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Liedanzeige digital oder analog?
In meiner Gemeinde haben wir immer noch eine gute alte Holztafel mit 8 Zeilen in 2 Spalten. Für die Liednummer sind selbstbedruckte (und laminierte) Papierkärtchen in Schwarz-auf-Weiß, für die Strophennummern in Rot-auf-Weiß vorhanden.
Acht Zeilen, das ist in heutiger Zeit knapp bemessen, andererseits kenne ich Personen, die sich von einem zu reich bestückten Liedanzeiger eher abgestoßen fühlen. In anderen Kirchen gibt es die elektrischen Liedanzeiger mit allen Vor- und Nachteilen.
Wie ist es in euren Gemeinden? Welchem System gilt eure persönliche Präferenz?
Bei uns (kath) gibt es seit Jahrzehnten nur noch elektronische Liedanzeiger in ganz verschiedenen Versionen. Mit Projektor, Anzeigetafel und LED Anzeige.
Hat den Vorteil, dass man spontan etwas ändern kann, wenn z.b. in der Predigt ein Thema angesprochen wird, zu dem es ein passendes Lied gibt.
Die Holztafeln gibt es hier nur in den ev. Kirchen.
#4 RE: Liedanzeige digital oder analog?
In meiner Kirche gibt es auch die Stecktafeln, ebenfalls zwei Spalten mit je 4 Plätzen, mit gekauften Kunststoffplättchen für die Zahlen. Nur schwarz, Strophen werden nicht angezeigt, sondern vom Kantor (falls nicht vorhanden, dann Priester) angesagt. Rot sind bei uns die Buchstaben, die angeben, welche Art von Gesang es jeweils ist (K für Kyrie, Gl für Gloria usw.).
In den 5 Kirchen, wo ich Vertretungen spiele, nützen 3 ebenfalls eine Stecktafel (alle nur Liedzahl, keine Buchstaben und keine Strophenzahlen), zwei einen elektronischen Liedanzeiger. Als ich zum ersten Mal dort spielte, war ich damit heillos überfordert. Sie haben ein eher altes Modell, glaub ich, es war für mich jedenfalls nicht intuitiv bedienbar (hab nicht gecheckt, wie ich in die zweite Zeile komm bzw. hab ich ewig herumprobiert, um das hinzukriegen).
Die andere Kirche mit elektr. Liedanzeige hat ein sehr intuitives Modell, das ich auf Anhieb gut bedienen konnte.
Aber bei beiden habe ich das Problem, dass ich neben dem Orgelspiel an noch was denken muss. Ich hab fast jedesmal an irgendeiner Stelle vergessen, das nächste Lied zu drücken... besonders gefährlich beim Gloria, weil es gleich nach dem Kyrie kommt, und dem Danklied, weil ich oft ohne Pause aus der Kommunionsimpro in das Danklied übergehe und dann auch aufs Klicken vergesse. Klar, man kann beide Nummern zugleich anzeigen, das tu ich mittlerweile auch, trotzdem mach ich bei der elektr. Anzeige immer noch "Fehler".
Ich bevorzuge ganz klar die analoge Anzeigetafel. Da bei uns keine Lieder mittendrin ausgetauscht werden, ist auch kein Problem, dass sie nicht flexibel ist. Wir haben einen Liedplan, der Kantoren, Priestern und Organisten früh bekannt ist. Wünscht ein Priester ein Lied, das zu seiner Predigt passt, sagt er das vor der Messe.
#5 RE: Liedanzeige digital oder analog?
Meine Erfahrungen sind ähnlich wie Katjas.
In meiner eigenen Gemeinde haben wir eine Holztafel mit 5 Zeilen. Pro Zeile passen entweder 2 Lieder mit Strophen rein. Dafür nutzen wir Holztäfelchen mit Ziffern, die der Strophen sind farblich invertiert um sie unterscheiden zu können (s/w vs. w/s). Dadurch dass die Zeilen nicht weiter unterteilt sind, ist man da relativ flexibel. Wenn ein eh schon dreistelliges Stück (wie die meisten) dann auch noch 4 nicht fortlaufende Strophen hat (es gibt so Leute bei uns ;-) ), dann kann man das gut abbilden, jedoch auf Kosten des theoretisch zweiten Platzes in der Zeile. Bei sehr bekannten Kyries und Hallelujah Rufen sparen wir uns den Platz fürs aufstecken. 5x2=10 kann sonst schon knapp werden, insbesondere an Feiertagen. Wenns garnicht anders geht, pappen wir unten noch einen Karton dran, auf dem die restlichen Nummern stehen. Das ist aber wirklich selten der Fall. Wir kommen in der Regeln mit den 10 Plätzen klar, durch unsere Eigenheiten, die wir hier so haben (z.B. selten Credo, das wird bei uns traditionell gebetet).
Ab und zu muss ich mal in einer Ortschaft aushelfen, die so einen Liedanzeiger hat. Ich komme da auch jedes Mal durcheinander, weil ich a) die Bedienung ebenfalls nicht intuitiv finde (wie macht man da überhaupt Strophen?) und ich b) im Eifer des Gefechts ebenfalls oft vergesse, dass ich noch was anzeigen muss (Warum singt denn keiner? WARUM SINGT DENN KEINER???!... Ah... mein Fehler... soooorrrry
) ...
Das mit der Flexibilität ist bei uns auch weniger wichtig. Entweder suchen die Zelebranten ihrer Lieder eh schon passend zu "ihrem" Gottesdienst aus, oder ich such es passend zum Tag aus. Die Zelebranten, die nicht selbst aussuchen, predigen bei uns auch so mies, dass darauf ein Lied abzuzielen eh vergebene Liebesmühe ist. Von daher ist mir unsere Holztafel eigentlich deutlich lieber als ein Anzeiger.
Interessant wäre das nur, wenn ich einen elektrischen Anzeiger im Sinne eines Fernsehers hätte, den ich zwar zwischen drin im Notfall nochmal editieren könnte, der aber trotzdem grundsätzlich immer das gesamte Programm anzeigt, so dass ich nicht in Hektik vor dem nächsten Stück gerate.
Das bringt mich gerade auf die Idee für ein Selbstbauprojekt:
Billiger, aber großer Flachbildfernseher als Anzeigetafel. In der Sakristei ein Mini-PC und ein WLAN Router. An den Fernseher, sofern er nicht direkt Webseiten anzeigen, kann noch einen Raspberry PI oder sowas um die Webseite mit der Liedtafel aufzurufen. Auf dem Mini-PC läuft der Webserver, der diese Webseite zur Verfügung stellt, inkl. geschütztem Admin-Bereich in dem man den Liedplan editieren kann. Das könnte man dann mit jedem Handy oder Tablet einfach tun. Keine weitere Spezialhardware notwendig.
Eine entsprechende Anwendung sollte sich in kürzester Zeit mit Hilfe von KI programmieren lassen.
Einziges Problem das ich dabei sehe: wenn mal ein fremder Organist kommt, kennt der sich nicht aus, wenn weder ich noch die Mesner da sind, die ich da noch schulen würde.
#7 RE: Liedanzeige digital oder analog?
Hallo,
wie Katja oder Joni bevorzug ich eindeutig die Stecktafel, die bei uns 8 Zeilen hat und so breit ist, dass auch in der Osternacht mit etwas Überlegung alles irgendwie drauf passt. Im "normalen" Sonntagsgottesdienst sind es meist 10/11 Liednummern, ggf. zuzüglich Strophenangaben. Die Liedpläne werden lange vorher von mir verschickt (gestern habe ich die Pläne für den Rest des Kirchenjahres versendet), evtl. Änderungen und Wünsche können die Liturgen mit mir vor dem Gottesdienst in der Sakristei absprechen oder besser, und da halten sie sich in der Regel dran, vorher per E-Mail abklären.
Wenn nur die Liednummer angegeben ist, singt unsere Gemeinde die Strophen der Reihe nach, solange der*die Organist*in spielt. Sind aus irgendwelchen Gründen Strophennummern angeben, werden die gesungen, anschließend werden automatisch die nächsten Strophen angestimmt. Bei der Angabe "xyz 1+3" singt die Gemeinde also die Strophen 1, 3, 4, 5 usw. Sehr selten kann das auch etwas wild sein: 908 1 2 4 8 10 (in der Gemeinde relevante Heilige des EB Hamburg). Spontane Änderungen werden angesagt (kommt kaum vor, fast nur, wenn falsche Nummern aufgesteckt wurden). Wenn ich versehentlich mehr Strophen spiele als im GL stehen, hört die Gemeinde allerdings zu singen auf und fängt nicht wieder mit der ersten Strophe an. ;-)
Die Flexibilität einer elektronischen/digitalen Version wird bei uns oder von mir also nicht benötigt.
Ich selbst kannte als Gottesdienstbesucher in meiner Kindheit und Jugend eigentlich nur die elektronischen Liedanzeiger und war echt begeistert, als ich das erste Mal eine Stecktafel sah. Wenn man ein paar Minuten früher in die Kirche kommt, kann man schon einmal durchsehen, welche Lieder kommen und Bändchen oder Zettelchen einlegen und muss dann nicht hektisch blättern. Finde ich bis heute als Gottesdienstbesucher viel besser...
Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
Zitat von pvh im Beitrag #8
Ich selbst kannte als Gottesdienstbesucher in meiner Kindheit und Jugend eigentlich nur die elektronischen Liedanzeiger und war echt begeistert, als ich das erste Mal eine Stecktafel sah. Wenn man ein paar Minuten früher in die Kirche kommt, kann man schon einmal durchsehen, welche Lieder kommen und Bändchen oder Zettelchen einlegen und muss dann nicht hektisch blättern. Finde ich bis heute als Gottesdienstbesucher viel besser...
Ich stelle auch immer wieder fest, dass gerade die älteren gerne in Ruhe schon vorher die Lieder raussuchen und mit Bändchen und Zettelchen (die oftmals im Gebetbuch aufbewahrte Sterbebildchen sind) markieren. Das würde ich diesen nicht nehmen wollen. Deshalb nur elektronisch für mich, wenn der Liedplan in Gänze angezeigt werden kann.
Ich habe in meiner Pfarrei 8 Kirchen, davon werden alle am WE bespielt (nicht alle von mir, aber 4 Kirchen regelmäßig).
Die Fahrzeit zwischen den Orten ist bis zu 20 min. Wenn der Zelebrant oder Diakon länger predigen, kann das schon mal knapp werden. Küster gibt es fast nur noch ehrenamtlich.
Wenn ich dann jedesmal eine Stecktafel einrichten oder kontrollieren soll, finge keine Messe pünktlich an. Da ist der elektronische Anzeiger von Vorteil.
Danke für den wichtigen Punkt, wann die Gemeinde die Lieder suchen kann/muss. Da hab ich bei den Vertretungen mit elektr. Liedanzeige am Anfang auch etwas herumprobiert: wann schalte ich das nächste Lied. Da muss man etwas sensibel sein und die "Dramaturgie" der Liturgie beachten. Denn es war sehr spürbar: sobald die nächste Zahl sichtbar war, entstand Unruhe. Das halte ich für sehr wichtig, darauf zu achten.
Hallo,
Zitat von Katja im Beitrag #11
Da hab ich bei den Vertretungen mit elektr. Liedanzeige am Anfang auch etwas herumprobiert: wann schalte ich das nächste Lied. Da muss man etwas sensibel sein und die "Dramaturgie" der Liturgie beachten. Denn es war sehr spürbar: sobald die nächste Zahl sichtbar war, entstand Unruhe. Das halte ich für sehr wichtig, darauf zu achten.
genau, ist besonders auch beim Sanktus schwierig. Bei vielen Liedanzeigern kann man Liednummer und Strophen eingeben und die Strophen stehen dann in einer 2. Zeile. Ich zeige dann beispielsweise das Kyrie als Liednummer an und gebe die Nummer des Glorias als Strophennummern ein. Dann steht da also beispielsweise:
164
1 7 0
Die Sanktusnummer zeige ich dann etwa schon beim Lied zur Gabenbereitung an:
187
1 9 6
Und dann direkt zum Sanktus nochmal.
Funktioniert eigentlich gut, nur schalten sich manche Liedanzeiger nach einer bestimmten Zeit ab und die Programmierung dafür findet sich meist nicht so schnell, selbst wenn ein Heft oder Blatt mit Anleitung neben dem Gerät liegt.
Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
Elektronische Geräte, die eine einzige Liednummer anzeigen, stören immer. Es gibt m. E. nur zwei Möglichkeiten:
1. Eine Stecktafel (auf der auch Strophen etc. angegeben werden können).
2. Ein elektronischer Anzeiger, der den kompletten Nummern-Set eines Gottesdienstes darstellt. Die österreichische Firma Fritzel (http://www.it-fritzel.at/) bietet so etwas an. In der Pfarre Salzburg-Parsch, in der ich Dienst tue, gibt es dieses Gerät schon seit Jahren.
Was das Bedienen der Stecktafel betrifft: Warum muss das der/die Organist/in machen? Idealerweise liegt der Liedplan bereits in der Sakristei auf; der/die Mesner/in oder ein/e Ministrant/in stecken die Nummern auf. (Vom Augustinerkloster Erfurt berichtete mir vor Jahren jemand, dass Kinder die Tafeln bestücken dürfen. Und da gibt es wegen des verwinkelten Raums mehrere.)
Da ich in drei Konfessionen zu Hause bin, habe ich mich in alles "eingearbeitet". Keine Angst, in die verschiedenen Gebräuche kommen alle problemlos rein (wenn man weiß, wies geht).
I. An der fertigen Liedtafel kontrolliere ich vor dem Gottesdienst die Richtigkeit der aufgesteckten Lieder. Fehlerhaft angezeigt sind manchmal die EG+ Lieder oder ein Lied muss nachträglich eingefügt werden (das gibt u.U. einige Umsteckerei). Oder die Lieder sind der "Aufsteckerei" noch nicht rechtzeitig bekannt
II. In den katholischen Kirchen gibt es ausnahmslos bei uns die elektronischen Anzeiger, wie z.B.
https://www.signumliedanzeigen.de/uber-uns/
Im Idealfall füge ich in die Liste von Lied 1 bis Lied 16 die einzelnen Stücke im Voraus ein und drücke dann nur noch auf "weiter". Wenn es einen schnellen Wechsel gibt, z.B. bei nur nur einer Lesung vom Lied zum Halleluja, ist es gut, wenn der Liedzeiger mit der linken Hand bedient wird. Die rechte Hand dudelt noch, die linke zack/zack/zak/ und schon geht es weiter.
Anfangs gewöhnungsbedürftig sind die verschiedenen Fabrikate. a) Bei einem ist nur die Eingabe einer Strophenzahl möglich. Dann muss man nach Strophe 1 spielenderweise z.B. auf die 4 drücken und es wird XXX, 4 angezeigt. b) Das Lied 49 muss man bei einem anderen mit 0 im Voraus eintippen, sonst gibt es 490
c) Natürlich kann und muss man die Zeit so einstellen, dass die Anzeige automatisch nicht zu früh oder zu spät ausgeht. Vor dem Sanctus dauert es durchaus mal länger bis die Engel singen, dann drückt man ein, zwei, dreimal, dass die Kiste anbleibt.
Da bei uns alles ausnahmslos jahrzehntealte "Transistorenkübel" sind, die vor dem Gottesdienst vollen Akku haben sollten und nicht nur da gelegentlich schwächeln, ist die einzige begründete Angst, die vor einem Totalausfall.
III. Irgendwann wird man mit dem Handy und einem Beamer zurechtkommen oder andere Ideen bevorzugen.
Fazit: Wer nun meint, die Liedtafeln seien bequemer und einfacher, dem sei gesagt, dass an der Tafel durchaus die Lieder noch hängen können aus "uralter Zeit" und der Organist hats nicht gemerkt. Was singen diiie denn?
Ich mag die Liedanzeiger lieber, da ich damit anzeigen kann, wenn es weitergeht und was gesungen wird und jeder weiß ohne Ansage Bescheid, welche Nummer dran ist. Im Gegensatz zum Liedanzeiger kündigt die Geistlichkeit bei der Liedtafel, die zu singenden Lieder an (oder auch nicht). Was ist, wenn diese Ansage nicht mit der Liedtafel harmonisiert? Hee, Sie da,,,
Michael
#15 RE: Liedanzeige digital oder analog?
Hallo,
hier im Nordosten kenne ich auch auf katholischer Seite keine elektronischen Anzeiger, nur Stecktafeln. Diese werden vom den (ehrenamtlichen) Küster*innen vor dem Gottesdienst gesteckt (falls der Liedplan Alternativen enthält, wird halt gewartet, bis Liturg und/oder Organist*in da sind). Nach dem Gottesdienst wird die Tafel abgehängt und alle Nummerntäfelchen werden aufgeräumt. Die Lieder werden nicht angesagt bzw. es gibt nur ab und zu so allgemeine Start-Kommandos wie "Lasst uns im Lied nun unseren Glauben bekennen". Die Gemeinde weiß ansonsten ziemlich genau, wann gesungen wird. Der Katholische Gottesdienst ist ja recht standardisiert. Für evangelische Organist*innen habe ich einen Zettel mit Stichwörtern erarbeitet, wann welcher Gesang beginnt. Das funktioniert ab dem 2.Mal ohne Probleme.
Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
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