vielfalt genießen. Es ist doch schön, dass wir heute in einer Zeit leben, wo wir über so etwas frei und ohne Angst und Not reden können.
Dafür bin ich dankbar.

Viele Grüße
Christoph


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11.01.2014 11:37
avatar  pvh
#17 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
pv
pvh

Hallo,

Zitat von Machthorn

Zitat
Kannst du mal ein Beispiel bringen? Ich weiß jetzt nicht was du genau meinst.


Ich hatte mich dabei auf eine in einem meiner vorherigen Posts genannte Aussage von CC bezogen, dass die Orgel selbst zwar cool, die bisherige Literatur und ihre Vortragspraxis jedoch langweilig und staubig seien. Wir wissen, dass das nur sehr eingeschränkt wahr ist. Wer aber bislang sich mit Orgelmusik nicht befasst hat, könnte das durchaus glauben. Das widerspricht aber dem unbestrittenen Genie eines Bach, Lemmens, Guilmant, Widor und natürlich auch anderer Virtuosen unserer Tage.



nun ja, es gibt auch sehr gute (zeitgenösische) Musik, über die in diesem Forum hergezogen wurde. Das geht ja schon bei Ligetis "Volumina" los. Hier im Nordosten sind 80 Prozent ohne Bekenntnis. Gestern in einem Requiem erzählte mir eine alte Dame neben mir, dass sie zum ersten Mal seit 75 Jahren eine Kirche aus nicht-touristischen Gründen besucht habe. Wenn jemand aus der Gegend hier in ein Orgelkonzert in einer Kirche geht - und manche betreten auch grundsätzlich keine Kirchen-, so ist das für diese Leute doch sehr gewöhnungsbedürftig. Wo gibt es das sonst noch, dass man mit dem Rücken zum Musiker sitzt, nach den einzelnen Stücken, nicht nur nach den einzelnen Sätzen eine komplexen Komposition, nicht klatscht (das ist hier die protestantische Tradition) usw. usw. Dazu kommen die Assoziationen der Orgel wie Käptn Nemo, Phantom der Oper usw. - ein syrischer Doktorand erzählte mir einmal, dass für ihn Orgelmusik mit schaurigen Stellen in Grusel- oder Vampirfilmen assoziiert sei.

Hier machen sich CC und andere, z.B. der Ungar Xaver Varnus, der sich bei Bach auch nicht an die vorherrschenden Interpretationspraxis hält und auch in Sportarenen Konzerte gibt, m.E. sehr darum verdient, die Orgel populärer zu machen. Über Xaver Varnus habe ich mich einmal mit einem Musikwissenschaftler mit Spezialisierung auf alte Musik und historische Aufführungspraxis ausgetauscht, der das Konzert ziemlich schrecklich fand, während mir das nach anfänglicher Überraschung (das Konzert war Teil einer Reihe über alte Musik) immer mehr Spaß machte, vom romantischen Bach mit Schwellereinsatz und ständigen Farbwechseln bis hin zur Improvisation über ein Themen aus dem Publikum (u.a. von mir).

Noch etwas: Nach protestantischem Verständnis sind Kirchen außerhalb der Gottesdienste, anders als in der kath. Kirche, normale Gemeinderäume.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.


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11.01.2014 13:18
avatar  PeterW
#18 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
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+ 12.1.2018

Ja, "De gustibus..." - darauf läuft's wohl in diesem Thread insgesamt hinaus.
Und die Frage "Kann man das machen?" wird - je nach Erfahrungsschatz des Rezensenten - mit "nein", "jein" und "ja" beantwortet werden. Immer nur im eigenen dogmatischen Kaff zu hocken, macht verkaffert, nicht weiser.

"Historische Aufführungspraxis" ist für uns sicher ein wichtiges Thema, und das nicht erst seit Harnoncourt. Den 0-8-15-Konzertbesucher wird das indes wenig berühren. Er wird eher berührt von dem, was der Organist an ureigensten Gefühlen und Assoziationen gerade aus seiner Interpretation herausglitzern läßt. Wenn HA und Berührtsein zusammentreffen, war die Interpretation genial.

Warum soll man (wenn man gerade richtig gut drauf ist ist), mit einem Bach nicht einmal die Sau im Legato und mit üppiger Dynamik samt Schweller und Walze herauslassen, das andere Mal (wenn man eher nach innengekehrt ist) die Linien in gemessenem Portamento und Tempo herausarbeiten? Zwischen beiden Varianten gibt es m. E. keinen Widerspruch.
Der Komponist schreibt einen Vorschlag auf und sagt zum Interpreten: "Mach mal!". Auf diese Weise die Grenzen eines Werkes auszuloten bedeutet, es jedes Mal zu erweitern. Das sollte nicht verboten sein.

Zitat von chp
Hier machen sich CC und andere, z.B. der Ungar Xaver Varnus, der sich bei Bach auch nicht an die vorherrschenden Interpretationspraxis hält und auch in Sportarenen Konzerte gibt, m.E. sehr darum verdient, die Orgel populärer zu machen.

Genau diese Chance wird von den "festgelegten" Musikern oftmals verschenkt, indem sie das Diktat der Schul-Interpretation (gleichgültig welcher "Schule" auf den Zuhörer niederprasseln läßt.

Varnus' Showeinlagen von Becken bis chinesischem Gong bei der Epidemischen - warum nicht auch einmal (aber bitte nicht immer).
Wer einen anderen Varnus erleben will, mag die Passacaglia hören. Ja, auch so kann man sie bringen, und man spürt, dem Varnus kommt sie von "innen". - Und das in einer gesteckt vollen Synagoge.

Zitat von chp
Noch etwas: Nach protestantischem Verständnis sind Kirchen außerhalb der Gottesdienste, anders als in der kath. Kirche, normale Gemeinderäume.

Möglicherweise eine Wurzeln für die immer noch lebendige Überlieferung einer reichen Palette der nichtliturgischen Kirchenmusik...? Ansonsten hätte die Orgel kaum noch ihre Bedeutung. Oder?


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11.01.2014 16:07
avatar  Falcon 2000 ( gelöscht )
#19 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
Fa
Falcon 2000 ( gelöscht )

Zitat von PeterW
...
Warum soll man (wenn man gerade richtig gut drauf ist ist), mit einem Bach nicht einmal die Sau im Legato und mit üppiger Dynamik samt Schweller und Walze herauslassen, das andere Mal (wenn man eher nach innengekehrt ist) die Linien in gemessenem Portamento und Tempo herausarbeiten? Zwischen beiden Varianten gibt es m. E. keinen Widerspruch.


Das gefällt mir, das hat was Das kann Bach wieder sehr lebendig und interessant machen.

Zitat
Der Komponist schreibt einen Vorschlag auf und sagt zum Interpreten: "Mach mal!". Auf diese Weise die Grenzen eines Werkes auszuloten bedeutet, es jedes Mal zu erweitern. Das sollte nicht verboten sein.


Vor kurzem habe ich gelesen (ich weiß leider nicht mehr wo und ich hoffe, ich verwechsle jetzt keine Namen), dass Messiaen ein Stück von Langlais entgegen dem Anweisungen von Langlais furchtbar langsam gespielt hat und der Komponist, der anwesend war, absolut nicht damit einverstanden war. Das Jahr darauf hat Messiaen Langlais gesagt, er wird es wieder spielen und er soll doch nicht kommen, und natürlich ist Langlais gekommen und da hat Messiaen ein Feuerwerk mit dem gleichen Stück abgebrannt und Langlais war vor Begeisterung außer Rand und Band.
So etwas finde ich schön


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11.01.2014 16:41
avatar  Hartmut48 ( gelöscht )
#20 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
Ha
Hartmut48 ( gelöscht )

Zitat

Ja, "De gustibus..." - darauf läuft's wohl in diesem Thread insgesamt hinaus.
Und die Frage "Kann man das machen?" wird - je nach Erfahrungsschatz des Rezensenten - mit "nein", "jein" und "ja" beantwortet werden. Immer nur im eigenen dogmatischen Kaff zu hocken, macht verkaffert, nicht weiser.



----------------------

Darf ich hier einmal sehr provokativ fragen:

Unterhalten sich ein Fünf-Sterne-Koch und ein Teenager (der jeden Tag nur Burger isst und von den Geheimnissen der Haute Cuisine noch gar nichts weiß darüber, wann Essen nun gut oder besser als anderes ist. Wer darf diese Frage beantworten?
Jemand, der alle Feinheiten über Zutaten, deren feiner Zubereitung etc.kennt? Oder jemand, der einfach nur ein paar Dinge wie Spaghetti, Pizza, etc. kennt, die ihm halt schmecken.
Beide haben aufgrund ihres jeweiligen Hintergrunds recht und sagen in gewisser Weise die Wahrheit.Nach objektiven Maßstäben erscheint mir das Urteil des Fachmannes etwas glaubwürdiger, da er seinen Geschmack über Jahre hinweg trainiert und verfeinert hat.
Vor diesem Hintergrund sollte man auch die Orgelexperten sehen, die das Ganze ja auch über Jahre studiert haben.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass da alle nur neidisch sind. Manche würden eben auch nicht so weit gehen und die Grenze des guten Geschmacks überschreiten (und irgendwelche Kostüme anziehen).
Allerdings denke ich auch nicht, dass man zu sehr in Traditionen stecken bleiben sollte. Man kann Bach sicherlich sowohl historisch oder auch romantisch spielen, hier gibt es nicht falsch oder richtig. Die Frage ist für mich eher, ob man in der jeweiligen Stilistik überzeugen kann. Wenn man moderne Kunst (z.B. abstrakte Bilder von Kandinsky) beurteilen soll, kann man schliesslich auch nicht sagen: Das Bild ist falsch oder richtig; sondern eher "in sich stimmig" oder "ausgewogen" in den Mitteln.


Ganz sensibles Thema....

Was meint Ihr?


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11.01.2014 16:48
avatar  Hartmut48 ( gelöscht )
#21 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
Ha
Hartmut48 ( gelöscht )

Ich hatte vorgestern woanders noch was geschrieben, das stelle ich hier noch zur Diskussion. Gerade wird man überall nur noch auf Carpenter angesprochen, ich habe das Gefühl, die Leute kennen z.T. gar keinen anderen Organisten mehr. Dabei gibte es doch wirklich noch andere tolle Spieler aus seiner Generation, die aber von keiner großen Firma so promotet werden und damit eher unsichtbar sind.



Ich glaube, es gibt zwei Gründe, warum der so erfolgreich ist:

1. er hat eine verdammt virtuose Technik, das muss man ihm lassen.
2. Provokateure bzw. Leute, die alles über den Haufen schmeissen, verkaufen sich gut, weil sie aus der Masse hervorstechen.


zu 1.
ich bin mir sicher, dass es auch noch andere Organisten gibt, die sowas spielen könnten. Allerdings kennen wir die vielleicht (noch) nicht. Vielleicht ist eben einfach noch keiner auf die Idee gekommen, sowas wie die Chopin EtüDe oder sowas zu spielen. Vor zehn Jahren hätten sich die meisten wahrscheinlich an den Kopf gefasst.
Ich könnte mir vorstellen, dass in den nächsten Jahren die anderen jungen Organisten versuchen werden, auch etwas vom fetten Carpenter-Kuchen abzubekommen und sich solche Teile einüben werden. Ganz sicher!!

zu 2.
Sowas wie Carpenter lässt sich nicht kopieren, weil es irgendwie eine clevere Verkaufsmasche ist. Er ist momentan eben ganz anders als die anderen. Wer das jetzt kopiert, wird schon jetzt eventuell nur noch als Kopie von Carpenter wahrgenommen.
Der würde wahrscheinlich keinen Plattenvertrag mehr bekommen.

Aber wer weiss? Momentan ist wieder richtig Leben in der Szene, weil es Leute gibt, die Dinge anders machen als in den letzten Jahren. Das ist doch sehr schön. Allerdings finde ich nicht alles, was Carpenter fabriziert gut. Mir ist zuviel Masche und Kommerz dabei. Aber das wird von den Managern ja auch forciert.
Aber wenn sich jemand mit Orgel nicht auskennt, wird er zunächst einmal auf Schnelligkeit und Lautstärke abfahren.

Gruss


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11.01.2014 19:42
avatar  Falcon 2000 ( gelöscht )
#22 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
Fa
Falcon 2000 ( gelöscht )

Zitat von Hartmut48

Zitat

...
Unterhalten sich ein Fünf-Sterne-Koch und ein Teenager (der jeden Tag nur Burger isst und von den Geheimnissen der Haute Cuisine noch gar nichts weiß darüber, wann Essen nun gut oder besser als anderes ist. Wer darf diese Frage beantworten?
Jemand, der alle Feinheiten über Zutaten, deren feiner Zubereitung etc.kennt? Oder jemand, der einfach nur ein paar Dinge wie Spaghetti, Pizza, etc. kennt, die ihm halt schmecken.
Beide haben aufgrund ihres jeweiligen Hintergrunds recht und sagen in gewisser Weise die Wahrheit...




Nicht ganz. Natürlich hat der 5er ein umfangreicheres Wissen, kann Zutaten sehr fein aufeinander abstimmen, wird niemals (?) nur ein Steak schnell zubereiten und dazu Pommes reichen.
Die Frage ist aber eine andere. Wenn der 5er nicht genügend Kundschaft bekommt, wenn seine hervorragende Küche nicht bekannt wird, wenn sie zu teuer, zu unbekannt weil zu elitär ist, dann kann er zumachen! Dann wird sein Wissen und Können einfach untergehen. Und das soll doch gerade nicht geschehen.
Wenn ich dem Burgerkind eine Mahlzeit mal anbiete, die nicht so piekfein und elitär ist, trotzdem aus guten Zutaten gemacht und super schmackhaft (!!) ist, dann kann ich ihn eventuell auf besseres Essen hinführen, zumindest mal dafür interessieren. Vielleicht probiert er ja mal und wird öfter auf sehr gutes Essen zurückgreifen?
Genauso ist es doch mit "klassischer" Musik. Man kann die Leute nicht einfach reinschmeissen, man muss sie interssieren und hinführen. Nicht umsonst gibt es extra Einführungen von Opern, Symphonien, auch für Kinder.
Und dann eben die Vielfalt.
Ich sehe es an mir selber. Sorry, aber die "Bach Complete Organ Works played on Silbermann" ist dann doch ermüDend.
Insofern ist ein Typ wie CC erfrischend.


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11.01.2014 21:11
avatar  Hartmut48 ( gelöscht )
#23 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
Ha
Hartmut48 ( gelöscht )

Zitat von Falcon 2000


A
Wenn ich dem Burgerkind eine Mahlzeit mal anbiete, die nicht so piekfein und elitär ist, trotzdem aus guten Zutaten gemacht und super schmackhaft (!!) ist, dann kann ich ihn eventuell auf besseres Essen hinführen, zumindest mal dafür interessieren. Vielleicht probiert er ja mal und wird öfter auf sehr gutes Essen zurückgreifen?
Genauso ist es doch mit "klassischer" Musik. Man kann die Leute nicht einfach reinschmeissen, man muss sie interssieren und hinführen. Nicht umsonst gibt es extra Einführungen von Opern, Symphonien, auch für Kinder.
[...]
B
Ich sehe es an mir selber. Sorry, aber die "Bach Complete Organ Works played on Silbermann" ist dann doch ermüDend.
Insofern ist ein Typ wie CC erfrischend.




Zu A)
Ja richtig. Man muss Leute erziehen, vor allem heute. Da stimme ich total zu. Ich glaube aber nicht, dass Leute von Vanessa Mae (wurde in diesem Zusammenhang vorher schon genannt) zu David Oistrach "rüberschwenken". Bei Vanessa Mae schwingt ja irgendwie auch der Erotik-Faktor mit, der würde dann ja wieder wegfallen. Bei einigen Fans von Iveta Apkalna könnte ich mir auch vorstellen, dass sie vor allem die Person tollfinden. die könnte eigentlich machen, was sie will. Ist die Erziehungsarbeit nicht vielleicht besser aufgehoben bei Leuten, die sich vollständig auf Musik konzentrieren??
Bei Carpenter ist schon ne Menge an zusätzlichem Brimborium dabei: dieser Klamotten-/Frisuren-Zirkus, diese Geschichte mit der Tanz-Ausbildung. Da kann mir keiner erzählen, dass der kein Show-Mann ist.


Zu B)
Würde eine Collection "Bach complete by C.Carpenter" nicht auf Dauer auch langweilig werden?
Ich glaube, wir sind heute generell wieder hungrig auf Neues. Aber auch Carpenter verwendet wiederkehrende Interpretationsmuster, die vielleicht auch nach 3 Scheiben Bach langweilig wären?


Schön, dass es aktuell so heißen Stoff zum Diskutieren gibt... Es ist aber auch bitter nötig, denn für Orgel sieht es teilweise sehr düster aus.


Gruss


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12.01.2014 00:25
avatar  pvh
#24 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
pv
pvh

Hallo,

Zitat von Falcon 2000

Zitat von Hartmut48

Zitat

...
Unterhalten sich ein Fünf-Sterne-Koch und ein Teenager (der jeden Tag nur Burger isst und von den Geheimnissen der Haute Cuisine noch gar nichts weiß darüber, wann Essen nun gut oder besser als anderes ist. Wer darf diese Frage beantworten?
Jemand, der alle Feinheiten über Zutaten, deren feiner Zubereitung etc.kennt? Oder jemand, der einfach nur ein paar Dinge wie Spaghetti, Pizza, etc. kennt, die ihm halt schmecken.
Beide haben aufgrund ihres jeweiligen Hintergrunds recht und sagen in gewisser Weise die Wahrheit...




Nicht ganz. Natürlich hat der 5er ein umfangreicheres Wissen, kann Zutaten sehr fein aufeinander abstimmen, wird niemals (?) nur ein Steak schnell zubereiten und dazu Pommes reichen.
Die Frage ist aber eine andere. Wenn der 5er nicht genügend Kundschaft bekommt, wenn seine hervorragende Küche nicht bekannt wird, wenn sie zu teuer, zu unbekannt weil zu elitär ist, dann kann er zumachen! Dann wird sein Wissen und Können einfach untergehen. Und das soll doch gerade nicht geschehen.



die Metapher ist ein bischen schief. Übertragen von der Diskussion um die musikalische Qualität CC ginge es hier ja um ein Urteil zu verschiedenen Kochstilen (Klassisch, nahe am natürlichen Lebensmittel, Molekularküche...). Da kann man eben ganz unterschiedlicher Ansicht sein. Ich meine, unterschiedliche Stile der Interpretation können jeweils aus hervorragender Musikalität herrühren.

Das andere ist die Form der Präsentation. Hier ist auch so, dass nicht wenige Sterne-Restaurants den elitären Klügel und das Brimborium früherer Tage weglassen und man die Kellner ganz locker fragen kann, welches Besteck man nun benutzt oder wie man das Ding da nu eigentlich isst. Da herrscht oft eine sehr entspannte Atmosphäre, so dass man sich auch echt wohlfühlt und nicht unsicher sein muss. Auch haben sich die Bekleidungsvorschriften sehr gelockert. (Kulinarische) Kunst auf demselben Niveau wird heute also auch anders präsentiert und man kommt dem Publikum entgegen. Genau das macht CC auch: Hohe Kunst und Musikalität wird so präsentiert, dass sie auch für neue Zielgruppen erlebbar wird.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.


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12.01.2014 00:34
avatar  pvh
#25 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
pv
pvh

Hallo,

Zitat von Hartmut48
Ja richtig. Man muss Leute erziehen, vor allem heute. Da stimme ich total zu. Ich glaube aber nicht, dass Leute von Vanessa Mae (wurde in diesem Zusammenhang vorher schon genannt) zu David Oistrach "rüberschwenken". Bei Vanessa Mae schwingt ja irgendwie auch der Erotik-Faktor mit, der würde dann ja wieder wegfallen. Bei einigen Fans von Iveta Apkalna könnte ich mir auch vorstellen, dass sie vor allem die Person tollfinden. die könnte eigentlich machen, was sie will. Ist die Erziehungsarbeit nicht vielleicht besser aufgehoben bei Leuten, die sich vollständig auf Musik konzentrieren??


das mit dem Erotik-Faktor spielt doch auch bei jedem klassischen Konzert eine Rolle. Besonders die Solisten/innen machen in der Regel immer viel her, aber auch Orchestermusiker/innen, soweit kein Uniformzwang vorliegt, legen Wert auf elegante Kleidung, die häufig auch körperbetont ist. Männliche Orchester-Musiker haben dabei allerdings meist den Nachteil, dass für sie konventionellere Regeln gelten als für Frauen. CC beugt sich dem halt nicht. Kann er sich aber auch leisten, weil er alleine auftritt.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.


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12.01.2014 14:56
avatar  Falcon 2000 ( gelöscht )
#26 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
Fa
Falcon 2000 ( gelöscht )

Zitat von chp
... Auch haben sich die Bekleidungsvorschriften sehr gelockert. (Kulinarische) Kunst auf demselben Niveau wird heute also auch anders präsentiert und man kommt dem Publikum entgegen. Genau das macht CC auch: Hohe Kunst und Musikalität wird so präsentiert, dass sie auch für neue Zielgruppen erlebbar wird.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.



Nicht weniger oder mehr wollte ich sagen. Du kannst es einfach besser artikulieren.


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13.01.2014 13:43
avatar  Hartmut48 ( gelöscht )
#27 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
Ha
Hartmut48 ( gelöscht )

Zitat von chp


Genau das macht CC auch: Hohe Kunst und Musikalität wird so präsentiert, dass sie auch für neue Zielgruppen erlebbar wird.




Wir kreisen hier in diesem Unterformum eigentlich doch immer nur um die Präsentation: Wie auch die Sterne-Restaurants so müssen auch Musiker heutzutage den Leuten entgegenkommen.
Ein Konzert kann man auch in Jeans und nicht nur Anzug erleben. Interpreten können auch mal in Jeans auftreten. Da sind wir uns doch einig, oder? Aber das passiert doch heute schon.


Was hier aber immer stillschweigend vorausgesetzt wird: Dass Carpenter HOHE Kunst mache.
Können wir uns hier eigentlich alles so sicher sein, dass wir das so gut wie die Fachmänner beurteilen können. Ich jedenfalls bin nur ein Orgel-Amateuer und glaube nicht, dass ich dass gut gut beurteilen kann wie die Profis.
Ich habe mich schon mit einigen Profi-Organisten unterhalten, und die konnten mir handfeste Argumente liefern, warum sie einiges von CC nicht gutfinden. Und hier geht es nicht nur um Geschmack! Es heisst immer, dass Carpenters Spiel so neu ist. Ein befreundeter Kantor aus Köln hat mir neulich erzählt, dass früher von Straube in ähnlicher Weise Bach unterrichtet wurde.
Wenn etwas vielen Leuten nicht gefällt, muss es noch lange nicht schlecht sein, z.B. Messiaen Livre d'orgue. Umgekehrt, wenn etwas vielen gefällt, ist es noch lange nicht gut.
RTL hat auch die höchsten Einschaltquoten....
Hab ich mir neulich von Latry gekauft (tolle Messiaen-Gesamt-Aufnahme!). Ich kann damit bis auf ein Stück "Les yeux" (das hat nen tollen drive) nichts anfangen. Der Kölner Freund hat das ganze Ding aber im Studium durchanalysiert. Das ganze ist scheinbar hochkomplex und er war ganz begeistert davon. Klar ist das also eher was für Eingeweihte.

Wenn man nun eine ganz neue Komposition oder eine Spielweise (wie Carpenter) zum ersten Mal hört kann man folglich doch auch verschiedene Ebenen unterscheiden
1. Ist das schön/angenehme/faszinierend/fesselnd zu hören.
2. Ist das gut gemacht (gut durchkomponiert/durchgestaltet, ausgewogen in den Mitteln? dezent oder plumpt. Kann man das evtl. noch besser machen, welche Mittel wäre dafür angebracht)
diese Kategorie ist meist eher was für Profis. Ich würde mir nicht zutrauen, Ihr Euch??
Jeder muss das Ganze für sich beurteilen. Aber wie gut das Ganze wirklich ist, können meines Erachtens Profis viel kompetenter beurteilen. Musik wird nicht aussschliesslich nach Geschmacksurteilen beurteilt.

Kritiker von Carpenter sagen häufig genau, dass das Ganze (fernab der tollen Virtuosität, die NIEMAND in Frage stellt!!) andere Kategorien hat, die nicht so toll sind:
z.B. wählt er bei seinen Arrangements nicht immer klanglich optimale Lösungen (man könnte die Vorlagen anders umarrangieren, so dass es besser klingt), an manchen Stellen greift er einfach z.T. sehr stark in die Stücke ein, dafür bei anderen nicht (und man kann nicht erkennen, warum), das Ganze ist manchmal nicht homogen gestaltet. Dann vor allem die aggressive Vermarktung und der ganze Zirkus, der so stark in den Vordergrund gerät. und dass er mit seinem Repertoire zu populistisch ist. Latry z.B. spielt auch mal was ganz Modernes, auch wenn es den Leuten nicht gefällt. Das würde CC und Apkalna wohl nicht machen, denn moderne Musik gefällt den meisten eben nicht. Schlecht für die Quote.
Viele Profis sind sauer, dass diese Leute, die doch das größte Publikum haben, zu sehr nach der Nase der Masse tanzen und nicht ihre Präsenz für weniger gespielte Musik nutzen.


Was mir in den letzten Monaten zunehmend klar geworden ist: Die erfolgreichsten Spieler sind keinesfalls immer die Besten. Sie sind vielleicht die, die sich am besten der Masse verkaufen lassen und deshalb im Rampenlicht stehen. Und deshalb von Leuten, die sich etwas davon versprechen, offensiv vermarktet werden. Und das geht auf Kosten derer, die sich eben nicht so stark verkaufen lassen wollen/können, weil ihnen das widerstrebt.
Trotzdem bin ich auch nicht dafür, dass in Orgelkonzerten nur Scheidt, Messiaen und Frescobaldi gespielt wird. Die Mischung machts.

rgel:

Gruss


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13.01.2014 15:39
avatar  Falcon 2000 ( gelöscht )
#28 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
Fa
Falcon 2000 ( gelöscht )

Zitat von Hartmut48



Was hier aber immer stillschweigend vorausgesetzt wird: Dass Carpenter HOHE Kunst mache.
Können wir uns hier eigentlich alles so sicher sein, dass wir das so gut wie die Fachmänner beurteilen können. Ich jedenfalls bin nur ein Orgel-Amateuer und glaube nicht, dass ich dass gut gut beurteilen kann wie die Profis.


Nein, ich bin auch kein Profi. Maße mir auch nicht an, beurteilen zu können, ob das HOHE Kunst ist. Seine Spielttechnik ja, aber ansonsten kann ich doch nur sagen, gefällt mir oder auch nicht.

Zitat
Ich habe mich schon mit einigen Profi-Organisten unterhalten, und die konnten mir handfeste Argumente liefern, warum sie einiges von CC nicht gutfinden.


Das Komische ist nur, dass diese Profis (nicht abwertend gemeint) über viele Organisten handfeste Argumente liefern können warum etwas nicht gut ist.
Und in der Fachwelt ändern sich die Ansichten über die Jahre.

Zitat
Und hier geht es nicht nur um Geschmack! Es heisst immer, dass Carpenters Spiel so neu ist. Ein befreundeter Kantor aus Köln hat mir neulich erzählt, dass früher von Straube in ähnlicher Weise Bach unterrichtet wurde.
Wenn etwas vielen Leuten nicht gefällt, muss es noch lange nicht schlecht sein, z.B. Messiaen Livre d'orgue. Umgekehrt, wenn etwas vielen gefällt, ist es noch lange nicht gut.


Ja, aber inwiefern liefert das jetzt Argumente für oder gegen CC. Wenn viele etwas gut finden, muss es doch nicht unbedingt schlecht sein?

Zitat

RTL hat auch die höchsten Einschaltquoten....


Yep. Aber auch Filme die den Oscar gewonnen haben, haben hohe Einschaltquoten.

Zitat

Hab ich mir neulich von Latry gekauft (tolle Messiaen-Gesamt-Aufnahme!). Ich kann damit bis auf ein Stück "Les yeux" (das hat nen tollen drive) nichts anfangen. Der Kölner Freund hat das ganze Ding aber im Studium durchanalysiert. Das ganze ist scheinbar hochkomplex und er war ganz begeistert davon. Klar ist das also eher was für Eingeweihte.


Ich habe Latry in Regensburger Dom gehört. Toller Organist, aber mir hat er z.B. die Endemische zu langsam gespielt. Es gibt andere sehr gute Organisten, die spielen die viel schneller. Was ist jetzt die Wahrheit?
Und wieder, DIE Wahrheit gibt es nicht.

Zitat
Wenn man nun eine ganz neue Komposition oder eine Spielweise (wie Carpenter) zum ersten Mal hört kann man folglich doch auch verschiedene Ebenen unterscheiden
1. Ist das schön/angenehme/faszinierend/fesselnd zu hören.
2. Ist das gut gemacht (gut durchkomponiert/durchgestaltet, ausgewogen in den Mitteln? dezent oder plumpt. Kann man das evtl. noch besser machen, welche Mittel wäre dafür angebracht)
diese Kategorie ist meist eher was für Profis. Ich würde mir nicht zutrauen, Ihr Euch??


Und wieder nein. Ich kann nur beurteilen, gefällt es mir oder nicht.

Zitat
Jeder muss das Ganze für sich beurteilen. Aber wie gut das Ganze wirklich ist, können meines Erachtens Profis viel kompetenter beurteilen. Musik wird nicht aussschliesslich nach Geschmacksurteilen beurteilt.


Und trotzdem scheint es auch in der Fachwelt Modeerscheinungen zu geben.
Ich bin kein Experte, aber "Orgelbewegung" war und ist ja nicht ganz unbestritten. "Die Entwicklungen des romantischen Orgelbaus hin zur symphonisch-orchestralen Orgel sowohl in Frankreich beispielsweise von Seiten des berühmten Cavaillé-Coll als auch in Deutschland wurden als dekadent eingestuft und aufs Drastischste zurückgewiesen" (http://www.st-lutwinus.org/orgel/page30/orgel/exkurs_ob.html)
Würden Profis heute noch so argumentieren? Damals haben die Profis so argumentiert.
Soll ich deshalb heute CC nicht gut finden, weil Profis handfeste Gründe haben zu kritisieren?

Zitat

Kritiker von Carpenter sagen häufig genau, dass das Ganze (fernab der tollen Virtuosität, die NIEMAND in Frage stellt!!) andere Kategorien hat, die nicht so toll sind:
z.B. wählt er bei seinen Arrangements nicht immer klanglich optimale Lösungen (man könnte die Vorlagen anders umarrangieren, so dass es besser klingt)


Ist das nicht Geschmack, der in 10 Jahren sagt, genau das ist richtig?

Zitat
..an manchen Stellen greift er einfach z.T. sehr stark in die Stücke ein, dafür bei anderen nicht (und man kann nicht erkennen, warum), das Ganze ist manchmal nicht homogen gestaltet. Dann vor allem die aggressive Vermarktung und der ganze Zirkus, der so stark in den Vordergrund gerät. und dass er mit seinem Repertoire zu populistisch ist. Latry z.B. spielt auch mal was ganz Modernes, auch wenn es den Leuten nicht gefällt. Das würde CC und Apkalna wohl nicht machen, denn moderne Musik gefällt den meisten eben nicht. Schlecht für die Quote.


Ja, aber das muss doch jeder Künstler selbst entscheiden wie und was er da macht. Ich verstehe jetzt den Zusammenhang nicht.

Zitat
Viele Profis sind sauer, dass diese Leute, die doch das größte Publikum haben, zu sehr nach der Nase der Masse tanzen und nicht ihre Präsenz für weniger gespielte Musik nutzen.


Da kann ich die Profis nicht unterstützen. Musik ist für die Leute da und nicht die Leute für die Musik.
Ich kann doch nicht sagen, die Leute sollen nicht mehr schönen Mozart spielen, weil die Masse das will, im Gegenteil sie sollen gefälligst Schostakowitsch oder Bartok spielen, sie sollen ihre Präsenz für weniger gespielte Musik nützen. Was ist denn das für ein Argument? für eine Forderung?
Wenn sich gewisse Musik nicht durchsetzt, dann sollte ich mich mal fragen ob es vielleicht an der Musik selbst liegt. Aber vielleicht (und jetzt sind wir wieder zurück) wird den Leuten Mozart mal zuviel und sie hören auch Bartok, Schönberg, etc?

Zitat

Was mir in den letzten Monaten zunehmend klar geworden ist: Die erfolgreichsten Spieler sind keinesfalls immer die Besten.


Lieber Hartmut, das ist Binsenweisheit.

Zitat
Sie sind vielleicht die, die sich am besten der Masse verkaufen lassen und deshalb im Rampenlicht stehen.


Und nur so kann man auch Geld verdienen außer man hat einen Gönner oder ist beim Staat beschäftigt.

Zitat

Und deshalb von Leuten, die sich etwas davon versprechen, offensiv vermarktet werden. Und das geht auf Kosten derer, die sich eben nicht so stark verkaufen lassen wollen/können, weil ihnen das widerstrebt.


Hm, wie ist das mit Schriftstellern? Sollen da auch einige nicht Bestseller schreiben, weil andere sich nicht so stark und gut verkaufen lassen? Weil ihnen das widerstrebt, auf der Buchmesse aufzutreten? In Interviews?
Das scheint mir dann aber doch eigenes Verschulden.
Entschuldigung. Aber für die weniger Erfolgreichen gibt es dann doch Kulturförderung. Wenn ich mir aber diese ansehe, dann muss ich mich doch wundern was da so gefördert wird, ob das wirklich Kunst ist. Nach den Profis ja - jetzt ehrlich, sind das handfeste Gründe für uns? (Ich denke jetzt mehr an Bilder und schaffende Kunst - was wurde da schon von Profis für Mist gefördert).

Zitat

Trotzdem bin ich auch nicht dafür, dass in Orgelkonzerten nur Scheidt, Messiaen und Frescobaldi gespielt wird. Die Mischung machts.


Das hat ja auch gar niemand gefordert.
Natürlich macht's die Mischung. Einmal der Organist, dann der. Ich kann nur nicht verstehen, warum man CC wegen seines Erfolgs so kritisiert.
Nochmal, mir gefällt nicht alles von ihm, anderes wieder sehr gut.

Aber trotz der Kritik von Profis, ich sehe und höre mir an was mir gefällt und wenn ich jemand mit ins Orgelkonzert schleifen kann, der sonst nicht hingeht, dann ist das gut. Und wenn es zu CC ist [grin]

Viele Grüße
Christoph


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13.01.2014 20:27
avatar  pvh
#29 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
pv
pvh

Hallo,

ich lese auch in anderen öffentlichen und geschlossenen Orgel-Foren mit, wo auch Profis (A-Kirchenmusiker, Konzertorganisten, Komponisten, Musikwissenschaftler etc.) aktiv sind. Dort sind die Interpretationen von CC durchaus umstritten, besonders was Bach angeht, es wird ihm aber nicht das künstlerische Potential und eine hohe Musikalität abgesprochen. Die vitruose Technik ist unbestritten, sie wir auch von den "Profis" normalerweise nicht erreicht. Dass er die Orgel rein säkulär auffasst und sich für die sakralen Aspekte der Orgelmusik nicht interessiert (im Gegenteil), hat mit Musikalität und künstlerischer Qualität nichts zu tun und dürfte zu seinem Erfolg nicht unwesentlich beitragen.

CC spielt auch eigene Kompositionen, u.a. zusammen mit den Berliner Philharmonikern (das ist ja auch nicht gerade ein unbedeutendes Kurorchester, das in jeder Klitsche mit jedem Pfuscher spielt). Iveta Apkalna spielt in Konzerten und auf ihren CD auch zeitgenössische Musik. Ich habe eine CD von ihr mit Werken von Péteris Vasks (*1946), Naji Hakim (*1955) und Phil Glas (*1937). Auch sie halte ich künstlerisch für über jeden Zweifel erhaben. Sowohl CC, als auch Apkalna argumentieren zudem sehr intelligent in Interviews. Für den oben erwähnten Xaver Varnus gilt ähnliches, ihn habe ich auch einmal persönlich kennen gelernt.

Wie gesagt, es muss einem ja überhaupt nicht gefallen, was die beiden tun, aber Musikalität und künstlerische Potenz sollten wir in der Diskussion voraussetzen.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.


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16.01.2014 11:23
avatar  Contrebasson 32 ( gelöscht )
#30 RE: Cameron Carpenter: Künstler oder Orgelquäler?
Co
Contrebasson 32 ( gelöscht )

Da hier ja immer wieder nach Zitatquellen etc. gerufen wurde und das TTT-Video nun auch schon ein paar Monate alt ist, hier das wohl tagesaktuellste Interview mit Cameron Carpenter: http://www.dw.de/insight-germany-guest-u...e-17318635-9798

Mit besten Grüßen
Contrebasson 32


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