Passauer Domorgel Disposition

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26.06.2026 08:43
avatar  Joni32
#1 Passauer Domorgel Disposition
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Hallo zusammen,

ich dachte, ich eröffne mal einen Thread zur neuen Disposition der Passauer Domorgel, die mittlerweile auf Organindex veröffentlicht wurde.

Ich habe sie mir in Ruhe angesehen und finde, dass sie einige sehr interessante und teilweise überraschende Neuerungen enthält. Insgesamt wirkt die Disposition deutlich vielseitiger und grundtöniger als bisher. Neben zahlreichen romantischen Grundstimmen fallen auch viele interessante Soloregister und zusätzliche Zungenstimmen auf.

Besonders überrascht haben mich die zwei akustischen 64’-Register – einmal labial und einmal lingual. Das dürfte selbst bei Orgeln dieser Größenordnung eine echte Besonderheit sein. Ich bin sehr gespannt, wie überzeugend diese Resultanten später im Raum des Passauer Doms wirken werden.

Auch darüber hinaus gibt es einige spannende Ergänzungen und Umgestaltungen, die die Orgel klanglich noch flexibler machen dürften. Insgesamt macht die neue Disposition auf mich einen sehr durchdachten Eindruck.

Mich würde interessieren, wie ihr das Ganze seht:

* Was haltet ihr von der neuen Disposition?
* Welche Register oder Neuerungen sind euch besonders aufgefallen?
* Gibt es Änderungen, die ihr kritisch seht?
* Worauf seid ihr klanglich am meisten gespannt?

Ich persönlich interessiere mich ausschließlich für Orgeln und freue mich deshalb immer über solche Projekte und den Austausch darüber.

Schöne Grüße von einem gebürtigen Passauer👋


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26.06.2026 10:06
#2 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Danke für den Tipp mit der neuen Disposition, @Joni32.
Find ich auf den ersten Blick auch richtig spannend – nicht einfach nur „noch mehr Pfeifen", sondern ein ziemlich breit angelegtes Klangkonzept.

Eine Frage beschäftigt mich dabei besonders: Findet diese Mischung aus deutscher Romantik, neobarocken Teilen und den amerikanischen Hochdruck-Solostimmen am Ende wirklich zueinander?
Ich bin mir gar nicht sicher, ob eine solche "Einheit" überhaupt das Entscheidende ist. Bei so einer Anlage, wo die Werke an ganz verschiedenen Stellen im Dom stehen, muss ja nicht alles schön homogen ineinander übergehen. Da zählen Kontraste, Fernwirkung und unterschiedliche Klangorte im Raum genauso mit.

Der eigentliche Test ist vielleicht gar nicht, ob alles verschmilzt, sondern ob die Unterschiede stark genug bleiben, ohne "komisch" nebeneinander zu stehen?

Und am Ende entscheidet eh die Intonation im Raum, nicht die Liste auf dem Papier. Gerade im Passauer Dom wird das wohl die große Herausforderung.

Fertig sein soll das Ganze ja 2028 – hundert Jahre nach der Pfingstweihe der Steinmeyer-Orgel von 1928. Ob das bewusst so terminiert wurde, weiß ich nicht, aber der zeitliche Bogen passt schon gut.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie die amerikanischen Hochdruck-Solostimmen im echten Raum rüberkommen – ob der Dom sie etwas "bayrisch" abrundet oder ob sie sich direkt durchsetzen.

Und mal schauen: Wenn's gut wird, feiern alle die Synthese. Wenn's nicht so recht will, wird wahrscheinlich hinterher erklärt, dass Kontraste ja eh das Konzept waren.

Worauf seid ihr denn klanglich am meisten gespannt?


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26.06.2026 18:56
#3 RE: Passauer Domorgel Disposition
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26.06.2026 21:05
avatar  Aeoline
#4 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Oops... - da kommt bei mir nix...



VG
Aeoline


Organisten leiden oft an einer schlimmen Krankheit: Augentinnitus - Man(n) sieht nur noch Pfeifen...

Viscount Unico 400 DE [V1.14.19] (56/III/P) : ab 11.2012
Johannus Opus 520 (45/II/P) : 10.1987-11.2012
Siel HB 700 (9/II/P) : 1977-09.1987)


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26.06.2026 21:26
#5 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Bei mir ging der Link auch nicht, ich habe dann im Index nach der Orgel im Dom gesucht, das hier müsste der Link sein, richtig?
https://organindex.de/index.php?title=Pa...orgel_1980-2023


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27.06.2026 06:31 (zuletzt bearbeitet: 27.06.2026 06:32)
#6 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Die schließende Klammer hat es nicht mit in den Link geschafft. Wenn man die noch ergänzt, müsste es gehen. Die Problematik hatten wir schon mal, ich erinner mich.


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27.06.2026 06:33 (zuletzt bearbeitet: 27.06.2026 06:33)
#7 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Zweiter Versuch

Ja, der hier geht (=


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27.06.2026 16:07
avatar  Joni32
#8 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Interessant finde ich besonders das gigantische Solowerk mit Chamaden mit Vorbild nach der CC Orgel von Saint Sulpice. Auch Tuben in mehrfacher Ausgabe,… besonders finde ich auch das 64 Fuß Zungenregister wie funktioniert sowas überhaupt akustisch?


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27.06.2026 19:21
#9 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Zu deiner Frage mit den 64ern, @Joni32:

Das ist ähnlich wie bei kleinen Lautsprechern: Da glaubst du Bass zu hören, obwohl die Box unterhalb von so um die 100 Hertz so gut wie keinen echten Grundton rausbringt.

Eine kleine Box kann keinen richtigen 50- oder 70-Hertz-Ton mit echter Luftbewegung erzeugen. Aber wenn die passenden Obertöne da sind – zum Beispiel 100, 150 oder 200 Hertz –, ergänzt unser Hörsystem den fehlenden Bass ein bisschen trotzdem. Das Gehirn denkt sich: „Da muss unten noch was sein." Das nennt man den fehlenden Grundton.
Natürlich ist das im Gesamterleben ein riesiger Unterschied zu der Luftbewegung eines echten Grundtons, wie jeder an einer Pfeifenorgel spürt.

Beim akustischen 64-Fuß-Register an der Orgel ist das ähnlich, aber musikalisch wesentlich sauberer gelöst: Ein echter 64-Fuß-Ton auf dem tiefsten C läge bei etwa 8 Hertz. Das ist praktisch kein richtiger Ton, eher ein tiefes Pulsieren, das man viel ganz überwiegend körperlich spürt.

Statt eine fast 20 Meter lange Pfeife zu bauen, kombiniert man vorhandene Register – meist einen 32-Fuß mit der Quinte 21? Fuß. Die beiden ergeben zusammen den 2. und 3. Oberton eines gedachten 64-Fuß-Tons.

Der eigentliche 64-Fuß-Grundton ist also gar nicht als echte Pfeife da. Aber aus dem Zusammenspiel entsteht ein Klangmuster, das unser Ohr in diesem Fall sehr gut als diesen tieferen Grundton deuten kann.

Anders als bei der kleinen Box entsteht dabei sogar ein echter Differenzton im Ohr. Deshalb ist es nicht bloß Einbildung, aber auch kein echter physischer 64-Fuß, bei dem wirklich eine Pfeife Luft mit 8 Hertz in Schwingung versetzt.


Kurz gesagt: Bei der kleinen Box bastelt das Gehirn aus Obertönen eine undeutliche, körperlose, blasse Bass-Illusion zusammen.

Beim akustischen 64-Fuß an der Orgel bekommt es ein sauber aufgebautes musikalisches Muster geliefert – plus jede Menge echte tiefe Energie vom 32-Fuß!

Deshalb kann so ein akustischer 64-Fuß ziemlich überzeugend klingen: weniger wie echtes 8-Hertz-Grollen, eher wie ein zusätzlicher Keller unter dem Keller.

Viele Grüße


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28.06.2026 10:03
avatar  Joni32
#10 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Heißt das bei einem akustischen 64′-Register der Subcontra Tuba, dass dafür ein 32′- und ein 21 1/3′-Zungenregister kombiniert werden? Ich habe nämlich noch nie ein 21 1/3′-Zungenregister gesehen. Oder wird die Quinte einfach elektronisch bzw. spieltechnisch dazugemischt?

Und noch eine andere Frage: Schon eine Hochdruckzungenbatterie ist ja bei einer Orgel etwas Besonderes. Die Passauer Domorgel hat aber gleich vier verschiedene – Trompete en Chamade, Tuba Episcopalis, Pontifical Trumpet und Trompeta Magna. Welche klanglichen Unterschiede gibt es zwischen diesen vier Reihen, und für welche Anwendungsfälle sind sie jeweils gedacht? Oder anders gefragt: Warum braucht man gleich vier verschiedene Hochdruckzungenbatterien? 😄


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28.06.2026 13:47 (zuletzt bearbeitet: 28.06.2026 13:48)
#11 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Zum Ersten: Bei so einer Tiefe nimmt man Transmissionen, heißt, z.B. C und G aus der gleichen Reihe erklingen. Das pythagoreische Komma ist da vernachlässigbar.

Man geht davon aus, daß in den seltensten Fällen jemand noch einen Quintpedalgriff spielt, um dann theoretisch noch die 4 Hz herauszukitzeln. Und selbst dann dürfte es nicht auffallen, daß gemogelt worden ist.

Zum Zweiten: Weil man es kann und Geld dafür locker wird.


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28.06.2026 15:39
avatar  Joni32
#12 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Vielen Dank für die gute Erklärung!😁
Ja hier spielt zumindest Geld keine Rolle hab letztens gelesen dass das Projekt den ursprünglichen Rahmen sprengt mittlerweile sind es 10 Millionen Euro !🫢
Der Klang müsste jetzt aufjedenfall in jede Richtung erhaben werden, die Eisenbarth Orgel war doch laut und kräftig aber auch trotzdem mager, schwer zu beschreiben. Bin jedenfalls trotzdem ein Fan diverser Eisenbährtinnen😁


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28.06.2026 16:34 (zuletzt bearbeitet: 28.06.2026 16:35)
#13 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Zitat von Ippenstein im Beitrag #11
Zum Ersten: Bei so einer Tiefe nimmt man Transmissionen, heißt, z.B. C und G aus der gleichen Reihe erklingen. Das pythagoreische Komma ist da vernachlässigbar.


Man verzeihe mir, wenn ich etwas kleinlich bin aber mit dem Pythagoreischen Komma hat das nur mittelbar zu tun, da der Unterschied zwischen einer gleichstufig und einer rein gestimmten Quinte nur ein Zwölftel eben jenes Kommas ist, welches selbst ca 23,5 Cent (etwa ein achtel Ton) beträgt.
Die Differenz zwischen einem reinen G (= 24 Hz bei einem C = 16 Hz) und einem gleichstufig gestimmten G (ca 23,97... ) wären nicht einmal zwei Schwebungen in einer Minute, wenn ich richtig gerechnet habe.
Daher funktioniert das mit tiefen Tönen so gut und mit hohen eben nicht mehr.


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28.06.2026 18:57
#14 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Ja, in den Tiefen machen die Pi mal Daumen 2 Cent nichts aus. Bei Multiplexsystemen, die auch hohe Aliquoten generieren wollen, sieht das schon anders aus. Der normale Hörer hört den Unterschied oft nicht, solange man ihm nicht erklärt, worauf er achten muß...


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28.06.2026 19:56 (zuletzt bearbeitet: 28.06.2026 19:57)
avatar  SJL
#15 RE: Passauer Domorgel Disposition
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SJL

Mal interessehalber, wenn wir in einer Nicht-Multiplex bei höheren Aliquoten eine reine Stimmung haben, die mit der gleichstufigen Stimmung der Orgel zusammenfällt, müsste dann nicht eigentlich eine mit Nasard/Quinte registriert gespielte Quinte bzw Quintfolge entsprechend scheußlich klingen? Wäre mir noch nie aufgefallen...


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