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Streit um das neue Evangelische Gesangbuch
#1 Streit um das neue Evangelische Gesangbuch
Hier scheint es ja rund zu gehen:
Nächste Eskalation im Gesangbuch-Streit
Für mich ist auch nach Lektüre des Artikels nicht klar, worum da im Einzelnen gestritten wird...
So ist das bei uns Evangelischen. Jeder berufene Bruder oder berufene Schwester im Glauben will mitreden. Über ein Thema, was in den Gemeinden niemanden so recht interessiert.
Ich spiele Neuerscheinungen gerne als Vor- oder Nachspiel, als Vorwarnung vor dem was da kommt ab Advent 2028. Die Reaktion hierauf ist durchaus positiv.
Von mir aus kann das neue EG gedruckt werden. 6 Jahre Findung sollte lang genug sein.
#3 RE: Streit um das neue Evangelische Gesangbuch
Zwar bin ich nicht evangelisch, aber heraufziehende neue Gesangbücher interessier(t)en mich stets.
Diese Bücher prägen das liturgische Leben der Gemeinden, mehr als jeder Pfarrer- oder Bischofswechsel. Zudem habe ich erlebt, wie schmerzlich es ist, gut etablierte Lieder in neuen Büchern nicht mehr vorzufinden. Dies betraf nicht erst das Gotteslob 2013, sondern bereits seinen Vorgänger, der von vielen älteren Gemeindemitgliedern als "Aderlass" empfunden worden war - mit dem Erfolg, dass die Zettelproduktion blühte und beinahe jede Gemeinde im Laufe der Zeit ihr eigenes Ergänzungsheft druckte.
Auf diesem Hintergrund beobachte ich auch die Entstehung des neuen Evangelischen Gesangbuchs - und wundere mich, welche Anforderungen von außen (es geht ja anscheinend um internationale Vereine) an das Buch herangetragen werden.
#4 RE: Streit um das neue Evangelische Gesangbuch
So ganz ist mir das auch nicht klar.
Eine meiner Gemeinden gehörte zu den ausgewählten, die den Erprobungsband testen durften. Jeder konnte sein Feedback dazu abgeben und die Gemeinde hat davon auch Gebrauch gemacht.
Natürlich handelt es sich nicht um das komplette Gesangbuch sondern nur um etwa ein Drittel, aber darin waren viele neue Lieder unterschiedlicher Herkunft und- neu - Psalmvertonungen, teilweise basierend auf der Bibel in gerechter Sprache enthalten.
Die alten Lieder waren eigentlich alle tiefer gesetzt, und hauptsächlich in B-Tonarten wegen der möglicherweise dazu spielenden Posaunenchöre. Interessanterweise waren davon auch 2-3 Lieder betroffen, die im aktuellen EG bereits in B-Dur standen und dann in A gelandet sind. (Ich weiß gerade nicht auswendig um welche Klassiker es sich handelte) . Da hat sich wohl jemand selbst überholt . Ich habe mir erlaubt das zu kritisieren, zumal ich das testweise mal so im Gottesdienst im Seniorenheim gespielt habe. Selbst den älteren Herrschaften war das zu tief, die kamen gar nicht klar. Das war für mich eindeutig zu viel des Guten und ich glaube in dieser Diskussion läuft es darauf hinaus, es allen recht machen zu wollen und damit ist am Ende niemandem geholfen
#5 RE: Streit um das neue Evangelische Gesangbuch
Singtonhöhe ist immer wieder ein spannendes Thema.
Die Damen meiner Gemeinde melden mir immer wieder rück, dass c'' das absolute Ende der Fahnenstange ist. Natürlich gibt es Ausnahmen, z.B. aus dem Kreis der Chorsänger.
Ich bin oft mit mir selbst uneins, in welcher Tonart ich was spielen soll. "Macht hoch die Tür" und "Nun danket alle Gott" spiele ich seit vielen Jahren in D, das scheint mir auch gut singbar. Aber bei Liedern mit größerem Ambitus wird es schwierig; "Lobt froh den Herrn, ihr jugendlichen Chöre" steht in B mit einem Spitzenton es''. Transponiere ich nach A kommen selbst mir die Anfangspassagen viel zu tief vor. Im Pflegeheim - vielleicht besteht da ein Unterschied zu einem bloßen Altenheim - oktavieren die allermeisten, sofern sie überhaupt noch singen. Ob ich da in der einen oder anderen Tonart spiele, ist beinahe egal. Am ehesten nehme ich da noch Rücksicht auf Gäste, die noch in normaler Lage singen.
Hallo,
was mir nicht klar ist (auch katholisch): Wie mächtig oder wichtig oder bedeutend ist denn die "Vereinte Evangelische Mission" (VEM) für oder innerhalb der evangelischen Kirche? So ganz weltumfassend, wie suggeriert, scheint sie jedenfalls nicht. Hier gibt es Info bei Wikipedia (klick).
Was ich damit sagen will: Wenn ich kein zentraler Akteur bin, muss ich mich m.E. zu Beginn eines solchen Prozesses wie der Planung eines neuen Gesangbuchs einschalten, nicht am Ende oder wenn alles weitgehend fertig ist.
Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
#7 RE: Streit um das neue Evangelische Gesangbuch
#8 RE: Streit um das neue Evangelische Gesangbuch
Zitat von Gemshorn im Beitrag #5
Ich bin oft mit mir selbst uneins, in welcher Tonart ich was spielen soll. "Macht hoch die Tür" und "Nun danket alle Gott" spiele ich seit vielen Jahren in D, das scheint mir auch gut singbar.
Das mache ich auch so. Übrigens nicht nur wegen der Singhöhe, sondern auch aus spielpraktischen Gründen: Es mag meine persönliche Präferenz sein, aber D-Dur liegt mir einfach wunderbar intuitiv und ergonomisch perfekt in Händen und Füßen, wohingegen ich Es-Dur schon immer ätzend zu spielen fand (neben der Hand-Ergonomie ist es vor allem im Pedal so: man muss in allen Grundakkorden der Lieder auf "schwarze Tasten", was gerade im Vergleich zu D-Dur m.E. recht unkomfortabel ist). Interessanterweise spiele ich c-moll wiederum ganz gerne, obwohl es eigentlich der gleichen Tonvorrat ist. Aber vielleicht könnt ihr nachvollziehen, was ich meine?
Wenn ich improvisiere, erwische ich mich jedenfalls sehr oft in D-Dur...
VG
Stephan
#10 RE: Streit um das neue Evangelische Gesangbuch
Ich spiele ja auch oft popularmusikalische Stile, wie Gospel und P&W. Seit dem fällt es mir wesentlich leichter in entlegenen Tonarten zu musizieren. Nun danket alle Gott spiele ich tatsächlich meistens in E.
Manche Tonarten im GL verstehe ich auch nicht. 395 in B ist gut, aber warum die gleiche Melodie in A als Gabenbereitungslied? Viel zu tief. Im Kölner Eigenteil gibt es die Melodie von Alles meinem Gott zu Ehren als Peter und Paul Lied in G. Das spiele ich immer in A oder Bb.
Zitat von Sc1978 im Beitrag #10
Manche Tonarten im GL verstehe ich auch nicht. 395 in B ist gut, aber warum die gleiche Melodie in A als Gabenbereitungslied? Viel zu tief.
Entscheidet denn der eine Halbton, ob es "gut" oder "viel zu tief" ist? Ich habe leider (oder zum Glück?) kein absolutes Gehör und würde vermuten, ich würde es nicht mal bemerken...
#13 RE: Streit um das neue Evangelische Gesangbuch
Zitat von Gemshorn im Beitrag #11
Spielen kann ich dir die Lieder in allen Tonarten.
Ob dann noch wer mitsingt, ist eine andere Frage...
bewundernswert - also ich kann das definitiv nicht und schon gar nicht mal eben so auf Zuruf.
Aber, man mag ja davon halten was man will, ich wirklich nicht gerade viel, bei manchen Harmoniumsen gibt es eine sehr einfache Transponiervorrichtung (es werden nämlich nur die Tasten nach rechts oder links verschoben, auch beim Cembalo mitunter für nur einen Halbton)
und obwohl jedes mittelgute E-Piano das selbstverständlich können sollte, ist es bei klassischen Pfeifenorgeln sehr selten.
Es gibt allerdings ein paar Instrumente wo das eingebaut wurde.
Das Problem ist hier die Konstruktion des Pedals - während die Manualtasten nämlich hinten alle den gleichen Abstand haben, ganz egal wie die Taste vorne aussieht und damit ebenfalls leicht verschoben werden könnten, ist bei den PedalTasten tatsächlich eine Lücke zwischen e/f und h/c und diese macht eine einfache Verschiebung somit unmöglich.
Vielleicht weiß der Eine oder die Andere hier sogar, dass es bei Harmoniumsen eine Spielvorrichtung gab, mit der der Spieler Melodien vierstimmig mit nur einer Taste spielen konnte.
https://www.mgg-online.com/articles/mgg08149/1.0/mgg08149
Harmonista oder Liebmannista etc
diese waren in der Regel ebenfalls so gebaut, dass sie in der Tonhöhe beliebig verstellt werden konnten.
Bzgl. der Tonhöhe macht es Sinn wenn die offiziellen Orgelbücher zu ausgewählten Liedern Sätze in zwei Tonhöhen anbieten. Es liegt dann in der Hand des (nebenamtlichen) Organisten den passenden Satz auszuwählen.
Die aktuellen Stammteil Orgelbücher des GL. besitze ich nicht. Im alten Orgelbuch gab es aber zu einigen Liedern Sätze in unterschiedlichen Tonhöhen.
#15 RE: Streit um das neue Evangelische Gesangbuch
Gibt es im "Neuen" auch, aber nur weniger.
In meiner Herkunftspfarre bzw. der dortigen Diözese ist ein Heft erstellt worden, in dem einige beliebte Lieder tiefer transponiert (und auch mit einfacherem Satz) erschienen sind. (Betrifft nicht Lieder des GL.)
Manches davon nütze ich (wenn ich denn dort bin und spiele), seit mir der Messner mal geklagt hat, dass ihm alle Lieder immer zu hoch sind. Manches hab ich aber nur einmal ausprobiert, das war mir und der Gemeinde zu tief.
Manche Lieder sind nur gering tiefer (Halbton), manche deutlich - vermutlich, um eine leichter spielbare Tonart zu haben.
Mir scheint, diese Versuche gehen am Kern des Problems vorbei: die Leute singen nicht deshalb nicht, weil es ihnen zu hoch ist, sondern weil Singen nicht mehr Teil unseres Alltags ist.
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