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GL 531
Ein katholisches Lied und Thema:
GL 531 "Sagt an, wer ist doch diese" - ein altbekanntes und immer noch gerne gesungenes Marienlied. Nachdem mit Erscheinen des GL1975 eine bearbeitete Textfassung (ja, auch sie war nicht ohne Schwächen) in den Gemeinden etabliert wurde, wechselte man mit dem GL2013 wieder zur alten Fassung. [Das war bei der Erstellung des neuen Gotteslobs eine der leitenden Maximen: Zurück zum mutmaßlichen Original, egal wie gut eingesungen die Liedfassungen von 1975 waren.]
So haben die Gemeinden seit 2013 die besondere Freude, grammatikalischen Schwachsinn singen zu dürfen:
"es schmückt sie Mond und Sterne, / die Braut von Nazaret."
Im Internet kursiert an mehreren Fundorten die grammatikalisch korrekte Variante:
"es schmücken Mond und Sterne / die Braut von Nazaret."
Meine Anfrage bei der Österr. Kirchenmusikkommission erbrachte sinngemäß folgende Antwort:
Man habe alles richtig gemacht, dies sei eben die Fassung von Guido Dreves aus dem Jahr 1885.
Original wichtiger als korrektes Deutsch.
Danke - für nichts.
#3 RE: GL 531
Oh, Liebes Gemshorn, aber bei Dreves originaler Fassung handelt es sich durchaus nicht um grammatikalischen Unsinn, vielmehr um (dichterische) Usancen der Zeit: Konsultiert man damalige, zeitgenössische Grammatiken (Heyse, Becker, Blatz, Kehrein etc.), selbst noch die Auflagen des Heyseʼschen Werkes bis ins 20. Jh. hinein, findet sich die von ihm gedichtete Variante eines singularischen Prädikats bei singularischem + pluralischem Subjekt (neben gängigen Verbindungen, in denen die durch ‚und‘ zusammengesetzten Subjekte einen Gesamtbegriff bilden) noch lehrbuchmäßig möglich, zumal bei Voranstellung des Prädikats, weshalb wohl an Klassikern geschulte Ohren des 19. Jh. keinen Anstoß an dergleichen Versen nahmen:
Denn damit sind (waren) nicht nur Varianten legitim wie:
„Noch leuchtet Sonne, Mond und Stern“ (Uhland)
„Erschlagen ist der Hirte und die Herde“
oder unser „denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit…“
sondern ebenso Verbindungen singularischer und pluralischer Subjekte – selbstredend nur dann, wenn das Prädikat beim singularischen Subjekt steht:
Für deine Gegner streitet mein Gebet/ Und dann der Kinder Eduards kleine Seelen
(Shakespeare)
Sei froher Mut mit euch und heitre Stunden (Shakespeare)
Es leuchtet der Mond und die Sterne
Ihm gehorcht das Meer und die Länder
Dies nur als kleiner Beitrag zu Dreves Ehrenrettung 😊
Herzliche Grüße
Benjamin
Ab jetzt ist die Drevesfassung meine Lieblingsvariante!
#5 RE: GL 531
Ich wüsste ja zu gerne wie man in 100 Jahren über die heutige Grammatik urteilen wird.
Auch heute schon falsch aber gern genutzt
„Marmor Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht“
„Da werden Sie geholfen“
… fragen Sie Ihren Arzt, ihre Ärztin oder in ihrer Apotheke“
Oder das politisch korrekte „Liebe Orgelspielende“ was ich immer als ein wenig abwertend empfinde. Außerdem spiele ich nicht 24/7 Orgel, was durch die Verwendung des Partizips indiziert wäre.
Zugegeben keine Werke aus dem Gotteslob aber … na ja… 
Im Gotteslob (alt wie neu) gibt es meiner Beobachtung nach kein einheitliches System, was den Umgang mit antiquierten Texten betrifft:
Heftig bearbeitet wurden z.B. bei 331 "Ist das der Leib, Herr Jesu Christ" und bei 357 "Wie schön leuchtet der Morgenstern". Die Originalfassung kennend, bin ich für beide Bearbeitungen sehr dankbar.
Rückführungen wie bei dem hier verhandelten 531 oder bei 542 "Ihr Freunde Gottes allzugleich" finde ich hingegen unter mancherlei Aspekten einen Rückschritt - nicht nur zeitlich.
Die Generation, die 521 "Maria, dich lieben ist allzeit mein Sinn" noch unter dem Urtext kannte, stirbt gerade aus. Dieser Tage erst las ich einen Artikel auf katholisch.de, wo von altertümlichen, quasi aus der Zeit gefallenen Marienliedern die Rede war - und da wurde erstaunlicherweise auch GL 521 (Text: Friedrich Dörr 1975!) genannt.
Am schlimmsten finde ich die neue Textierung der 2. Strophe von GL 289 "O Haupt von Blut und Wunden":
Du edles Angesichte, / davor sonst schrickt und scheut,
das große Weltgewichte, / wie bist Du so bespeit ...
Muss man wirklich um jeden Preis auf die historisch(st)e Fassung zurückgreifen? So nur als konkretes Beispiel einer mE eher misslungenen Textierung.
JJBB1
#9 RE: GL 531
Inwiefern misslungen? Es handelt sich hier immerhin um einen Text von Paul Gerhardt, dem wohl wichtigsten protestantischen Liederdichter überhaupt. Ich würde seine Texte als so große Kunstwerke sehen, dass eine Veränderung nicht wünschenswert ist.
Es mag sein, dass nicht alle Musiker an Gott glauben; an Bach jedoch alle. - Mauricio Kagel
Zitat von JJBB1 im Beitrag #8
Am schlimmsten finde ich die neue Textierung der 2. Strophe von GL 289 "O Haupt von Blut und Wunden":
Du edles Angesichte, / davor sonst schrickt und scheut,
das große Weltgewichte, / wie bist Du so bespeit ...
Seitdem diese Fassung im Buch steht, steht auf meinem Liedplan häufig nur noch Str. 1, 4, 5...
Dabei bin ich noch froh, dass man der 1. Strophe das "schimpfieret" erspart hat.
Sorry, aber ich finde "schimpfieret" megageil
Ja, viel lieber die bildreiche barocke Sprache eines Paul Gerhardt,
als aktuell FALSCHES Deutsch, was alle Welt dann auch noch nachplappert,
denn von Gesang kann ja auch keine Rede sein: "bricht" statt brechen!
Orgelditi
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