Orgelbaumeister H.-G. Klais verstorben

16.06.2026 15:38 (zuletzt bearbeitet: 16.06.2026 15:38)
#1 Orgelbaumeister H.-G. Klais verstorben
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Liebe Grüße vom Clemens

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17.06.2026 08:55
#2 RE: Orgelbaumeister H.-G. Klais verstorben
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Ja, Hans Gerd Klais ist am 11. Juni 95-jährig gestorben. Für mich ein Anlass, einmal über den Klang nachzudenken, den ich mit seinen Instrumenten verbinde.

(Vorweg: Ich kenne natürlich nur einen kleinen Teil. In den Jahrzehnten unter seiner Leitung sind ja an die 400 neue Orgeln entstanden. Was ich schreibe, ist also nur mein Eindruck von wenigen Instrumenten.)

Was mich dabei staunen lässt: Diese Werkstatt baut seit 1882 Orgeln, inzwischen in vierter Generation. Hans Gerd Klais stand also nicht einfach als Einzelner da, sondern mitten in einer langen handwerklichen und musikalischen Familiengeschichte. Über Generationen hinweg an einem so komplexen Instrument weiter zu bauen, ohne bloß Tradition zu verwalten — das finde ich höchst bemerkenswert.

Wenn ich Klais-Orgeln höre — oder selbst spielen durfte —, fällt mir meistens zuerst die Klarheit auf. Die Stimmen bleiben gut erkennbar. Auch im vollen Werk wird es nicht matschig; man hört Linien, Bewegung und Richtung. Dazu kommt oft eine deutliche, lebendige Pfeifenansprache, die mir sehr gefällt.

Das passt offenbar zu dem, was Hans Gerd Klais gesucht hat: keine reine Barockkopie, aber auch keine bloß romantisch-symphonische Klangwolke. Eher eine Verbindung aus polyphoner Klarheit und symphonischer Breite — Linie und Zeichnung, aber zugleich Farbe, Raum und Kraft.

Und dünn klingt das nie :-) Da ist ein tragender Grundton, ein festes Fundament, oft auch eine große, festliche Breite.
Für mich ist das Typische: durchsichtig und körperlich zugleich.

Bei einzelnen Instrumenten fehlt mir etwas der „Bauch" — die unteren Mitten, etwas Wärme. Altenberg dagegen, das ich vor Kurzem stundenlang spielen durfte, empfinde ich als fast perfekt ausgelotet. Vielleicht, weil die Orgel von 1980 genau an der Schwelle steht: Klais löste sich da gerade vom spitzen Neobarock, und so trägt sie schon eine symphonische Wärme und Fülle, ohne die Klarheit der früheren Jahre zu verlieren. Im Vergleich etwa zu z.B. Himmerod höre ich das deutlich.

Diesem Hören gemeinsam nachzuspüren, fände ich schön — einige hier kennen sicher eine Menge von Instrumenten und Klangwelten, die ich nicht kenne.
Wie klingen Klais-Orgeln für euch?


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18.06.2026 21:18
avatar  Aeoline
#3 RE: Orgelbaumeister H.-G. Klais verstorben
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Zu Hans Gerd Klais hatte ich nie eine persönliche Verbindung.

Aber zur Orgelmanufaktur "Klais" in Bonn schon...

Als ich im Jahr 2021 beschloss, die DO-Anlage in meinem Wohnzimmer mit einem Echtpfeifenprospekt zu erweitern, war ich natürlich auf der Suche nach Pfeifenherstellern, die nach Kundenvorgabe liefern...

Natürlich fiel mein Augenmerk auch auf die Firma Klais in Bonn. Die Mail mit der Anfrage für 27 Pfeifen in 87% Zinn war relativ schnell geschrieben.

Es tat sich wochenlang nichts. Mittlerweile hatte ich über die Fa. Kisselbach den Kontakt zu deren Pfeifenmacher erhalten und stand schon mit diesem in intensiven Gesprächen...

...als mich plötzlich im Sommer 2021 an einem Samstagvormittag eine Festnetznummer aus Köln anrief - und es war nicht clemens-cgn...

Ich ging dran und am anderen Ende war Philipp Klais. Er habe noch "so eine Anfrage" offen, die er vor seinem Sommer-Urlaub noch klären möchte. Dann ging er ausführlich auf meine Anfrage ein und erklärte mir, dass die Firma Klais keine Echtpfeifen für solche Digitalprojekte herstellen würde. Er wünschte mir aber viel Glück und Erfolg für die Realisierung meines Projekts und nannte mir auch zwei potenzielle Pfeifen-Hersteller...

Wie allgemein bekannt, habe ich dann mein Echt-Pfeifen-Prospekt mit Hilfe der Fa. L+J Klein GmbH realisiert...

Trotzdem bleibt mir der Anruf und die verständnisvolle Erklärung des "Junior-Chefs" der Klais Manufaktur in Bonn in sehr guter Erinnerung... - er hätte meine Anfrage ja auch schlicht ignorieren können...

VG
Aeoline


Organisten leiden oft an einer schlimmen Krankheit: Augentinnitus - Man(n) sieht nur noch Pfeifen...

Viscount Unico 400 DE [V1.14.19] (56/III/P) : ab 11.2012
Johannus Opus 520 (45/II/P) : 10.1987-11.2012
Siel HB 700 (9/II/P) : 1977-09.1987)


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18.06.2026 22:44
#4 RE: Orgelbaumeister H.-G. Klais verstorben
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Zum Artikel von SDG:

Zitat von Soli Deo gloria im Beitrag #2
Ja, ....
Bei einzelnen Instrumenten fehlt mir etwas der „Bauch" — die unteren Mitten, etwas Wärme. Altenberg dagegen, das ich vor Kurzem stundenlang spielen durfte, empfinde ich als fast perfekt ausgelotet. Vielleicht, weil die Orgel von 1980 genau an der Schwelle steht: Klais löste sich da gerade vom spitzen Neobarock, und so trägt sie schon eine symphonische Wärme und Fülle, ohne die Klarheit der früheren Jahre zu verlieren. Im Vergleich etwa zu z.B. Himmerod höre ich das deutlich.
Diesem Hören gemeinsam nachzuspüren, fände ich schön — einige hier kennen sicher eine Menge von Instrumenten und Klangwelten, die ich nicht kenne.
Wie klingen Klais-Orgeln für euch?

Du hast da sicher unbeabsichtigt ein paar wichtige Informationen nicht genannt:
Auf der HP der Altenberger Dommusik ist folgendes zu lesen:
Zit.: Im Jahre 2005 wurde die Domorgel "reorganisiert", d.h. komplett gereinigt, neu intoniert und um einige Register erweitert. Neu eingebaut wurden auf einer Zusatzwindlade die Pedal-Register Subbass 16', Quinque-Decimus 10 2/3' und Trompete 8'. Ferner eine Subkoppel III/II. Der Winddruck wurde etwas (um ca. 15mm WS) angehoben. Der Einbau einer Contraposaune 32’ (in voller Becherlänge) und einer Tuba mirabilis 16’/8’ in eigenem Schwellwerk erfolgte im Jahr 2007. Klanglich hat die Domorgel sehr gewonnen: Sie ist jetzt angenehm grunddtönig und füllig, ohne spitz und scharf zu sein. Eine neue Setzeranlage mit 999.999 Kombinationen ergänzen das klanglich optimierte Werk."

Liebe Grüße vom Clemens

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