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Ein Jahr 'Gloria Nobilis Kathedrale'
#1 Ein Jahr 'Gloria Nobilis Kathedrale'
In Ebenfurth steht seit nunmehr 13 Monaten eine Gloria Nobilis Kathedrale der Firma Kisselbach und versieht dort mehrmals pro Woche ihren Dienst.
Nach der Grundintonation durch die Firma selbst, wurde Monate später eine äußerst kundige Nacharbeit an der romantischen Intonation durch SaintSernin aus unserem Forum vorgenommen. Sein Fachwissen über die klangliche Ästhetik bei Cavaillé-Coll kam der Orgel in vollem Maß zugute.
In der Liturgie verwende ich zu 95 % die barocke Intonation - einfach weil sie konturierter und m.E. besser zur Führung des Allgemeinen Gesangs geeignet ist. An ihr habe ich selber viele Details nachgeschärft.
Die Orgel klingt majestätisch und lebendig - und sie wird sowohl innerhalb der Gemeinde als auch von Besuchern viel gelobt.
Allein der Organist - ich - beklagt sich wieder einmal über das berühmte Haar in der Suppe. 
1. Die Nobilis Kathedrale ist mit den kompletten und unveränderten Dispositionen zweier historischer Orgeln ausgestattet, ja mehr noch: Die beiden historischen Orgeln sind per Einzeltonsampling komplett in der Nobilis abgebildet. Dies muss ich voranstellen, denn es birgt eben auch jene Begrenzungen in sich, die diese beiden historischen Orgeln aufgrund ihrer Bauart aufweisen. Manches fehlt eben.
In der barocken Disposition habe ich zwar auf jedem Werk einen prinzipalischen 2' - aber keine einzige Flöte dieser Lage. Diese fehlt. Ganz grundsätzlich finde ich die Silbermannflöten der Hofkirche Dresden langweilig. (Ja, jetzt dürft ihr mich steinigen...) Keine davon besitzt das kecke Spucken, das man bei den Flöten so vieler Barockorgeln vorfindet und schätzt. Zudem findet man gar nicht so wenige Pfeifen (Einzeltonsampling), die offenbar aufgrund des Alters dieser Orgeln "nicht mehr ganz in Ordnung" sind, d.h. leichte Beschädigungen aufweisen, die man auch hört - denn auch diese Fehler wurden in der digitalen Version der Orgel ehrlich und ungeschönt mitgesampelt.
2. Ein wenig ratlos und beinahe mit Bedauern blicke ich auf die Cavaillé-Coll-Intonation. 53 Register, aber nur ein einziger Prinzipal 4'! Schwellwerk und Positiv besitzen in der 4'-Lage nur Flötenklänge oder Zungen. Ja, das Plenum klingt dank der Zungen bombastisch. Etliche Einzelstimmen sind durchaus singend und schön. Aber die Mischung mehrerer Register, wie man es für die Begleitung des Gemeindegesangs benötigt, wird recht schnell schwammig; nicht einmal die Superoktave 2' bringt da die nötige Kontur hinein (dazu müsste man eigentlich schon eine Mixtur oder eine Zunge hinzuziehen). Das Positiv ist ein netter Farbkasten (das ist nicht ironisch gemeint! wirklich nett!), aber die Flöten verschwimmen ineinander. Ja, typisch romantisch, mag man einwenden. - Möglich, sage ich.
Im Klartext: Hätte ich die Möglichkeit, die Cavaillé-Coll gegen ein anderes Sampleset zu tauschen - ich würde es befürworten!
Eine diesbezügliche Frage an Kisselbach - schon vor längerer Zeit gestellt - blieb unbeantwortet. Vielleicht stoße ich diesbezüglich einmal nach. Grundsätzlich müsste ja eine technische Kompatibilität mit der Johannus Ecclesia vorliegen...
Soweit mein kurzer Bericht zum Jahrestag unserer Orgel.
Über eure Anmerkungen und Fragen, auch über eure Kritik und andere Sichtweisen freue ich mich!
Content Cambiare Suite III mit Sweelinq
#2 RE: Ein Jahr 'Gloria Nobilis Kathedrale'
Nur eine kleine Bemerkung zum vermissten „Spucken“:
Vielleicht ist dieses „Spucken“ der Konsonant vor dem Vokal: jener kleine Anblas-Impuls, bevor der stehende Ton sich ganz bildet.
Manche barocke Intonation lässt diesen Einsatz hörbar sprechen; die Pfeife artikuliert fast mit einem Anfangskonsonanten. Bei Silbermann scheint mir der Ansatz stärker gebändigt und in den runden, gesanglichen Ton eingebunden zu sein.
Zwei Ästhetiken des Tonbeginns also: die sprechende Pfeife und der singende Ton. Was bei Silbermann oft als weiche Ansprache ohne Härten geschätzt wird, meint vermutlich genau diese zweite Ästhetik.
Viele Grüße
#3 RE: Ein Jahr 'Gloria Nobilis Kathedrale'
Die Cavaille Coll von Notre Dame d' Auteuil entspricht leider nur noch zum Teil dem Original. Hinzu kommt das Johannus das Instrument bereits vor der letzten Überholung gesampelt hat.
Das erste von Cavaillé-Coll im Jahr 1877 gebaute Instrument verfügte über 45 Register, blieb jedoch nicht in der Kirche, da es 1878 für den Einbau im Innenbereich des neu errichteten Trocadéro-Palasts requiriert wurde. Der Pfarrer von Notre-Dame d’Auteuil, Pierre Lamazou, bestellte daraufhin eine weitere Orgel bei Cavaillé-Coll, die dieser 1885 fertigstellte (Opus 105). Sie verfügte über 32 Register, verteilt auf zwei Manuale mit je 54 Tasten und ein Pedal mit 30 Tasten. 1912 Die zweimanualige Orgel wurde 1912 von Mutin restauriert. 1937–1938 Ein ausdrucksstarkes Positif des Orgelbauers Gloton-Debierre wurde hinzugefügt, wobei die Harmonie der drei Klangebenen von Cavaillé-Coll (Grand-Orgue, Récit, Pédale) vollständig gewahrt blieb. Bei dieser Gelegenheit stieg die Anzahl der Register auf 53, die Orgel wurde elektrifiziert (elektropneumatisches System von Debierre) und eine neue Spielkonsole installiert. Gloton verlegte die Pedalkästen in die seitlichen Emporen, fügte eine 32'-Soubasse hinzu und platzierte beide Positif-Schwellkästen in dem Raum, der im Hauptprospekt durch die Verlegung des Pedalwerks frei geworden war. Auf dem Grand-Orgue wurden eine Fourniture IV, eine Cymbale IV und eine Flûte douce 4' hinzugefügt. Auf dem Récit wurden eine Nasard 2 2/3 und eine Fourniture IV hinzugefügt. Im Pedal wurde ebenfalls eine Fourniture IV hinzugefügt und die 32-16-8-Flûtes-Grundregister wurden verdoppelt. Für diese Restaurierung und Erweiterung wurde die Meinung zweier renommierter Musiker eingeholt: Louis Vierne und Albert Alain. 1962–1963 Das Instrument wurde von Barbéris und Picaud (Maison Debierre) entstaubt. 1983 Unter der Leitung von Henri Veysseyre fand eine Überholung statt, die von Jacques Barbéris durchgeführt wurde. 2015–2018 Die Orgel wurde vom Orgelbauer Denis Lacorre im Auftrag der Stadt Paris restauriert. Technisch wurde die Hauptwerk-Manualkonfiguration wie im Jahr 1885 wiederhergestellt, indem das Beuchet-Cymbal entfernt, das Plein-Jeu Cavaillé (ursprünglich 16', später 32') wiederhergestellt und die Doppelregister neu eingestellt wurden. Im Positif wurden die von Gloton (ehemaliger Mitarbeiter der Firma Cavaillé-Coll) gewünschten Flötenmutationen eingebaut. Es wurde beschlossen, die Gloton-Plein-Jeux im Positif aufgrund ihrer guten Verarbeitung beizubehalten, jedoch wurden Anpassungen vorgenommen, indem den drei Manualen konventionelle Plein-Jeux hinzugefügt wurden (was auf dem Grand-Orgue zu 8’ führt). Dem GO-Manual wurde ein Unda-Maris-Register hinzugefügt. Die Windversorgung und die Windladen wurden ebenfalls überarbeitet. Die Übertragung von Tönen und Registern erfolgt digital, während die Gloton-Konsole erhalten blieb und um Sostenutos sowie eine Pedalabschaltung ergänzt wurde. Insgesamt handelt es sich um ein großartiges Instrument, das die Aufführung des symphonischen und romantischen Repertoires sowie des Repertoires der 1930er Jahre ermöglicht: beispielsweise Messiaen, Fleury, Dupré, Duruflé.
Quelle: Composition 2018Botschaft von Frédéric Blanc zur jüngsten Restaurierung seiner Orgel (auf Französisch).
LG Frank
Gloria Concerto 355cc
Bald Gloria Concerto Custom 360cc+
#5 RE: Ein Jahr 'Gloria Nobilis Kathedrale'
Was ich aber tatsächlich nach wie vor sehr traurig finde, ist, dass, so stellt es sich für mich dar, die Firma Kisselbach nicht antwortet.
Darum habe ich mein Instrument in Holland gekauft. Da bekomme ich immer Antwort auf eventuelle Fragen. Es dauert, aber ich bekomme Antwort.
Ich möchte hier jetzt wirklich keine Diskussion lostreten, das soll es auch schon dazu gewesen sein.....
Ich verstehe so etwas einfach nicht. Denn es geht um Instrumente, die 5 Stellen vor dem Komma gekostet haben.....
Liebe Grüße, Axel
#6 RE: Ein Jahr 'Gloria Nobilis Kathedrale'
So wollte ich es nicht verstanden wissen.
Mit der Fa. Kisselbach habe ich durchwegs positive Erfahrungen - auch was Fragen vor und nach dem Verkauf betrifft. Die hier in Rede stehende Frage stand in einer Mail, wo ich etliche Themen zur Sprache gebracht hatte, nicht nur dieses. Vielleicht ist sie darin untergegangen.
Jedenfalls habe ich diesen Thread zum Anlass genommen, nun doch nachzuhaken in dieser Frage...
#7 RE: Ein Jahr 'Gloria Nobilis Kathedrale'
#8 RE: Ein Jahr 'Gloria Nobilis Kathedrale'
Danke für den Tipp!
Wenn es möglich sein sollte, würde ich ja lediglich über den Tausch eines, nämlich des Cavaillé-Coll-Sets nachdenken. Adema (Raalte) wäre eine wunderschöne Alternative. Ich hoffe, dass diese Orgel irgendwann auch bei Sweelinq auftaucht. 
Bin gespannt, was die Antwort ergibt.
#9 RE: Ein Jahr 'Gloria Nobilis Kathedrale'
Hier mal ein Video der Adema mit fantastischer Akustik.
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#10 RE: Ein Jahr 'Gloria Nobilis Kathedrale'
Vielleicht wäre bei solchen Sets vor allem zu prüfen, wie viel Raumklang sie selbst in der Einstellung „Organ Console“ noch mitbringen.
In manchen Kirchen kann es noch funktionieren, wenn sich die verbleibende Akustik des Sets leicht mit der realen Kirchenakustik überlagert; in anderen eher nicht.
#11 RE: Ein Jahr 'Gloria Nobilis Kathedrale'
Ich spiele zwar nur hobbymäßig bei mir zu Hause, aber der Gedanke mit dem Hall, dass man testet, ob sich beides, Akustik der Kirche und der Orgel positiv hochadieren lässt; den finde ich tatsächlich grandios. Das ist mit Sicherheit einen Versuch wert.
#12 RE: Ein Jahr 'Gloria Nobilis Kathedrale'
Bitte....
Die Gloria Nobilis Kathedrale ist als Kirchenorgel konzipiert, ebenso wie die Johannus Ecclesia. Das klingt schon.
Sollte die Kirche aber wirklich eine furztrockene Akustik besitzen, kann man eventuell eine Sekunde "Gnadenhall" (Zitat + Wichernkantor) addieren. Das ist kein Hexenwerk und benötigt auch keine großartigen 'Experimente'.
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