Zwei neue Bach-Werke

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17.11.2025 19:30 (zuletzt bearbeitet: 17.11.2025 19:33)
#1 Zwei neue Bach-Werke
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Zumindest wurden sie mir gerade von der Tagesschau als neu angekündigt:
https://www.tagesschau.de/kultur/bach-or...eckung-100.html

Die Noten (Orgel) gibt es offenbar hier:
https://www.breitkopf.com/work/8795/18504

Weiß vielleicht schon jemand mehr?


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17.11.2025 19:36
#2 RE: Zwei neue Bach-Werke
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Zwei neu entdeckte Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, die "Ciacona in d-Moll" und die "Ciacona in g-Moll", wurden heute im Bach-Werkeverzeichnis als BWV 1178 und BWV 1179 aufgeführt und erstmals in der Thomaskirche zu Leipzig aufgeführt. Die Stücke wurden im Rahmen der Festwoche zum 75. Jubiläum des Bach-Archivs Leipzig der Öffentlichkeit präsentiert.
Ciacona in d-Moll: BWV 1178
Ciacona in g-Moll: BWV 1179
Entdeckung: Nach jahrzehntelanger Forschung konnte der Direktor des Bach-Archivs, Peter Wollny, die Werke eindeutig J.S. Bach zuordnen.
Aufführung: Die Uraufführung fand heute in der Leipziger Thomaskirche statt.
Anlass: Die Präsentation der Werke ist Teil der Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen des Bach-Archivs.


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17.11.2025 19:38
#3 RE: Zwei neue Bach-Werke
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Es handelt sich um Frühwerke: Bach komponierte sie offenbar im Alter von nur 18 Jahren, um das Jahr 1703.
Instrumentierung: Beide Stücke sind für Orgel.

Die Noten sind bereits im Leipziger Traditionsverlag Breitkopf & Härtel erschienen und somit der Öffentlichkeit zugänglich.


Dies ist die erste Entdeckung neuer Bach-Werke seit über 20 Jahren und gilt als bedeutender Fund für die Musikwelt.


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17.11.2025 19:41
avatar  pvh
#4 RE: Zwei neue Bach-Werke
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pvh

Hallo,

zum Anhören (klick).

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.


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17.11.2025 19:48
#5 RE: Zwei neue Bach-Werke
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Administrator

Sehr offtopic: Bei mir läuft gerade das Youtube-Video mit den beiden Stücken.
Die Orgel klingt wunderschön.

Da taucht bei mir die Frage auf: Welche Digitalorgel kommt wenigstens in die Nähe solch knackigen Klanges?


Auf dem Weg: Content Cambiare Suite III

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17.11.2025 19:53
#6 RE: Zwei neue Bach-Werke
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......nur Hauptwerk..... und HW-basierte Systeme.....


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21.11.2025 12:02
#7 RE: Zwei neue Bach-Werke
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Vor zwei Tagen kamen die Noten der beiden Chaconnen bei mir an. Die Stücke selbst empfinde ich als sehr reizvoll und werde sie auf jeden Fall in mein Repertoire aufnehmen. Die interessanten Formexperimente und der noch etwas unausgereifte, aber doch sehr innovative Stil kann nach meinem Empfinden schon gut als Bachsches Frühwerk durchgehen.

Gleichzeitig bin ich doch was die Begründung der Authentizität angeht etwas ernüchtert. Wollny schildert in seinem Vorwort recht ausführlich seine Argumentation für die Echtheit, aber ohne, dass ich es jetzt ganz lange ausführen mag, kann man zusammenfassen, dass in der Argumentation mit Annahmen gearbeitet wird, die zwar möglich, aber längst nicht sicher belegbar sind. Ferner die großspurigen Ankündigungen als "Neuentdeckung", obwohl man, da die Stücke ja bereits bekannt waren, wohl eher von einer neuen Zuschreibung sprechen müsste. Die angeblichen "99,9%" Sicherheit der Authentizität (laut Wollny) sehe ich nicht. Dafür sind zu viele Fragezeichen aus meiner Sicht.

Schade, dass ein Beigeschmack bleibt, dass hier scheinbar vor allem mit maximaler Werbewirksamkeit gearbeitet wurde, während man die Werke aus meiner Sicht wirklich seriös nur in die Reihe der Bachwerke eventueller Echtheit einreihen könnte (was ja auch schon eine durchaus bemerkenswerte Sache wäre). Ein echter Beweis der Authentizität steht für mich bislang aus.

Es mag sein, dass nicht alle Musiker an Gott glauben; an Bach jedoch alle. - Mauricio Kagel


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21.11.2025 13:11
#8 RE: Zwei neue Bach-Werke
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Zur Authentifikation hat MagisterPerotin also einiges gesagt.

Mich drängt es aber, zum Orgelspiel des Herrn Professor Koopman meine Ansicht zu äußern:

War - zugegebenermaßen - die ganze Veranstaltung eine Werbeaktion - warum eigentlich nicht? -
so war sein Spiel für mich dies wahrlich nicht.
Es war kein Bach, der fließt!
Sein Spiel war nervös und unruhig, so, als würde man einen Damm ungeduldig zerschlagen,
damit der Bach bestenfalls wieder fließen kann.

Orgelditi


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21.11.2025 13:13
#9 RE: Zwei neue Bach-Werke
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Zitat von orgelditi im Beitrag #8

Mich drängt es aber, zum Orgelspiel des Herrn Professor Koopman meine Ansicht zu äußern:

War - zugegebenermaßen - die ganze Veranstaltung eine Werbeaktion - warum eigentlich nicht? -
so war sein Spiel für mich dies wahrlich nicht.
Es war kein Bach, der fließt!
Sein Spiel war nervös und unruhig, so, als würde man einen Damm ungeduldig zerschlagen,
damit der Bach bestenfalls wieder fließen kann.

Orgelditi


Das kann ich nur unterschreiben. Aus meiner Sicht hat man den Stücken damit keinen Gefallen getan.

Es mag sein, dass nicht alle Musiker an Gott glauben; an Bach jedoch alle. - Mauricio Kagel


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21.11.2025 15:23
#10 RE: Zwei neue Bach-Werke
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Weiß jemand, ob die beiden Stücke bereits in der Urbachausgabe vorhanden waren, oder ob sie an anderer Stelle bereits veröffentlicht waren evtl. mit anderer Zuschreibung der Urheberschaft?

Liebe Grüße vom Clemens

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21.11.2025 23:08
#11 RE: Zwei neue Bach-Werke
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Die Stücke sind in dieser Quelle enthalten: https://opac.rism.info/id/rismid/rism700005903

Richtig veröffentlicht oder verlegt wurden sie m.W. davor nicht, aber in den letzten Jahrzehnten waren die Stücke durchaus bekannt und wurden auch aufgeführt. Dann meist Johann Christoph Graff zugeschrieben.

Es mag sein, dass nicht alle Musiker an Gott glauben; an Bach jedoch alle. - Mauricio Kagel


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22.11.2025 23:42
#12 RE: Zwei neue Bach-Werke
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Ist es das hier?

Liebe Grüße vom Clemens

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23.11.2025 06:12
avatar  live3TA
#13 RE: Zwei neue Bach-Werke
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Zitat von clemens-cgn im Beitrag #10
...oder ob sie an anderer Stelle bereits veröffentlicht waren evtl. mit anderer Zuschreibung der Urheberschaft?


IMSLP has corrected the previous attribution to Johann Christoph Graff so the two works are now attributed J. S. Bach in the following two links:

Chaconne and Fugue in D minor, BWV 1178

Chaconne in G minor, BWV 1179

Of course, these are IMSLP user contributions and likely not matching the elegant print layout of the Breitkopf & Härtel edition: Supplement to Vol. 4: Two Chaconnes BWV 1178, 1179


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23.11.2025 17:53
#14 RE: Zwei neue Bach-Werke
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Nach Lektüre der beiden IMSLP-Ausgaben BWV 1178/1179, habe ich für mich beschlossen, die Breitkopfausgabe beim jeweiligen Händler zu belassen. Für mich gibt es von J.S.Bach interessantere Orgelwerke, die ich bislang noch nicht erarbeitet habe und diese Noten stehen bereits bei mir im Schrank ;-).

Liebe Grüße vom Clemens

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23.11.2025 19:12
avatar  live3TA
#15 RE: Zwei neue Bach-Werke
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Zitat von MagisterPerotin im Beitrag #7
...Die interessanten Formexperimente und der noch etwas unausgereifte, aber doch sehr innovative Stil kann nach meinem Empfinden schon gut als Bachsches Frühwerk durchgehen.
...


Having recently read George Stauffer's 2024 "J. S. Bach: The Organ Works", I got a jolt of how various historians can turn light anecdotes into large boulders that block historical research.

The chief example is how J. S. Bach's oldest brother Johann Christoph Bach (J. C.) has been portrayed in Bach biographies by Forkel and then Spitta. Forkel, guided by C. P. E. Bach, portrayed the young J. S. as an orphaned self-trained genius--in the process J. C. is portrayed as a hard-hearted and musically inferior and jealous guardian attempting to stifle J. S.. Spitta did little better a hundred years later (he didn't even bother to go to Ohrdruf to personally inspect the documents/materials about J. S. or J. C.). Specifically, this made impossible authenticating two manuscripts containing a number of likely early J. S. works. This was believed (by their own theory) because the works couldn't have been written/copied by J. C. due to the "broken relationship" between the two--J. S. wouldn't possibly have communicated with J. C. after J. S. escaped the "oppressive and cruel" J. C.. So for 200 years, a bunch of early J. S. works couldn't be authenticated because a blown-out-of-proportion anecdote wasn't fact checked.

Unfortunately, time and world events have diminished the existing documents/materials that could help with work attributions BUT historical research had also stumbled around not actually looking for things that might have existed at the time.

There are a number of historical facts that show that J. C. and J. S. continued their familial and musical relationships for decades after J. S. left J. C.'s household in 1700. These facts enabled historians to finally authenticate a large number of early J. S. works after overcoming the history-blocking anecdote.

I cobbled together some of these ideas in a post on another forum that includes a chart of life/musical interactions between J. C. and J. S.: Not Another Salieri: Bach's Brother Christoph in a New Light

Suffice it to say, it is easier to authenticate works if you don't make up stories that prevent doing so.


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