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Auf den zweiten Blick: Gloria Optimus Plus
#1 Auf den zweiten Blick: Gloria Optimus Plus
Habe mich nun zwei Tage lang durch die Kisselbachsche Ausstellung in Augsburg geackert - auf der Suche nach einer neuen Orgel für Zuhause. Wie im Nachbarthread geschrieben, wurde es diesesmal eine Sweelinq-Orgel, nämlich die Content Cambiare Suite III.
Diese Entscheidung traf ich bereits am ersten Tag meines Aufenthalts, sodass ich am Folgetag viel Zeit hatte, mich nochmals der Gloria Optimus (ich lasse das Plus künftig weg, da es ohnehin nur noch diese gibt) zu widmen. Bekanntlich war ich von dieser Orgel bei meinem letzten Besuch nicht sehr angetan, sodass damals bereits nach wenigen Minuten für mich feststand, dass ich diesesmal lieber eine Samplingorgel, nämlich die Johannus Opus 260, kaufen wollte... was sich letztlich als nicht gut genug überlegter Schritt erwies. Leider.
Nun, diesesmal nahm ich mir mehr Zeit.
Zuvorderst: Wohnzimmerorgeln brauchen eine schöne Hallumgebung. Das lange gepredigte Diktum vom Üben mit wenig Hall mag eben auf das beinharte Üben zutreffen, Klanggenuss kommt dabei aber nicht auf. Nicht umsonst setzen die Samplingorgeln neuester Generation auf originale Kirchenräume, die den Samplesets mitgegeben werden und ihnen eigentlich erst ihr Leben einhauchen. An der Opus konnte erkennen, was passiert, wenn man z.B. die an sich wunderschöne Vater-Müller-Orgel ihres Raumes und somit ihrer ureigensten Hallumgebung beraubt: Ohne Hall war die Orgel tot, anders kann ich es nicht bezeichnen.
So ließ ich der Optimus ihren Hall, der übrigens - wie bereits in der Concerto-Reihe der 1. Generation - vielfältig konfiguriert werden kann. Mit ein paar wenigen intonatorischen Eingriffen war die Orgel bereits nach Minuten so gewürzt, dass ihr Klang mir vorzüglich schmeckte. Hätte ich die Cambiare nicht gehört und getestet, wäre ich diesesmal mit einer Optimus 2-39 nach Hause gefahren. Das Sondermodell in Weißeiche und mit holzbelegten Klaviaturen ist ein attraktives Gesamtpaket. Die Kunde, dass in der Optimus 3-4 Schattenregister pro Wippe zur Verfügung stehen, stimmt schon lange nicht mehr. Ich sah bei vielen Register acht oder noch mehr Alternativen; da sollte eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei sein, zumal man ja jedes Register mit vielen Parameter - mehr als bei Physis ohne Plus - intonieren kann.
Freilich ist die Optimus keine Concerto Plus; diese besitzt ein größeres Audiosystem und neuerdings auch einen verbesserten Hall, dessen Vorzüge sich mir - diesesmal? - allerdings nicht erschließen wollten. Zwar kann der Reverb der Concerto nun ebenfalls durch eine Vielzahl an Parametern konfiguriert werden, jedoch dermaßen detailliert, dass ich mich damit überfordert fühlte. Die Concerto Plus hat m.E. ein denkbar umfangreiches Instrumentarium an Bord, um ihren Klang in allen Details anzupassen. Für Intonateure ein Paradies - mir aber inzwischen viel zu viel.
Betrachtet man nun noch den Preisunterschied, wird man als Kunde gründlich nachdenken, wieviel Klanglabor man zuhause wirklich braucht - und ob nicht bereits die Optimus den Anforderungskatalog erfüllt. Für mich täte sie das und nach dem ausführlichen Test gestern empfehle ich sie wirklich. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist nicht nur gut, sondern sehr gut. Freilich: Man muss bereit sein, sich in das Intonationsmenü zu wagen. Ähnlich wie damals bei der ersten Concerto möchte ich auch die Optimus als einen Diamenten bezeichnen, dem ein gewisser Nachschliff hin zum eigenen Geschmack sehr, sehr gut tut.
Auf dem Weg: Content Cambiare Suite III
#2 RE: Auf den zweiten Blick: Gloria Optimus Plus
Schön, dass man bei den Schattenregistern jetzt mehr dazu gibt. Ich erinnere mich noch, wie ich bei der Vorstellung damals in Baunatal nach einem Krummhorn 8 suchte, das es damals an den zweimanualigen Optimus-plus nicht gab..
Was ich aber immer noch sehr wünschenswert fände, wäre eine Übersicht über sämtliche verfügbaren Stimmen, mit stilistischer Einordnung (Orgelbauer oder zumindest die Stilepoche), damit man sich auch ohne die Intonateurs-Ausbildung überzeugende Dispositionen zusammen stellen kann. Der Hersteller hat sowas bestimmt ohnehin für den internen Gebrauch.
#4 RE: Auf den zweiten Blick: Gloria Optimus Plus
Zitat von Gemshorn im Beitrag #1
Betrachtet man nun noch den Preisunterschied, wird man als Kunde gründlich nachdenken, wieviel Klanglabor man zuhause wirklich braucht - und ob nicht bereits die Optimus den Anforderungskatalog erfüllt.
Freilich: Man muss bereit sein, sich in das Intonationsmenü zu wagen. Ähnlich wie damals bei der ersten Concerto möchte ich auch die Optimus als einen Diamenten bezeichnen, dem ein gewisser Nachschliff hin zum eigenen Geschmack sehr, sehr gut tut.
"Klanglabor": Schöner Ausdruck.
"Nachschliff" weiter erforderlich: Schade.
Übrige spannende Einschätzungen: Danke.
Wenn ich mir anschaue, wo im Alltag überall aktuell für "Zeit sparen" geworben wird und wie oft über Zeitmangel geklagt wird, erscheint mir ein Produkt, dass vom Wohnzimmer-Endkunden noch einen hohen Zeiteinsatz fordert, am Bedarf vorbei gedacht worden zu sein. Eine automatische Einmessung in den Raum wäre Pflicht.
#5 RE: Auf den zweiten Blick: Gloria Optimus Plus
Nachtrag: Der Hinweis von Clemens im Thread zur Ahlborn-Nachrüstung hat mich nach ca. zwei Jahren mal wieder ins österreichische Kirchenorgel-Forum schauen lassen. Der dortige Moderator hat offenbar 2024 seine damals ca. zehn Jahre alte Concerto mit Hauptwerk erweitert. Das finde ich bemerkenswert, denn er hatte nach meinem Eindruck viel an seiner Concerto (ohne plus) intoniert und schien damit einst sehr zufrieden zu sein. (Mir hatte sich allerdings eine Klangverbesserung aus seinen Videos nie erschließen können.) Generell scheint man in dem Forum inzwischen mehr an HW und Sweelinq interessiert zu sein.
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