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Kirchenmusiker C-popular
Beim zufälligen Durchblättern des Gemeindebriefes unserer evangelischen Mitchristen hier in Ostfriesland finde ich einen Bericht eines Kirchenmusiker-Kollegen, der offensichtlich eine entsprechende Ausbildung genossen und sich nun "Popkantor" nennt. Habt ihr schon mal davon gehört?
Er wirbt mit "normalen Gottesdiensten mit Klavierbegleitung" über "Coachings und Workshops" bis zu "Projektchören, Bands" uvm ...
Bei uns hat ein Kantor vor knapp 25 Jahren die berufsbegleitende Ausbildung zum „Popularmusiker“ gemacht und ist vor drei Jahren vom Bezirkskantorat in das neu gegründete Profilkantorat „Popularmusik“ gewechselt.
Aber das sind sicherlich zwei verschiedene Paar Schuhe ...
Das sind keine Nischen mehr.
Christoph Georgii lehrt und praktiziert die kirchliche Moderne schon in Jahrzehnten gerechnet und er kann das ausgezeichnet, was die älteren Kollegen nicht musizieren:
https://www.hfk-heidelberg.de/hochschule...ii/?cb-id=97231
Michael
#5 RE: Kirchenmusiker C-popular
das klingt aber bei dem angebot mehr nach einem hauptamtlichen kimu als einem nebenberuflichen C-kantor?
wer auch im pfeifenorgelforum war/ist, kennt sicherlich das "system witten" ;-) . in den überresten der renommierten herforder kirchenmusikhochschule kann man bachelor-popkantor werden.
Bei dem von mir oben genannten Prof. Georgii habe ich von einem Niedergang der evangelischen Kirchenmusik jedenfalls noch nichts mitbekommen:
https://www.akademie-kirchenmusik.de/uns...m/popularmusik/
Michael
Lieber Michael,
die Kirchenmusik war ein Vorläufer der sogenannten "Ernsten Musik" und ist heute noch ein "Zweig" davon.
Die Popularmusik aber ist ein Teil der heutigen "Unterhaltungsmusik".
Wird die KM von der PM ersetzt, egal wie fachgerecht sie ist, wird der Gottesdienst meistens zu einer "Veranstaltung" mit Unterhaltungscharakter.
Dass diese Tendenz immer stärker wurde, hat allein die KM selbst verschuldet.
Die anspruchvolle und doch praktizierbare KM - vom Geist der kirchenmusikalisch-liturgischen Erneuerung seit etwa Hugo Distler getragen - verebbte seit den sechzigern nach und nach.
Sie erlahmte landläufig (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel) und machte so Platz für die PM.
Auf die Beteiligung der Theologie und der Theologen an diesem Vorgang will ich hier nicht eingehen.
Auch über den wichtigen missionarischen Zusammenhang von PM und weltlicher Jugend will ich nicht reden.
Die KM hat besonders heute den Auftrag, das christliche Anliegen zu verdeutlichen und dann aber auch von innen (Gottesdienst) nach außen (Konzert) zu tragen.
Die PM allerdings bringt mit dem ihr anhaftenden Charakter "Weltliches" in den gottesdienstlichen Raum und macht ihn somit zum "Show-Room" - mit oder ohne Absicht der Akteure.
Das ist für mich der Niedergang der Kirchenmusik!
Es heißt aber nicht, dass PM im sonstigen Gemeindeleben keinen Platz haben sollte.
Auch eine "Mixtur" von KM und PM - gut bedacht und gut gemacht - wäre hie und da möglich.
Harzlich
Orgelditi
Didi, du bringst es auf den Punkt, was auch mich dazu bewegt und beschäftigt!
Ok, dann singt ihr auch
zB.
"O Haupt voll Blut und Wunden"
"Vom Himmel hoch" oder in Österreich das Tantum Ergo auf die Kaiserhymne nicht mehr?
Alles viel zu viele weltliche Einflüsse....
Sorry, Diti, aber ich kann diese Sch...mit dem Niedergang nicht mehr hören. Ich bin froh, dass ich neben meiner klassischen Ausbildung auch populärmusikalische Methoden gelernt habe und sie einsetzen kann.
Es muss Dir nicht gefallen, das stelle ich gar nicht in Abrede, aber dieses ständige rumnörgeln an Kollegen, die wahrscheinlich besser ausgebildet sind als die meisten Forianer hier, kann ich nicht mehr hören und schon gar nicht mehr ernst nehmen.
Und wenn das jetzt zu heftig war, kann Klaus mich gerne löschen.
#12 RE: Kirchenmusiker C-popular
Zitat von Sc1978 im Beitrag #10
Ich bin froh, dass ich neben meiner klassischen Ausbildung auch populärmusikalische Methoden gelernt habe und sie einsetzen kann.
was ich am system witten nicht verstehe, ist, dass es ein bachelor-studiengang ist. für mich würde es nur als master-studiengang sinn ergeben. im bachelor sollten grundlagen für "klassische" und "populärmusikalische" kirchenmusik gelehrt werden, im master kann man dann wahlweise vertiefende studien in verschiedenen richtungen anstellen.
dann entspräche es deiner aussage: neben der klassischen ausbildung werden auch pm methoden erworben.
Ich sprach nicht von Witten. Da kenne ich die Studienordnung nicht.
Die populären Stile hab ich "nebenbei" eigenständig erworben. Ohne Abschluss. Allerdings wurden damals in der C-Ausbildung an der Kirchenmusikschule auch im Unterricht zu Chorpraktischem Klavierspiel rudimentär Popstile behandelt.
Wenn ich meine Orgelstücke von Lefebure-Wely ernst nehme, dann sehe ich darin keine ernste Musik, sondern den damaligen "Opernkomponisten" auf der Kirchenorgel und freue mich über leichte und gehaltvolle Melodik.
Kirchenmusik war und ist immer von der weltlichen Musik inspiriert und soll m. E. auch dem Zeitgeschmack huldigen.
Die Abgrenzung ist für mich nicht E oder U, sondern die musikalische Qualität. Es muss für mein Empfinden ein Unterschied da sein zwischen der "wonnetrunkenen" heiligen Messe und dem Oktoberfest (sorry, nicht böse sein für das Wortspiel).
Beispiele sind immer angreifbar, aber ich mache einen Versuch:
Lieder zum Mitklatschen sehe ich nicht in der Kirche, obwohl gerade im Beispiel von der christlichen Seefahrt auch die Rede ist und manche NGL nicht weit davon sich tummeln:
https://youtu.be/YJrQiv-FHEg?si=VyUC6d4EreiqaLgE
Melodisch nachvollziehbar und der Kirchenorgel entsprechend ohne Staubschicht dieses hier als positiver Ansatz:
https://youtu.be/ApHPU1lXQAg?si=c5sODeU00_92HFKg
Es ist noch viel Platz für Neukompositionen von moderner gehaltvoller Kirchenorgelmusik 2026. Musik als Lockvogel wird die Kirche auf Dauer nicht füllen.
Michael
Takle ist gut. Aber auch nicht wirklich neu.
Klatschen, warum nicht, zum Beispiel bei Gospelmusik, aber dann bitte auf zwei und vier.
Nicht Musikantenstadlverseucht.
Ich mag ja viele der Lieder von Joachim Raabe aus dem Bistum Limburg
Das zum Beispiel aus dem "Jugolo" - Ein Segen sein - Junges Gotteslob, Dehm Verlag: Dieses Jahr unser "Mottolied bei der Erstkommuion": https://www.youtube.com/watch?v=gGIHIUZJ-Vc
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