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Lechts und rinks - Pedalmanualkonfusion
Ich kann Melodien wunderbar innerlich (vor-)hören. Bei Harmonien wirds schwierig. Das ging bis vor kurzem noch gar nicht, ich merke jetzt bei Chormusik eine Verbesserung. Wirklich differenziert hören tu ich das aber noch immer nicht.
#17 RE: Lechts und rinks - Pedalmanualkonfusion
Zitat von Soli Deo gloria im Beitrag #17
Danke für diesen erhellenden Einblick, @live3TA
Gerade vor dem Hintergrund deiner eindrucksvollen und vielseitigen Musikerbiographie bekommt deine Schilderung besonderes Gewicht.
Ich wusste nicht, dass das eine "Krankheit" ist. Ich denke, dass viele das Notenbild nicht mit Tönen oder Klängen assoziieren. Bei Anfängern ist das normal, bei einigen Schülern war das auch so, obwohl sie schon einige Jahre Instrumentalunterricht hatten. Von dem Phänomen gibt es auch Graubereiche: Man sieht die Note, hört den Ton so ungefähr, aber nicht genau und singt dann im Chor so in etwa den Ton...
#19 RE: Lechts und rinks - Pedalmanualkonfusion
Zitat von Soli Deo gloria im Beitrag #17
Danke für diesen erhellenden Einblick, @live3TA
Gerade vor dem Hintergrund deiner eindrucksvollen und vielseitigen Musikerbiographie bekommt deine Schilderung besonderes Gewicht.
Absolut, das ist eine beeindruckende Geschichte. Respekt vor dieser Leistung!
Ich schlage mich ja eher mit dem umgekehrten Phänomen herum, denn ich höre ständig irgendetwas. Deshalb schalte ich auch daheim kaum noch Musik an, weil mein "innerer MP3-Player" ohnehin genug Programm abliefert ;-)
Davon abgesehen wird man im fortschreitenden Alter offensichtlich ruhebedürftiger. Diese omnipräsente und teilweise aufdringliche Beschallung in der Öffentlichkeit geht mir zunehmend auf den Keks, insbesondere in Restaurants/Bars ist das m.E. eine echte Unsitte.
#20 RE: Lechts und rinks - Pedalmanualkonfusion
Zitat von SJL im Beitrag #19
Davon abgesehen wird man im fortschreitenden Alter offensichtlich ruhebedürftiger. Diese omnipräsente und teilweise aufdringliche Beschallung in der Öffentlichkeit geht mir zunehmend auf den Keks, insbesondere in Restaurants/Bars ist das m.E. eine echte Unsitte.
Restaurant oder Fitnessstudio ohne Hintergrundmusik "geht" gar nicht für mich. Das Gekaue, Geschmatze, Gegrunze und Gestöhne ohne etwas akustische Überdeckung machen mich geradezu aggressiv ;-)
(Zu) Laute Musik in Bars ist dagegen nervig, und da steht dann meist recht schnell ein Wechsel der Location an.
#21 RE: Lechts und rinks - Pedalmanualkonfusion
Zitat von Bernie im Beitrag #12Zitat von Katja im Beitrag #11
Ich bin in den ersten Wochen manchmal mitten im Akkord "eingefroren", also einfach alles liegenlassen, bis das Hirn den Knoten löst. Für mich war ganz schwierig, dass plötzlich die linke Hand nicht räumlich ganz links ist, sondern der Bass in den Füßen manchmal räumlich gefühlt in die rechte Hand hineinreicht.
Ich glaube, das Einfrieren ist wichtig. Man sollte das akzeptieren und dem Hirn Zeit lassen, sich zu orientieren. Mobilisiert man zu viel Willen, um flott wieder rauszukommen, verspannt man sich, was nicht gut ist.
Bewusstes Einfrieren in regelmäßigen Abständen ist eins meiner wichtigsten Übevehikel für schwierige Stellen, insbesondere Akkordketten und Läufe.
#22 RE: Lechts und rinks - Pedalmanualkonfusion
Zitat von 2nd_astronaut im Beitrag #20Zitat von SJL im Beitrag #19
Davon abgesehen wird man im fortschreitenden Alter offensichtlich ruhebedürftiger. Diese omnipräsente und teilweise aufdringliche Beschallung in der Öffentlichkeit geht mir zunehmend auf den Keks, insbesondere in Restaurants/Bars ist das m.E. eine echte Unsitte.
Restaurant oder Fitnessstudio ohne Hintergrundmusik "geht" gar nicht für mich. Das Gekaue, Geschmatze, Gegrunze und Gestöhne ohne etwas akustische Überdeckung machen mich geradezu aggressiv ;-)
(Zu) Laute Musik in Bars ist dagegen nervig, und da steht dann meist recht schnell ein Wechsel der Location an.
Ja, genauso meinte ich das auch. Ein sanftes Gedudel im Hintergrund ist natürlich OK. Aber wenn man sich am Tisch anschreien muss und nur noch seinen direkten Nachbarn halbwegs verstehen kann, dann läuft was schief. Ich muss allerdings auch gestehen, dass ich mittlerweile immer weniger in der Lage bin, in lauten Räumen einzelne Gespräche sinnvoll zu filtern. Irgendwie löst mein Ohr die Lärmkulisse nicht mehr vernünftig auf und es kostet mitunter viel Energie, am Gespräch teilzunehmen. Letztens hatte ich das Worst-case-Szenario: ein schallendes Kellergewölbe, viele laute Menschen, und im Hintergrund war ein DJ und verwechselte die Location mit einem Techno-Club. Da versuchte ich, früh nach Hause zu kommen ;-)
Mir geht es ganz ähnlich wie SJL.
Das Fokussieren innerhalb einer Lärmkulisse fällt mir schwer und gelingt manchesmal auch gar nicht mehr. Ich habe deswegen schon Kaufhäuser vor vollbrachtem Einkauf wieder verlassen.
Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es eine Altererscheinung ist; ich mochte Lärm (d.i. unerwünschter Schall) schon in jungen Jahren nicht.
#24 RE: Lechts und rinks - Pedalmanualkonfusion
Ich denke, dass sich die Empfindlichkeit auch verstärkt, wenn einen Sachen nerven. Lärm mag ich (zumal als Katzenfreund) auch nicht, und Zigarettenqualm merke ich aus immer größerer Entfernung -- früher habe ich mir weniger daraus gemacht, aber spätestens seit ich 30 war, bringt es mich verlässlich auf die Palme. Älter werden gibt einem vielleicht einfach die Zeit, empfindlicher zu werden; die Frage ist dann, wann und auf welchem Level man einsteigt (=
#25 RE: Lechts und rinks - Pedalmanualkonfusion
Ich empfinde tatsächlich eine gewisse Abnutzungserscheinung der Toleranzschwellen mit dem Älterwerden. Früher hat mir vieles von dem, was mich heute sehr nervt, nichts bis wenig ausgemacht. Beispiele: Autofahren bei Dunkelheit und Regen (in meiner Sturm- und Drangzeit war mir das völlig wumpe, und heute finde ich es ganz ätzend). Eine hohe Dichte an Menschen ist auch nicht schön (außer vielleicht in Japan, wo alle sehr diszipliniert sind). Oder generell, diese stetig zunehmende Rücksichtslosigkeit und Ichbezogenheit im Alltag bringt mich zunehmend auf die Palme. Generell, Alltagshektik. Vielleicht sollte ich auf eine Nordseeinsel umziehen ;-)
Hallo,
Zitat von Gemshorn im Beitrag #23
Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es eine Altererscheinung ist
leider ist das gut möglich: Ab dem Alter von 45/50 Jahren kommt es bei vielen Menschen regelmäßig zu Einschränkungen der Sinnesleistungen und auch der (Fein- und Grob-)Motorik. Ganz offensichtlich ist das bei den Augen (Lesebrillen, Gleitsichtbrillen!) und eben auch beim Gehör (der oben beschriebene Cocktailpartyeffekt, hohe Frequenzen werden nicht mehr gehört).
Wer Orgel spielt, macht aber auch vieles richtig: Die Anforderungen an Motorik und Koordination, die kognitiven Anforderungen beim Lesen mehrerer Stimmen in bis zu 3 Notenzeilen und deren Umsetzung in Motorik von Handen und Füßen stellt ein enormes kognitives Training dar und wirkt den Folgen von Abauprozessen deulich entgegen. Man könnte knallig formulieren: "Orgeln gegen Demenz".
Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
Zitat von SJL im Beitrag #19
[quote=Soli Deo gloria|p85348]Ich schlage mich ja eher mit dem umgekehrten Phänomen herum, denn ich höre ständig irgendetwas. Deshalb schalte ich auch daheim kaum noch Musik an, weil mein "innerer MP3-Player" ohnehin genug Programm abliefert ;-)
Your experience and when people say they've got an ear worm--I never understood what they meant, but now I know why.
Sorry for hijacking the original topic...=)
#28 RE: Lechts und rinks - Pedalmanualkonfusion
Ein kleiner Gegenakzent zur vertrauten Verlusterzählung vom Altern: 😉
Klar, manches lässt nach: Nachtsicht bei Regen, Hören im Stimmengewirr, die schnelle Reaktion.
Aber Altern ist nicht nur Abbau und Defizitkonto – hoffe ich wenigstens. 😃 Anderes bleibt lange erhalten oder entwickelt sich durch Erfahrung weiter: Wissen, Muster erkennen, einordnen, bewerten.
Und man lernt offenbar genauer auszuwählen, wofür man Aufmerksamkeit und Energie überhaupt noch verbraten will.
Vielleicht sehe ich nachts bei Nieselregen schlechter als mit 25. Dafür merke ich früher, was sich da vorne zusammenbraut. Wahrscheinlich ist das Gehör ganz oben nicht mehr frisch. Dafür höre ich Musik differenzierter, weil Jahrzehnte an Erfahrung mithören.
Die geringere Lust auf Menschenmengen und Hektik muss nicht nur eine durchgescheuerte Toleranzschwelle sein. Ein Teil davon ist Auswahl. Man weiß einfach genauer, was einem etwas gibt und was nur Lärm ist.
Und: Die Zahl der noch wahrnehmbaren Hertz ist beileibe Gott sei Dank nicht dasselbe wie die Qualität des Hörens. 😃
#29 RE: Lechts und rinks - Pedalmanualkonfusion
@Soli Deo gloria, da hast du natürlich völlig recht! Die Darstellung sollte eigentlich gar nicht so einseitig werden. Denn, um zum ursprünglichen Thema zurückzukehren, für eine intuitive Koordination von Händen und Füßen und das Erkennen von Mustern und Strukturen in der Musik helfen die Jahre an Erfahrung fast zwangsläufig, wenn man regelmäßig spielt. Daher: immer dranbleiben!
Hallo,
Zitat von Soli Deo gloria im Beitrag #28
Aber Altern ist nicht nur Abbau und Defizitkonto – hoffe ich wenigstens. 😃 Anderes bleibt lange erhalten oder entwickelt sich durch Erfahrung weiter: Wissen, Muster erkennen, einordnen, bewerten.
Und man lernt offenbar genauer auszuwählen, wofür man Aufmerksamkeit und Energie überhaupt noch verbraten will.
[...]
Und: Die Zahl der noch wahrnehmbaren Hertz ist beileibe Gott sei Dank nicht dasselbe wie die Qualität des Hörens. 😃
natürlich erfahren wir im Alter nicht nur Abbau und Verlust wie oben beschrieben. Ich habe ja schon öfter auf eine ehemalige Achitektin hingeweisen, die in der Rente anfing, Orgel zu spielen, die D-Prüfung absolvierte und regelmäßig Orgeldienste in einer Kleinstadt übernahm. Das musste sie sich allerdings hart erarbeiten, mit mehr Übeaufwand als eine Person mit 15, 20 Jahren. Ich kenne auch eine ehemalige Kantorin, die in Rente anfing, Cello zu lernen und inzwischen ihre Musikalität auf sehr, sehr beachtliche Art in ein Streichquartett einbringt. Auch der Dirigent Günter Wand könnte als Beispiel dienen, der sich im Rentneralter zum großen Brucknerinterpreten entwicklte. Aber besondere Virtuosität wird man im Alter über 60, 65 Jahren eben nicht mehr erreichen, der Schwerpunkt sollte bei technisch schwierigen Stücken eher auf Sicherung des Repertoires liegen. Aber die musikalische Gestaltung kann durchaus an Qualität gewinnen.
Der Entwicklungspsychologe und Alternsforscher Paul Baltes vom MPI Berlin, der leider schon 2006 verstorben ist, hat viel zu den Möglichkeiten geforscht, sich im Alter (geistig) aktiv und fit zu halten. Er hat auch den Begriff der "(Alters-)Weisheit" eingeführt, der damit ein Expertentum in der fundamentalen Pragmatik des Lebens im SInne von Wissen und Urteilsfähigkeit rund um Lebensplanung, Lebensgestaltung und Lebensdeutung bezeichnete.
Damit gibt es allerdings auch wieder ein Problem: Wenn man jüngeren Personen Ratschläge gibt, die auf eigenen Erfahrungen (aus früherer Zeit) beruhen, kann es bei einer sich schnell verändernden Welt natürlich passieren, dass diese Urteile und Empfehlungen unpassend sind. Aber was Musik machen und Üben bzw. Orgelspielen im engeren Sinne angeht, ist das vielleicht nicht so relevant.
Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
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