Externe Abstrahlung für Content Celeste 236

10.11.2025 19:42
#1 Externe Abstrahlung für Content Celeste 236
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Seit ein paar Monaten darf ich die Celeste 236 mein eigen nennen. Da mir dieses Modell klanglich schon ab Werk sehr gut gefallen hat neben dem schönen Gehäuse aus Massivholz.
Natürlich hat es mich auch interessiert, was in der Orgel drinsteckt. Vor allem, welche Lautsprecher und wie diese verbaut sind.
Nachdem ich die Rückwand abgenommen habe und mir ein Bild verschafft habe, muss ich sagen, dass Content hier meines Erachtens einen überdurchschnittlichen Aufwand betrieben hat. Es sind vorhanden:
- 2 Basschassis Visaton W250
- Insgesamt 8 Breitbänder für die Hall -und Surroundeffekte,
- 2 kleine Breitbänder für die Hochton Abstrahlung rechts und links neben den Registerwippen.
- 2 Stück 6,5 Zoll Breitbänder für die Hauptwiedergabe.
Alle Chassis kommen von Visaton und bürgen für mich somit für gute und sehr gute Qualität.
Insgesamt spielen hier 14 einzelne Lautsprecherchassis.
Dann hat man für beide Basschassis je ein eigenes Gehäuse konstruiert mit genau 50l Nettovolumen. Den beiden Breitbändern rechts und links im Fuß des Orgelgehäuses hat man ein eigenes Gehäuse gegeben. Nur die ganzen Breitbänder im Spieltisch spielen offen ohne Hindernisse in den Spieltisch rein. Das geht ganz ehrlich gesagt auch noch viel besser. Klingt aber schon wirklich sehr sehr ansprechend gut.
Nun möchte ich mir einen Aufsatz auf die Orgel stellen oder über der Orgel platzieren. Aus folgenden Gründen:
- das Auseinanderziehen der C - Cis Wiedergabe. (beide Breitbänder dafür sind nebeneinander hinter dem Notenpult in die Oberseite des Gehäuses eingelassen. Das ist fast eine Punktschallquelle)
- der Klang soll offen und frei in den Raum abstrahlen. Auch wenn die Celeste schon wirklich gut und für mich überzeugend klingt, wenn das frei etwas höher als die eigene Sitzposition abstrahlt, dann ist das doch noch der Punkt auf dem "I".
- ich möchte gerne Pfeifen haben und sehen. Das verstärkt das Spielgefühl einer echten Pfeifenorgel. Zumindest geht es mir so.
- für mich wertet dass dann die gesamte Orgel visuell und klanglich deutlich auf.

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10.11.2025 19:51
#2 RE: Externe Abstrahlung für Content Celeste 236
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Nun habe ich, um die finalen Lautsprecher für das Kabinett, so nenne ich den Aufsatz, zu finden, schon einige Tests gemacht und gespielt. Am besten hatte mir gefallen, als 2 Stück 3 Wege Lautsprecher (geschlossen mit 27cm Bass) rechts und links neben dem Notenpult standen und von einem Stereo Verstärker angetrieben wurden. Aber tatsächlich nur, weil da dann der Bass deutlich kräftiger kam. Beim hin und her schalten gefiel mir die Wiedergabe über die internen Breitbänder fast noch besser.
Ich persönlich finde, dass gute und auch zweckmäßige Breitbänder zur Wiedergabe von dem Klang der Orgelpfeifen hervorragend sind. Die manchmal etwas aggressive Gangart dieser Spezies Lautsprecher kommt dem Pfeifenklang doch sehr entgegen. (Was für ein Wortspiel)
Nur der Bass, der Bass, der Bass. Der hat mir echt Kopfzerbrechen bereitet.

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10.11.2025 20:04
#3 RE: Externe Abstrahlung für Content Celeste 236
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Ich habe nun meine Lösung gefunden.
Wer weiß am besten, was sein Lautsprecher kann?
In der Regel der Hersteller. In diesem Fall Visaton. Ein alter und sehr bekannter Hase im Selbstbau mit verlässlichen Qualitäten und langjährige Produktverfügbarkeit. Manche Chassis gibt es schon seit Jahrzehnten.
So auch die Basschassis. W250 ist die einfache Bezeichnung. Visaton gibt für seine Bässe optimale Gehäusevorschläge an. So auch hier.
50l netto mit einem Reflexrohr von Visaton mit 9cm Länge.
Warum Content das nicht genau so umgesetzt hat, nachdem man beiden Chassis je genau 50l gegeben hat, das kann und will ich nicht verstehen. Aber ich habe das jetzt umgesetzt.
Ich habe die 7 richtig großen länglichen Öffnungen mit einer relativ dicken MDF Platte verschlossen. Habe mit flexiblem Schaumstoffdichtband alle Kabeldurchführungen verschlossen. Und alle Flächen, wo die Rückwand aufliegt auch mit Dichtband versehen. Habe in die Rückwand an passender Stelle je eine Bohrung angebracht und die auf 9cm abgelängten Reflexrohre eingesetzt.
Kzrz: bestmöglich den Gehäusevorschlag von Visaton umgesetzt.
So, nun war ich aber gespannt, nachdem ich die Rückwand wieder verschraubt hatte.

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10.11.2025 20:19
#4 RE: Externe Abstrahlung für Content Celeste 236
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Ohne die beschriebene Maßnahme fand bei der Content kein Tiefbass statt. Der Subbass16 hat nur still die Luft vor sich her gepumpt. Beim tiefen "C-F". Beim Violon16 dasselbe. Nur der Prinzipal 16 kam ein wenig.
Jetzt aber, lieber Leser, unterschätze niemand den W250 korrekt angewendet, jetzt gibt es Tiefbass satt. Bei den Intonationen Classic und Romantik werde ich deutlich die Lautstärke des gesamten Registers und einzelner Töne zurück nehmen müssen.
Das ist einfach zu viel des Guten.
Fakt ist, alle Tiefbässe, welche die Orgel mit ihren Registern zur Verfügung stellt, sind voll und ganz hörbar und ohne Kompromiss da.
Das habe ich definitiv so nicht erwartet.
Ich möchte ausnahmsweise mal ein Wort gebrauchen: GEIEL!
Ich brauche definitiv nicht mehr!
Fazit:
Warum Content so einen aufwendig betriebenen Gehäusebau betreibt, um dann denselben als offene Schallwand wieder verpuffen zu lassen, das verstehe ich noch weniger wie die an anderer Stelle erwähnte Sache mit einzelnen Tönen, die zu laut sind oder gar nicht hörbar.
Jetzt, nachdem ich das nach Vorgaben von Visaton mit kleinem Aufwand geändert habe, wow, jetzt passt das.
Es lohnt sich wirklich, sich mit seinem Instrument intensiv zu befassen und Änderungen herbei zu führen.
Fazit:
Ich brauche definitiv keine zusätzlichen Lautsprecher. Ich werde die ganzen Breitbänder nach oben setzen in das Kabinett und die Bässe bleiben da, wo sie sind.
Diese spielen jetzt so auf das Vortrefflichste.
Fortsetzung folgt.....

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10.11.2025 22:24
#5 RE: Externe Abstrahlung für Content Celeste 236
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Kompliment, Axel!
Schön, wenn jemand Freude am Probieren, Bauen und differenzierten Hören hat!

Du kannst dir denken, dass das Problem mit den Auslöschungen bei offenen Schallwänden den Herstellern natürlich bekannt ist. :-)

Bei einer offenen Schallwand trifft der von der Rückseite des Lautsprecherchassis abgestrahlte Schall nach einem kurzen Weg auf den von der Vorderseite abgestrahlten Schall. Da beide Schallwellen gegenphasig sind, löschen sie sich gegenseitig aus, besonders bei langen Wellenlängen, also tiefen Frequenzen. Die Effizienz im Tiefbassbereich sinkt drastisch ab. Bis auf fast Null, wie du beschrieben hast.

Und doch ist die Verwendung von offenen Schallwänden in Sakralorgeln für das Wohnzimmer meist eine bewusste Entscheidung, um die tiefsten Bassfrequenzen absichtlich physikalisch zu reduzieren und damit Probleme in kleinen Räumen kleiner zu machen.

Auch der Frequenzbereich zwischen etwa 80 Hz und 130 Hz ist in Wohnzimmern ein sehr häufiger und oft besonders störender Problembereich, der für "mulmigen" oder "dröhnenden" Klang verantwortlich sein kann.

(Die Gründe dafür sind ähnlich wie bei den tieferen Bässen:
Raummoden (stehende Wellen): In diesem Frequenzbereich sind die Wellenlängen immer noch groß genug, um starke Resonanzen in typischen Wohnzimmerabmessungen hervorzurufen. Während die tiefsten Bässe (unter 60 Hz) oft durch die Gesamtlänge des Raumes angeregt werden, betreffen Frequenzen um 80-130 Hz oft die Breite oder Höhe des Raumes oder eine Kombination der Dimensionen.)

Wenn diese Frequenzen durch Raummoden verstärkt werden, klingt der Bass nicht straff und präzise, sondern "dick", unsauber und eben "mulmig". Dies überlagert andere Frequenzen und beeinträchtigt die Klarheit des gesamten Klangbildes.


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10.11.2025 22:45 (zuletzt bearbeitet: 10.11.2025 23:03)
#6 RE: Externe Abstrahlung für Content Celeste 236
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Natürlich gibt es herrliche Lösungen für alle diese Probleme. Aber sie liegen bei den Lautsprechern in einem anderen Preisbereich und vor allem:
Der Raumkorrektur der problematischen Frequenzen am besten direkt auf der digitalen Ebene der Tonerzeugung.

(Dirac z.B. ist ein tolles Programm, das über ein Rundum-Messmikrofon die geometrisch physikalisch bedingten Raummoden feststellt und heute erstaunlich gut über alle Frequenzen korrigiert. Vor einigen Jahren war das noch problematisch und recht unvollständig.)

Einmal eingemessen, braucht man keine manuelle Korrektur einzelner Register bzw. Töne mehr. Das ist insbesondere bei (vielen) Samplesets und/oder verschiedenen Perspektiven wichtig, weil man sich sonst totkorrigieren müsste. :-) Aber auch für den Basisklang vieler DOn wäre es entscheidend......

Diesem Aufwand gehen die Sakralorgelhersteller in den unteren Baureihen komplett aus dem Weg.
Es steht zwar 16 oder gar 32 Fuß da, aber die Grundtöne (!) kommen nicht mal bei 8 Füßern, die immerhin bis ca. 65 Hz runter reichen, wirksam in den Raum.

Viele kennen diesen Bereich dann zuhause gar nicht - viele vermissen ihn auch nicht, weil sie ihn im Wohnzimmer und auch über Kopfhörer nie gehört haben. Eigentlich sehr schade , denn das macht ganz wesentlich den eigentlichen Orgelklang aus, der auf einem wunderbaren Fundament beruht. (Wie du ganz offensichtlich auch empfindest. Grüße)


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10.11.2025 23:10
#7 RE: Externe Abstrahlung für Content Celeste 236
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Ich kenne aber diese tiefen Töne und ich weiß, wie wunderbar die Musik auf den Menschen, auf die Seele wirkt, wenn "alles" da ist.
Ich danke Dir vielmals für Deine Erklärung zu offenen Schallwänden. Ich habe damit absolut keine Erfahrung, da ich nur eine sehr kleine Räumlichkeit habe. Das mit den Resonanzen, die sich hochschaukeln, stehende Wellen oder Auslöschung, das kenne ich alles.
Wenn ein Basston zu sehr dröhnt, aufdickt oder zu laut ist, dann hilft es oftmals, nicht immer, diesen einen Ton leiser zu machen. Manchmal sogar ganz schwach.
Offene Schallwände sollen ja in einem definiertem Abstand zur Rückwand aufgestellt werden.
Das geht in einer Kirche. Vielleicht. Aber im Wohnzimmer die Orgel einen halben Meter von der Wand weg oder mehr????
Das macht niemand.
Ich habe auf jeden Fall mit meiner Maßnahme einen für mich großartigen Erfolg erzielt.
Ja, und es ist tatsächlich so, selbst bei den 8 Füßern kamen die tiefsten Töne nur seeeeeehr leise bis gar nicht.
Ich danke Dir vielmals!!!!
Axel

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10.11.2025 23:21
#8 RE: Externe Abstrahlung für Content Celeste 236
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Wir verstehen uns, Axel.

(Das ist hier selten ;-))

Freue mich an deiner Freude am echten, wirklichen Orgelklang - mit der entscheidenden Kraft und Wärme (!) des Fundaments!!

(Ohne laut zu sein......insgesamt sogar wesentlich leiser empfunden, weil die "Babyschrei"frequenzen der Mixturen und Aliquoten sonst schnell nerven können....)

Herzliche Grüße und viel, viel Freude weiterhin!!


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