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"Tag der offenen Tür" bei Kisselbach in Baunatal
Heute (Samstag, 09.05.2026) war ich mal wieder "umme Ecke" im Orgelhaus Kisselbach in Baunatal zum "Tag der offenen Tür" von 10 bis 14 Uhr. Hier meine subjektiven Eindrücke:
Die "neuen" Räumlichkeiten
Die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten wurden neu aufgeteilt. Es gab "nach außen" keine Erweiterungen. Das Hauptaugenmerk lag auf der Notwendigkeit, die sieben Arbeitsplätze im Sinne der Mitarbeiter zu verbessern. Anstelle des lauten und offenen "Großraumbüros", in dem jeder jedes Telefongespräch mitbekommen hat, gibt es jetzt für alle Arbeitsplätze abgeschirmte Büros mit Tageslicht.
Ebenfalls gibt es für die Mitarbeiter jetzt einen Pausenraum mit Küchenzeile und auch einer Dusche.
Ein separates und abgeschirmtes "Studio" wurde eingerichtet, um Videos für Social-Media-Beiträge aufnehmen zu können, ohne den Kundenbetrieb durch Umbauten zu beeinträchtigen.
Die Kundentoilette wurde großzügig erweitert und ist auf dem neuesten Stand.
Die Ausstellungsfläche für Instrumente ist "nur" um ca. 20qm gewachsen - jedoch war eine größere Ausstellungsfläche auch nicht primäres Ziel der Modernisierung. Durch diverse Mauerdurchbrüche und die "Dezentralisierung" der Ausstellungsfläche in mehrere kleinere Bereich konnte erreicht werden, dass die "Lärmbelästigung" durch einen Kunden, der Tutti spielt, reduziert wurde. Wir kennen das - jemand spielt ohne Kopfhörer - und der ganze Saal hörte inbrünstig hin, weil ihm nix anderes übrig blieb.
Digitalisierung
Die größte Veränderung und eine wirklich beachtliche Weiterentwicklung gibt es an einer anderen Stelle. Alle, die schon mal in Baunatal waren, erinnern sich sicher an den prachtvollen Pfeifenprospekt, auf den der Blick gelenkt wurde, wenn man die Eingangstür durchschritt.
Ich persönlich habe aus diesem Prospekt noch nie Orgelklänge vernommen. Jetzt steht der Prospekt etwa 15m weiter nach hinten versetzt und wurde nach drei Seiten geöffnet, um Vibrationen zu vermeiden. Es stehen jetzt zwei komplette 8.1 Abstrahlungen in dem Prospekt - einmal mit Viscount- und einmal mit Johannus-Lautsprechern.
Der Clou ist jetzt, dass sämtliche Orgeln der Ausstellung über Dante-Netzwerkverbindungen mit dem Prospekt verbunden sind bzw. in Kürze verbunden sein werden. Damit ist es möglich, den Kunden und Interessenten jedes Instrument der Ausstellung vorzuführen, wie es extern mit 2.1, 4.1 oder 8.1 klingt. Über einen Touchscreen an der Wand lässt sich jede Orgel auf den Pfeifenprospekt schalten.
Keychange Klaviaturen
Sehr ausführlich wurden heute die Möglichkeiten der KeyChange Klaviaturen vorgestellt. Mir ist es nicht gegeben, dass jetzt hier zu wiederholen. Aber die Dinger funktionieren im wahrsten Sinne des Wortes "spürbar" gut. Entwickelt, hergestellt und vertrieben durch ein deutsches Unternehmen lassen diese Klaviaturen wirklich "ALLES" über Schieberegler auf einer Softwareoberfläche mit sich machen.
Wer sich dafür interessiert: Schaut euch das mal an.
Alle Holz- und Farbkombinationen sind möglich. Es ist eine Manufaktur. Jede Klaviatur wird individuell hergestellt. Da ist nichts "von der Stange". Es ist somit möglich, dass der Kunde, der einen Baum in seinem Garten fällen muss, das Holz zur Herstellung der Klaviaturen verwenden lassen kann. Die Preise sind entsprechend...
Sicher werden sich Kunden finden, die bereit sind, die Aufpreise zu zahlen. Dafür bekommt man aber auch ein Unikat und ein perfektes und maximal konfigurierbares Produkt aus deutscher Entwicklung und Fertigung.
Sweelinq
Endlich hatte ich heute mal die Möglichkeit mich intensiv mit Sweelinq zu beschäftigen. Es stand eine Content Cambiare III in der Ausstellung mit Sweelinq. In aller Kürze möchte ich sagen: Sweelinq hat in meinen Augen und Ohren lediglich 1,5 Nachteile:
- eine stilistisch beschränkte Auswahl an Instrumenten. Will man das Produkt auch international nach vorn bringen, muss sich hier noch einiges tun.
- das Abo-Modell ist auf diesem Sektor "neu" und so mancher könnte sich daran stören.
Die Vorteile von Sweelinq aber überwiegen m.E. deutlich:
- schneller
- schlanker
- GUI in Deutsch verfügbar
- deutlich weniger hardwareintensiv als Hauptwerk
- mit Fingern auf Touchscreens im Spieltisch bedienbar
Das alles gilt erstmal nur für lokale Instrumente mit interner Abstrahlung. Keine Ahnung, wie man eine (komplexe) externe Abstrahlung einbinden kann.
Wer authentische Instrumente ohne großen Aufwand und auf dem heimischen Spieltisch erleben möchte, für den ist Sweelinq eine mehr als ernst zu nehmende Alternative zum "Dino" Hauptwerk.
Firma Kisselbach
Wie immer - und das betone ich gerne immer wieder - war der Tag heute sehr schön. Herzlich wurde man empfangen und bewirtet. Alle Türen standen weit auf - auch zu den "unaufgeräumten" Bereichen im Lager... Alle Fragen wurden offen beantwortet und Maurice lieferte köstliche Bratwürstchen.
Die nächste "Kisselbach"-Generation steht nicht nur in den Startlöchern, sondern bringt sich bereits sehr aktiv und innovativ in das Geschäft ein. Wie üblich steht eine neue Generation "neuen" Möglichkeiten offen gegenüber. Gerade bei einem Produkt wie der "digitalen Kirchenorgel" ist das sicher ein Pfund für die Firma Kisselbach.
Ganz herzlichen Dank an die gesamte Mann-/Frauschaft in Baunatal für den tollen Tag. Die vier Stunden vergingen wie im Flug - aber das kennen wir ja...
"Auf bald" im Herbst...
Der "Tag der offenen Tür" hat richtig Appetit auf den Herbst gemacht. Bis dahin wird das Dante-System sicher vollständig installiert sein. Auch die Instrumente der Gloria Opera-Serie werden dann hoffentlich vorhörbar sein. Und spätestens dann kann jeder mal in Sweelinq reinhören oder sich überlegen, ob ihm/ihr die ~6K Aufpreis pro Keychange-Klaviatur das Erlebnis wert sind.
VG
Aeoline
Organisten leiden oft an einer schlimmen Krankheit: Augentinnitus - Man(n) sieht nur noch Pfeifen...
Viscount Unico 400 DE [V1.14.19] (56/III/P) : ab 11.2012
Johannus Opus 520 (45/II/P) : 10.1987-11.2012
Siel HB 700 (9/II/P) : 1977-09.1987)
#2
Ich war heute weit weit weg im Orgelhaus Kisselbach in Baunatal und kann gar nicht viel hinzufügen (=
Die neue Aufteilung der Räume finde ich auch sehr gut. Unter anderem finde ich, dass der Teil, wenn man rein kommt rechts aufgewertet wurde, weil nun nach hinten noch ein Durchbruch offen ist und da mehr Orgeln stehen.
Die KeyChange-Klaviaturen sind schon der Wahnsinn; die handwerkliche und technische Entwicklungsarbeit ist erstaunlich. Man hört, dass demnächst noch weitere Einstellmöglichkeiten hinzu kommen sollen -- und die Optionen, die jetzt schon da sind, sind schon faszinierend.
Den Geschwindigkeitsvorteil von Sweelinq kann ich bestätigen. Davor saß ich an einer Hauptwerk-Cambiare und habe doch einige Zeit auf das Laden der Sets warten müssen. Bei Sweelinq war sogar die dicke Sonnenorgel sehr schnell da; für die Zahl an Registern wären mir allerdings die beiden eingebauten Monitore an der Cambiare Suite zu klein. Erweitert man eine schon vorhandene DO mit dem Sampler, kann man die Größe des Touchscreens natürlich dann selber wählen.
War ein sehr interessanter Tag =)
#4
Ab zwei Manualen auf jeden Fall. Und die Orgelbauer werden es vermutlich als Aufpreis kalkulieren und den Differenzbetrag, der durchs Nicht-Verwenden der Fatar TP-... eigentlich frei würde, als Sondergebühr für die Spezialanfertigung einkalkulieren. (Na gut: Selber einbauen möchte man die vermutlich meistens auch nicht)
Zitat von geris im Beitrag #3
Wo sind denn die KeyChange-Klaviaturen preislich angesiedelt?
Da sind wir sicherlich ganz schnell im fünfstelligen Bereich? 🤔🫣
Über Preise konnte man noch keine genaueren Angaben machen. Die Einstellungen für die Klaviaturen werden derzeit in einer stand-alone-App des Herstellers gemacht. Man überlegt, diese Steuerung in die Orgelsoftware einzusetzen, damit der Kunde nicht mit zwei Programmen arbeiten muss.
Gerade bei Modellen mit Touchscreens müsste der Kunde aus der "Orgeloberfläche" raus auf die Windowsoberfläche und Maus und Tastatur anschließen um die Klaviaturen customizen zu können... oder ganz separat über ein Tablet...
Man nannte einen Aufpreis (!) von 5k bis 7k je Klaviatur. Damit sind dann aber auch alle Materialien und Farben inkludiert.
VG
Aeoline
Organisten leiden oft an einer schlimmen Krankheit: Augentinnitus - Man(n) sieht nur noch Pfeifen...
Viscount Unico 400 DE [V1.14.19] (56/III/P) : ab 11.2012
Johannus Opus 520 (45/II/P) : 10.1987-11.2012
Siel HB 700 (9/II/P) : 1977-09.1987)
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