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Warum sind Orgelnoten ursprünglich im Querformat?
#2 RE: Warum sind Orgelnoten ursprünglich im Querformat?
Ich glaube, dass ist vor allem breiten und flachen Notenpulten bei älteren oder pseudoalten Orgeln geschuldet.
Die Notenpulte an alten Spielschränken von Orgeln sind bauartbedingt oft sehr breit, aber nicht besonders hoch – direkt darüber befinden sich schließlich häufig schon die Registerzüge. Ein hohes Buch im Hochformat würde oben anstoßen oder die Sicht auf wichtige Bedienelemente versperren. Das Querformat nutzt die vorhandene Breite des Orgelpults dann eher optimal aus.
Bei einer meiner ehemaligen Gemeinden hatte ich eine kleine neobarocke Weyland-Orgel aus den 1960er oder 70er Jahren mit angebautem Spielschrak, da passte A4 im Hochformat nicht drauf.
Ich könnte mir auch folgendes vorstellen:
Die Orgelnoten im Querformat sind ja meist nicht "A4 quer" - sondern größer. Das erschwert auf haushaltsüblichen Geräten das erstellen von Kopien.
Klar - hätte man auch großformatigere Hochkant-Noten anfertigen können, aber je größer das Blatt, desto unsicherer der Stand auf der kurzen Kante... 
VG
Aeoline
Organisten leiden oft an einer schlimmen Krankheit: Augentinnitus - Man(n) sieht nur noch Pfeifen...
Viscount Unico 400 DE [V1.14.19] (56/III/P) : ab 11.2012
Johannus Opus 520 (45/II/P) : 10.1987-11.2012
Siel HB 700 (9/II/P) : 1977-09.1987)
Für die queren Noten:
https://www.amazon.de/dp/B096ZSB44G?ref=..._fed_asin_title
Michael
#7 RE: Warum sind Orgelnoten ursprünglich im Querformat?
Ich finde Hochkant-Noten bei der Orgel auch furchtbar. Ist vermutlich zu 50% Gewohnheit, aber es hat auch diverse praktische Aspekte. Z.B. habe ich bei Hochkant-Formaten häufiger einen Konflikt mit der Notenpultbeleuchtung (bleibe daran hängen). Auch steht ein Querformat viel stabiler auf dem Pult, dh. das Problem des "selbstständigen / ungewollten Seitenblätterns" kenn ich nur vom Hochformat.
Der Meister aller Meister machte von eigener Hand auch normale Hochkant-Ausgaben, soweit ich das sehe. Schaut mal, die Leipziger Ausgabe der Achtzehn Choräle (BWV 651ff) von Bach ist hochkant:
https://www.bach-digital.de/receive/Bach...source_00001203
Das Original des Orgelbüchleins hingegen ist im Querformat:
https://www.bach-digital.de/receive/Bach...source_00001229
Irgendwann muss jemand gesagt haben: Klavier drucke ich hochkant, Orgel im Querformat.
Dann möchte ich doch eine Lanze für das Hochformat brechen. Nur so bekomme ich vier Blatt DIN A4 nebeneinander auf das Notenpult. Bei einigen Orgeln ist dieses aber so hoch, dass Querformat wirklich angenehmer ist, gebe ich zu. Könnte somit auch ein Grund für die Vorliebe zum Querformat bei der Orgelliteratur sein?! 🤔
#10 RE: Warum sind Orgelnoten ursprünglich im Querformat?
Wenn die Blattgröße die gleiche ist, könnte es sein, dass man im Querformat etwas mehr Platz für Noten hat? Weil man nicht so viele Systeme untereinander hat (also auch weniger Weißraum dazwischen braucht) und die Schlüssel und Vorzeichen links nicht so oft setzen muss.
@geris hat aber mit den vier Blatt A4 auch Recht. Und es gibt ja auch Ausgaben, wo trotz Querformat der Platz verschwendet und sinnvolle Umblätterstellen ignoriert werden..
Also ich komme ja von anderen Instrumenten her. Gelegentlich habe ich mit Musescore Noten selber geschrieben und bin bisher beim Hochformat geblieben. Jetzt spiele ich Orgel. Macht es Sinn, auf Querformat zu wechseln, weil z.B. Musescore die Noten vergleichsweise enger und besser setzen kann, so dass mehr drauf geht und ich mit weniger blättern zurecht kommen kann?
#12 RE: Warum sind Orgelnoten ursprünglich im Querformat?
Ich würde schauen, was besser ist. Beide Formate haben vor und Nachteile.
Nimm das, womit du dich wohler fühlst. Es gibt keine offiziellen Regeln dafür.
Praktisch würde ich das vom Einsatz abhängig machen.
Eine Chorpartitur im Querformat zum Beispiel halte ich für kontraproduktiv, weil man es schlechter halten kann.
Du könntest verschiedene Papierformate testen. Quart vielleicht nicht, das ist zu klein für Orgel. Aber das kann man bei vielen Notensatzprogramnen einstellen. A4 ist eigentlich erst mit dem digitalen print on demand aufgekommen, weil es eine Standardgröße ist.
Mit Kopieren haben die größeren Formate allerdings auch nichts zu tun, die gab es schon, bevor es Kopiergeräte gab.
Das Querformat ist das "traditionelle" Orgelnotenformat, weil - wie schon manche gemutmaßt haben - die Notenpulte an früheren Orgeln oft nicht hoch genug für A4 sind. Beispiele für Hoch- und Querformat gibt es aus den verschiedensten Jahrhunderten, wobei das Hochformat (gerade bei kleineren Verlagen) produktionstechnisch heute einfacher umzusetzen ist. Darum wird der Trend - von Ausnahmen z.B. bei qualitativ hochwertigen Ausgaben abgesehen - weiter dorthin gehen.
Interessant ist, dass der Notensetzer Herbert Chlapik in seinem Buch das Querformat Mitte der 1980er-Jahre ablehnt, während Elaine Gould in "Behind Bars" / "Hals über Kopf" 2011/14 dafür plädiert:
"Orgelwerke notiert man am besten im Querformat, denn oft ist der Notenhalter aus Platzgründen vom Spieler aus gesehen sehr hoch angebracht. Bei hochformatigen Noten wird es dadurch mitunter schwierig, die obersten Zeilen zu lesen. Im Querformat stehen weniger Systeme auf jeder Seite und das Auge muss seltener springen."
#14 RE: Warum sind Orgelnoten ursprünglich im Querformat?
Hallo,
bei allen Orgeln, die ich in den letzten 20 Jahren gespielt habe*, passten Noten im A4-Hochformat auf das Pult. Da 3 Blätter im A4-Hochformat 63 cm Breite (21 cm x 3) einnehmen und 2 Blätter im Querformat 59,4 cm (2 x 29,7 cm), ist für mich Querformat einfach effektiver, es spart Umblättern. Immer wieder wandele ich mir Noten im Querformat daher in Hochformat um, wenn es einfach geht, also wenn sie in einem bearbeitbaren Format oder als saubere pdf-Datei vorliegen.
Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
* = Das waren zahlreiche Orgeln ab Baujahr um 1700.
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