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Wo standen die Mikrofone?
#1 Wo standen die Mikrofone?
Liebe Mitlesende,
fast alle größeren Samplesets werben heute mit mehreren Perspektiven; auch bei samplingbasierten Sakralorgeln begegnen einem zunehmend verschiedene „Listening Positions".
Was ich beim Kauf aber oft nicht erfahre: Was steckt technisch und räumlich eigentlich dahinter?
Bei Samplesets z.B.: In welchen ungefähren Abständen vom Prospekt wurde aufgenommen, an wie vielen wirklich verschiedenen Stellen im Raum – oder standen mehrere Mikrofone bzw. Mikrofonanordnungen weitgehend am selben Standort?
Das ist kein akademischer Unterschied. 4 Perspektiven von 4 tatsächlich verschiedenen Positionen im Raum enthalten anderes räumliches Material als 4 unterschiedlich aufgenommene Signale von weitgehend demselben Standort.
Es ist ein bisschen wie der Unterschied zwischen 4 Fotos, die man an verschiedenen Stellen in der Kirche gemacht hat, und 4 Fotos mit unterschiedlichen Objektiven vom selben Standort aus. Beides zeigt „Perspektiven" – aber das räumliche Material ist deutlich anders.
Klar, eine allgemeingültige richtige Lösung gibt's nicht. In einer riesigen Kirche muss man anders aufnehmen als in einem kleinen Raum. Ganz nah am Prospekt kann der Gesamtklang problematisch werden, weit entfernt können Ansprache und Direktheit verloren gehen. Gerade deshalb fänd ich's interessant zu wissen, nach welchem räumlichen Konzept entschieden wurde.
Bei manchen Samplesets bzw. Orgelherstellern gibt's erfreulicherweise Angaben oder sogar Aufnahmeschemata. Bei vielen anderen bleiben „Direct", „Diffuse", „Distant", „Rear" oder die beworbenen Hörpositionen ziemlich abstrakt.
Gerade bei Samplesets für mehrere hundert Euro wäre eine einfache Skizze mit den ungefähren Mikrofonpositionen echt hilfreich – weil man die Perspektiven später mischt, unterschiedlich gewichtet, getrennt wiedergibt oder zwischen ihnen wählt.
Denn Aufnahme, Umgang mit den Raumanteilen und Mehrkanal-Abstrahlung bestimmen gemeinsam ganz erheblich, ob der Klang räumlich frei steht oder ob Direktschall und Raum eher miteinander „verklebt" wirken.
Die Unterschiede zwischen den Konzepten hört man in Showrooms teilweise erstaunlich deutlich.
Hat jemand bei Samplesets konkrete Angaben verschiedener Hersteller gefunden oder einmal direkt nachgefragt?
Und weiß jemand bei samplingbasierten Sakralorgeln Genaueres darüber, wie die jeweiligen Hersteller ihre Hörpositionen sowie Aufnahme- und Rauminformationen technisch realisieren?
#2 RE: Wo standen die Mikrofone?
Interessante Fragestellung.
Dazu ein Gedankengang:
Gesetzt den Fall, dir kommt der Klang eines Samplesets "verklebt" vor, wie du schriebst:
Inwiefern könnte dir eine Stellskizze mit den Mikrofonstandorten helfen?
Muss nicht die "Abmischung" dennoch "nach Gehör" erfolgen?
Was ändert sich deiner Meinung nach durch das Vorhandensein einer Mikrofon"landkarte"?
Content Cambiare Suite III mit Sweelinq
#3 RE: Wo standen die Mikrofone?
Beides sehr interessante Fragen. Ich habe leider keine Antworten, bin aber gespannt, ob es welche gibt.
Tatsächlich sehr interessant!!! Danke!
Auf die Frage wo und in welchem Abstand zum Orgelprospekt die Mikros zur Aufnahme eines Samplesets standen hätte ich auch gerne eine Antwort zusätzlich auch mit Hinweis zur Richtcharakteristik der Mikros.
Auch die Angabe des Delays der Perspektiven zueinander wäre hilfreich ohne dass man dafür jeweils einige Tonproben der Samples im Wellenformat öffnen muss.
Die Impulse Response files enthalten z.B. Angaben wie Omni, ORTF, NOS, RearFacingCardoid etc. auch mit Abstandsangabe, warum also nicht auch bei den gesampelten Perspektiven.
Mit close, near, diffuse, front, rear ist die Zuordnung auf ein Lautsprecherpaar bis auf die letztere Angabe nicht immer klar.
Gerade Samples der Perspektiven im Nahbereich zeigen gelegentlich Schwächen bei Transparenz und Klarheit, die sich besonders in einem Höhenabfall im Diskant bemerkbar machen. Eine Demo des Samplesets zur Beurteilung der Transparenz reicht da oft nicht aus, da die interessanten Register mit den Obertönen wie Aliquoten in den Hörproben in der Regel nicht enthalten sind.
#5 RE: Wo standen die Mikrofone?
Die Frage nach den Mikrofonpositionen bei Samplesets – und nach dem Aufnahme- und Raumkonzept bei samplebasierten Sakralorgeln – erklärt, warum ich zuhause wie in Showrooms sehr wählerisch geworden bin.
Für meine Art der Wiedergabe brauche ich eine Perspektive mit genügend Direktheit und sehr klarer Pfeifenansprache; andere sollen zunehmend andere Laufzeiten, Reflexionen und charakteristische Diffusanteile des jeweiligen Raums enthalten. Interessant wird es für mich dann, wenn sich die Perspektiven nicht bloß wie verschiedene Hallmengen anhören, sondern den Raum tatsächlich deutlich unterschiedlich erleben lassen.
Für das, was ich suche, müssen Direktschall, Ansprache und räumliche Differenzierung zu einem gemeinsamen Wiedergabefeld zusammenfinden. Dabei darf die Klarheit nicht verloren gehen.
Deshalb interessiert mich die „Mikrofonlandkarte“: Sie sagt mir nicht, wie ich mischen bzw. abstrahlen soll. Sie kann mir aber andeutungsweise zeigen, welches räumliche Material überhaupt aufgenommen wurde.
Wie unterschiedlich erlebt ihr die einzelnen Perspektiven bei Samplesets?
Und – bei einem ganz anderen Konzept – die „Listening Positions“ mancher samplebasierter Sakralorgeln?
Eher als verschiedene räumliche Charaktere oder vor allem als mehr oder weniger Hall?
Die wichtigste Perspektive eines Samples ist ein klarer transparenter Direktschall mit gut hörbarer Pfeifenansprache bei dem sich die Diskantstimmen ohne Pegelabfall auch gegen Begleitstimmen der unteren Oktaven gut durchsetzen, eben wie an einer realen Pfeifenorgel.
Ein kleines Beispiel zum Testen ist der Anfang aus Präludium VI g-moll BWV 558 aus Bach‘s Acht kleinen Präludien und Fugen. Die Stimme der gebrochenen Akkorde über dem liegenden Akkord in der unteren Oktave sollte sich deutlich hörbar absetzen.
Genau diese Klarheit vermisse ich bei einigen Samples besonders von großen Orgeln. Im Vergleich dazu bleiben die gebrochenen Akkorde bei gleicher Registrierung mit den Samples der DO völlig klar und transparent hörbar auch mit maximalem Hall, ohne auf den liegenden Akkorden unterzugehen.
#7 RE: Wo standen die Mikrofone?
Danke für diesen Hinweis. Genau das habe ich tatsächlich vermisst bei der Content Celeste 236. Genau bei den 8 Präludien. Vor allem bei dem ersten Stück direkt am Anfang. Wenn der Ton im Pedal beginnt und dann die oberste Stimme, dann war mir die immer zu leise, zu zart.
Das ist jetzt bei der Gloria Concerto 350DLX Edition völlig anders. Für mein Empfinden genau richtig.
Für mich stellt sich dabei die Frage, ob das tatsächlich mit der Position des Mikrofons zu tun hat oder die Parameter "Bass" und "Höhen" und alles was dazwischen liegt falsch intoniert wurde. Ich nenne das jetzt mal Equalizer. Damit kann man meiner Meinung nach auch sehr viel erreichen in Verbindung mit der Lautstärke auf jedem einzelnen Ton in jedem einzelnen Register. Das ist enorm arbeitsintensiv, aber wenn das im Auslieferungszustand gut gemacht wurde.... Dann macht das schon Freude. Ohne viel eingreifen zu müssen.
Nur diesen Zeitaufwand, den muss man als Hersteller auch bereit sein zu bringen.
Musik ist die größte Erfindung der Menschheit: Sie wird von jedem Mensch verstanden unabhängig von Geschlecht, Sprache, Hautfarbe, Alter, etc..... Großartig!
#8 RE: Wo standen die Mikrofone?
Ob das mit dem Standplatz der Mikrofone zu tun hat, ich weiß es nicht.
Ich habe keine Ahnung, wie eine DO programmiert wird. Aber ich könnte mir vorstellen, dass der Standplatz der Mikrofone mit dem Hall zu tun hat....
Aber wie gesagt, ich weiß es nicht. Ich versuche nur mir vorzustellen, wo der "Standplatz" von Relevanz sein könnte.
#9 RE: Wo standen die Mikrofone?
Danke für die Rückmeldungen.
@Sygo s Beispiel zeigt schön noch einen anderen Effekt: Ein dichter, gehaltener Klang in der Tiefe kann bewegte Oberstimmen zudecken – die obere Bewegung kann dadurch weniger deutlich hervortreten. Wie stark das geschieht, hängt von Registrierung, Intonation und Klangbalance ab. @Content236 hat auf eine weitere Ebene hingewiesen: EQ, Einzelton-Intonation und Abstrahlung.
Mich beschäftigt daneben aber noch etwas anderes: Welche räumliche Information steckt überhaupt im Ausgangsmaterial?
Perspektiven enthalten für mich unterschiedliche Aspekte eines aufgenommenen Schallfeldes. Wo sie tatsächlich von verschiedenen Positionen stammen, bringen sie jeweils eigene Verhältnisse von Direktschall, Reflexionen, Laufzeiten und Diffusfeld mit.
Bei der Wiedergabe können diese Aspekte – in wählbarer Gewichtung – zu einem gemeinsamen Klangfeld zusammenwirken, besonders bei Mehrkanalabstrahlung und im Zusammenspiel mit dem eigenen Hörraum.
Deshalb ist „mehr Raum“ keineswegs dasselbe wie „mehr Hall“.
Interessant wird für mich erst, wenn daraus Staffelung, räumliche Tiefe und Richtung entstehen.
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