Passauer Domorgel Disposition

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28.06.2026 20:25 (zuletzt bearbeitet: 28.06.2026 20:27)
#16 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Das ist allerdings tatsächlich so, dass man das Phänomen hat, dass die reingestimmten Aliquoten mit der gleichstufigkeit der Orgel über Kreuz liegen. Bei Terzmischungen ist es besonders auffällig, und die klingen deswegen meist etwas schmuddelig im akkordischen Spiel. Es gibt da auch eine Komposition von Frank Gerhardt, die mit eben dieser Gegenüberstellung von reiner Terz als Register und der unreinen gespielten Terz spielt. Man kann das sehr gut hören, wenn man einfach mal einen 2' plus terz und auf einem anderen Manual dieselbe Terz daneben spielt nur mit 2' (oder 4' eine oktave höher oder wie auch immer). Das schwebt gewaltig.

Es mag sein, dass nicht alle Musiker an Gott glauben; an Bach jedoch alle. - Mauricio Kagel


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28.06.2026 20:43
#17 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Zitat von Joni32 im Beitrag #12

Der Klang müsste jetzt aufjedenfall in jede Richtung erhaben werden, die Eisenbarth Orgel war doch laut und kräftig aber auch trotzdem mager, schwer zu beschreiben. Bin jedenfalls trotzdem ein Fan diverser Eisenbährtinnen😁

Hallo Joni, bereits am Tag der Einweihung der Eisenbart, mußte der Domorganist Schuster ob der Schwächen des Instrumentes zugeben: ".... mehr ist nicht drin:" Lautheit hat nichts mit Volumen zu tun. Und man versucht jetzt wieder dem Steinmeirschen Volumen, ergänzt mit amerikanischen Spezialzungen, nahe zu kommen. Ein weiterer Punkt der alten Domorgel war das Ladensystem, daß von der orgelbewegten Nachkriegszeit keine Gnade fand.

Liebe Grüße vom Clemens

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28.06.2026 21:07
#18 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Probier es an der DO aus.

Ich habe es probiert. Bei der reinen Quinte 2 2/3 haben wir wahrnehmbar nur die 2 Cent Schwebung zwischen C und G, da die Quinte 2 2/3 zu den Bezugstönen schwebungsfrei gestimmt ist. Bei einer Multiplex schweben sowohl die Quinte zu C mit 2 Cent, aber die Quinte zu G mit 2 Cent zu G und 4 Cent zu C.
Damit werden mehrere Schwebungen hörbar, die nur durch die allgemeine Verstimmung der Orgel etwas untergehen.


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29.06.2026 07:44 (zuletzt bearbeitet: 29.06.2026 07:45)
#19 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Zitat von Ippenstein im Beitrag #18
Probier es an der DO aus.
Ich habe es probiert. Bei der reinen Quinte 2 2/3 haben wir wahrnehmbar nur die 2 Cent Schwebung zwischen C und G, da die Quinte 2 2/3 zu den Bezugstönen schwebungsfrei gestimmt ist. Bei einer Multiplex schweben sowohl die Quinte zu C mit 2 Cent, aber die Quinte zu G mit 2 Cent zu G und 4 Cent zu C.
Damit werden mehrere Schwebungen hörbar, die nur durch die allgemeine Verstimmung der Orgel etwas untergehen.


Es tut mir leid, aber ich finde das ist sehr unglücklich ausgedrückt.
Als würde man sagen: "Das Auto fährt 5m schnell"
Cent ist ein Maß für die relative Differenz von Tonhöhen und das schöne an diesen Cent ist, dass man sie einfach Addieren kann. Ganz egal für welche Frequenz, ein gleichstufiger Halbton ist immer 100 Cent (so ist das Cent definiert).
Eine Schwebung hingegen ist ein zeitlich absoluter Wert, weil wir diese eher als Veränderungen zu einer festen Zeiteinheit wahrnehmen: 3 Schwebungen pro Sekunde.
Sobald sich mehrere Schwebungen überlagern sind Menschen eigentlich nicht mehr in der Lage diese getrennt wahrzunehmen (der typische Streicherklang).
Das Problem mit den Terzen ist daher so auffällig, weil eine gleichstufige Terz ca 16 Cent von einer reinen Terz entfernt liegt (C-G-D-A-E = 4 Quinten) und die reine Septime sogar ca 31 Cent.
Allerdings haben wir uns in der westlichen Musik so sehr an diese "falsch" klingenden Terzen gewöhnt, dass statt ihrer die reine Terz, zum Beispiel bei mitteltönig gestimmten Orgeln, von vielen als unstimmig empfunden wird.
Das System Ohr-Gehirn ist da ebenso unpräzise wie unsere Augen.

Akkorde in reiner Stimmung


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29.06.2026 09:18
#20 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Zitat von MagisterPerotin im Beitrag #16
Das ist allerdings tatsächlich so, dass man das Phänomen hat, dass die reingestimmten Aliquoten mit der gleichstufigkeit der Orgel über Kreuz liegen. Bei Terzmischungen ist es besonders auffällig, und die klingen deswegen meist etwas schmuddelig im akkordischen Spiel. Es gibt da auch eine Komposition von Frank Gerhardt, die mit eben dieser Gegenüberstellung von reiner Terz als Register und der unreinen gespielten Terz spielt. Man kann das sehr gut hören, wenn man einfach mal einen 2' plus terz und auf einem anderen Manual dieselbe Terz daneben spielt nur mit 2' (oder 4' eine oktave höher oder wie auch immer). Das schwebt gewaltig.

Diese Gegenüberstellung ist doch auch das Salz in der Suppe bei einer schönen Tierce en taille.


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29.06.2026 12:11
#21 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Schön gesagt — die Terz, die im Akkord stört, ist in der solistischen Tenorlage gerade der Reiz.


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29.06.2026 23:21
#22 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Zurück zur Bombarde 64 Fuß. In Amerika baut man solche. Eigentlich logisch, da der Becher nicht die volle Länge haben muß. Eine Zunge in Quintstimmung halte ich für weniger wahrscheinlich als ein angepasstes Labialregister, wenn es eine Resultantkombination sein sollte.

Bei einer meiner Orgeln wird ein ähnlicher Effekt mit Untersatz 32, Quintbaß und Posaune 16 erzielt. Da geht es schon ordentlich in die Tiefe.


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30.06.2026 07:45
avatar  Joni32
#23 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Hallo zusammen,

vielen Dank für die bisherigen Beiträge – ich finde sie wirklich sehr informativ und spannend zu lesen.

Mir ist noch eine Frage eingefallen: Ist euch an der Disposition der Domorgel sonst noch etwas Besonderes aufgefallen? Gibt es Register, die aus eurer Sicht besonders interessant, ungewöhnlich oder klanglich hervorzuheben sind?

Ich freue mich auf eure Einschätzungen und den weiteren Austausch!


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30.06.2026 09:14
#24 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Bin großer Fan von Raumwirkungen. Und mit den neuen Balkonwerken vorne im Dom kommen ja offenbar richtig neue Klangquellen mit den Hochdruck- und Solofarben dazu.

Das stelle ich mir super vor: Klang aus anderen Richtungen – mit Fernwirkung, Antwort von vorne und hoffentlich echter Raumdramaturgie!

Besonders gespannt bin ich darauf, wie dieses räumliche Pingpong zwischen den alten Werken und den neuen Klangquellen rüberkommt – und wie die neuen Hochdruckzungen in den Raum pflügen 😁

Vielleicht müssen und sollen die verschiedenen Stile ja gar nicht zu einer großen Verschmelzung werden. Die Hochdruckfarben könnten einen gerade deshalb umhauen, weil sie in verschiedener Breitenwirkung und Schärfe (siehe oben) aus anderen Ecken kommen und dem Hauptwerk bewusst kontra geben. Ein gewaltiges räumlich verteiltes Orchester (?)

Bei den Eröffnungskonzerten werde ich darauf auf jeden Fall genau lauschen und möglichst optimal zwischen den Werken sitzen.👂👂


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05.07.2026 13:56
avatar  Joni32
#25 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Was ich auch interessant finde, dass der mechanische Hauptspieltisch anscheinend geopfert wurde um noch mehr Register unterzubringen. Er war wohl eh nicht so beliebt. und im Hauptwerk gibt’s sogar ne Trompete 32. Mehr Gravität geht wohl gar nicht.😉


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05.07.2026 15:05
#26 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Der wurde vermutlich nie genutzt, da der Generalspieltisch gut gelegen war. Zudem konnte man auch nur die Hauptorgel spielen und hatte nix gesehen.


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05.07.2026 17:50
#27 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Der mechanische Spieltisch (en fenetre) war ja wohl ein ideologisches Ergebnis und wohl doch arg schwergängig.....

Liebe Grüße vom Clemens

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06.07.2026 10:01
#28 RE: Passauer Domorgel Disposition
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Also viel Geld ausgegeben und nicht genutzt... Das irritiert mich bei großen Anlagen, wenn bei heutiger Kassenknappheit trotzdem noch vollhändig ausgegeben werden kann, während man auf dem Lande die Euros für die Erhaltung zusammenkratzen muß.


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06.07.2026 22:18
avatar  SJL
#29 RE: Passauer Domorgel Disposition
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SJL

Aber so gesehen dürfte man überhaupt keine üppigen (Dom-)orgeln planen. Budgettechnisch Irgendwie immer ein Wahnsinn.

Besonders ärgerlich ist es aber, wenn sich Spezialisten auf Kosten der Allgemeinheit ein Denkmal bauen, aber der durchschnittliche Kirchenmusiker hat nichts davon (kurze Oktaven, Stummelpedal, Mitteltönigkeit....).


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